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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jacquand; Jacquard; Jacquardmaschine; Jacqueiraholz; Jacqueline; Jacquemart; Jacquerie; Jacques; Jacquet

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Jacquand - Jacquet.

Jacquand (spr. schakang), Claudius, franz. Maler, geb. 1805 zu Lyon, war Schüler der dortigen Kunstakademie, später des Malers Fleury-Richard in Marseille und ging 1838 nach Paris, wo er eine reiche Thätigkeit namentlich im historischen Genre entwickelte und große Erfolge erzielte, obgleich seine Bilder nur von äußerlich malerischer Wirkung sind, während es den Gestalten oft an lebhaftem Ausdruck und an Bewegung fehlt. Gleichwohl fanden mehrere im historischen Museum zu Versailles (Jacques Molay nimmt Jerusalem, und das Kapitel der Johanniter) und im Museum des Luxembourg (öffentliche Buße in einem Kloster der Eremiten zu St.-Maurice und letzte Zusammenkunft Karls I. von England mit seinen Kindern, 1855) Aufnahme. Zu den bedeutendern seiner übrigen Werke gehören die Wandgemälde (1858-60) in der Kapelle der heiligen Jungfrau zu St.-Philippe du Roule sowie die Staffeleibilder: die unterbrochene Mahlzeit, Bonaparte in Nizza (1869), Mönche kaufen eine sizilische Familie von Seeräubern los, Gaston de Foix nimmt Abschied von seiner Mutter, Kolumbus und sein Sohn (1870), Wilhelm der Schweigsame von Oranien, der Tod des Herzogs von Orléans u. a. in den Museen zu Rotterdam, Hamburg und in der Neuen Pinakothek zu München. Er starb 3. Mai 1878 in Paris.

Jacquard (spr. schakar), Joseph Marie, Mechaniker, geb. 7. Juli 1752 zu Lyon, erlernte die Buchbinderei, ward hierauf Schriftgießer, dann Arbeiter in einer Fabrik für broschierte Seidenstoffe, legte später eine eigne Werkstätte zur Verfertigung gemusterter Seidenstoffe an, verlor aber darüber seine ganze Habe. Schon vor 1790 suchte er an den Zugstühlen für gemusterte Stoffe den Ziehjungen, der die vorgerichteten Schnüre nach bestimmter Ordnung anziehen mußte, um die Kettenfäden des Gewebes in der erforderlichen Weise zu jedem Einschuß zu heben, durch einen mechanischen Apparat entbehrlich zu machen. Während der Revolutionsunruhen trat er als Freiwilliger in die Rheinarmee, kehrte aber bald nach Lyon zurück und führte hier 1801 endlich seinen Apparat aus. Er nahm nun zunächst die Konstruktion einer Maschine zum Netzstricken in Angriff, die ihm 1804 eine Anstellung im Pariser Konservatorium der Künste und Handwerke einbrachte. Hier lernte er Vaucansons Trommelmaschine kennen, eignete sich einige der darin verkörperten Gedanken an, wußte aber das Entlehnte mit größtem Scharfsinn zu verändern und gelangte so bis 1808 zu einer durchaus originalen Vorrichtung, welche mit seiner ersten Maschine nicht die entfernteste Ähnlichkeit besaß. Trotz des Widerstandes der Stuhlarbeiter gelang es ihm, seinen Webapparat allmählich in den Lyoner Fabriken einzuführen, und so waren 1812 in Frankreich schon 18,000 Jacquardsche Webstühle im Gang, welche seit 1815 auch in andern Ländern Eingang fanden. J. starb 7. Aug. 1834 in Oullins bei Lyon, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht hatte; 1840 wurde auf dem Sathonayplatz zu Lyon sein von Foyatier gearbeitetes Standbild errichtet. Vgl. Grandsard, J., sa vie etc. (3. Aufl., Lille 1884); Kohl, Geschichte der Jacquardmaschine (Berl. 1873).

Jacquardmaschine (spr. schakar-), s. Weben.

Jacqueiraholz, s. Jakholz.

Jacqueline (spr. schack'lihn), Thonkrüge, die besonders in Desvres (Pas de Calais), dann auch in Holland, Deutschland und England angefertigt wurden. Sie haben die Gestalt einer grotesken sitzenden Frau in geblümtem Kleid. In England heißen diese Gefäße tobyfillpot.

Jacquemart (spr. schack'már), 1) Albert, franz. Schriftsteller, geb. 1808 zu Paris, trat in das Finanzministerium und wurde 1865 Büreauvorstand in der Zollverwaltung; starb 14. Okt. 1875 daselbst. J. besaß ausgebreitete Kenntnisse in der Keramik. Er schrieb: "Flore des dames" (Botanik für Frauen, Par. 1840, 2. Aufl. 1841); "Nouveau langage des fleurs" (1841); "Histoire artistique, industrielle et commerciale de la porcelaine" (1862); "Notices sur les majoliques de l'ancienne collection Campana" (1863); "Les merveilles de la céramique" (1866-69, 3 Bde.; 4. Aufl. 1883); "Histoire de la céramique" (1873, 2. Aufl. 1883); "Histoire du mobilier" (1876, 2. Aufl. 1884).

2) Jules, Kupferstecher, Sohn des vorigen, geb. 3. Sept. 1837 zu Paris, trat zuerst 1861 als Maler und Stecher im "Salon" auf, widmete sich aber später ausschließlich dem Stich. Er hat verschiedene Blätter nach Fr. Hals, van der Meer, Rembrandt, Meissonnier ^[richtig: Meissonier], Greuze, Reynolds u. a. geliefert; hauptsächlich aber war er thätig für die Illustration von Werken, so für die seines Vaters, für Barbet de Jouys "Gemmes et joyaux de la couronne", für die "Annales archéologiques", die "Gazette des Beaux-Arts" etc. Anfangs noch etwas trocken, erreichte er eine Technik von unübertrefflicher Virtuosität, die den Glanz und die Textur der Vasen, Edelsteine etc. mit malerischer Vollendung wiedergibt. Er starb 26. Sept. 1880 in Nizza.

3) Nélie, franz. Malerin, geb. 1845 zu Paris, Schülerin von Cogniet, malte schon 1867 für die Kirche St.-Jacques du Haut Pas einen heil. Eugen und stellte 1868 ihr erstes Porträt aus, dem eine Anzahl von Bildnissen berühmter Persönlichkeiten folgte, welche durch feine Charakteristik und einfache Haltung ausgezeichnet sind. Unter den Porträtierten sind der Unterrichtsminister Duruy (1869), Marschall Canrobert (1870), Thiers (1871), Justizminister Dufaure (1873), Graf Palikao, Marquis von Montesquieu und Herzog von Decazes (1878) hervorzuheben. Nach vielversprechenden Anfängen ist sie später in den Hintergrund getreten.

Jacquerie (spr. schack'rih), Name des 1358 durch den Despotismus der französischen Großen hervorgerufenen Bauernaufruhrs im nördlichen Frankreich (von Jacques Bonhomme, etwa "Hans Simpel oder Tropf", womit die Edelleute die von ihnen bedrückten geduldigen Bauern zu bezeichnen beliebten). Unmittelbaren Anlaß zum Ausbruch dieses Aufruhrs gab der Aufstand in Paris unter dem Prevot Marcel gegen den Dauphin Karl. Nun erhoben sich auch die Bauern gegen ihre adligen Gutsherren. Hunderte von Edelsitzen wurden zerstört und deren Inhaber ermordet. Aus der Gegend von Beauvais und Clermont verbreitete sich der Aufstand in die Landschaften Brie, Soissonnais, Laonnais und an die Ufer der Marne und Oise, ward aber endlich durch die vereinte Kraft des Adels auch der benachbarten niederländischen Provinzen in Strömen von Blut erstickt. Vgl. Luce, Histoire de la J. (Par. 1860).

Jacques (franz., spr. schack), s. v. w. Jakob; doch heißt der jüdische Patriarch auch im Französischen Jacob.

Jacquet (spr. schackäh), Jean Gustave, franz. Maler, geb. 25. Mai 1846 zu Paris, Schüler von Bouguereau, debütierte in der Ausstellung von 1865 mit den allegorischen Darstellungen: Bescheidenheit und Traurigkeit und brachte in den nächsten Jahren mehrere Porträte, deren große Frische und Lebendigkeit in der Auffassung, Feinheit des Kolorits ebenso gerühmt wurden wie seine Genrebilder: der Ruf zu