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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jacquin; Jaczo von Köpenick; Jadassohn; Jade; Jadeit; Jadrin; Jaell

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Jacquin - Jaell.

den Waffen im 16. Jahrhundert (1867), der Auszug der Landsknechte (Schloß zu Blois), das junge Mädchen mit dem Degen (1872), das große Fest in der Touraine im 16. Jahrhundert (1873), die Bauernfrau (1876). Er bereiste Italien, Deutschland und England.

Jacquin (spr. schakäng), Nikolaus Joseph, Freiherr von, Botaniker, geb. 16. Febr. 1727 zu Leiden, praktizierte seit 1752 in Wien als Arzt, bereiste 1754-59 Westindien, um neue Pflanzen für die kaiserlichen Gärten zu Wien und Schönbrunn zu holen, wurde nach seiner Rückkehr Professor der Chemie und Botanik zuerst in Schemnitz, dann in Wien, auch Direktor des akademischen, später des Schönbrunner Gartens, trat 1797 in den Ruhestand und starb 24. Okt. 1817 in Wien, nachdem er 1806 in den Freiherrenstand erhoben worden war. Seine Hauptwerke sind: "Flora austriaca" (Wien 1773-78, 5 Bde. mit 450 kolorierten Tafeln); "Selectarum stirpium americanarum historia" (das. 1763 u. 1780, mit 264 kolorierten Tafeln); "Observationes botanicae" (das. 1764, 4 Bde. mit 100 Tafeln); "Hortus botanicus Vindobonensis" (das. 1770-76, 3 Bde. mit 300 Tafeln); "Icones plantarum rariorum" (das. 1781-93, 3 Bde. mit 648 kolorierten Tafeln); "Collectanea ad botanicam, chemiam et historiam naturalem spectantia" (das. 1786-96, 5 Bde. mit 106 kolorierten Tafeln); "Plantarum rariorum horti caesarei Schoenbrunnensis descripiones et icones" (das. 1797-1804, 4 Bde. mit 500 kolorierten Tafeln); "Stapeliarum in hortis Vindobonensibus cultarum descriptiones" (das. 1806, mit 64 kolorierten Tafeln).

Jaczo von Köpenick (spr. jazzo), Vasall des märkischen Fürsten Pribislaw, erhob, als letzterer sein Land dem Markgrafen Albrecht dem Bären vermachte, dagegen Einspruch und eroberte 1157 Brandenburg; Albrecht vertrieb ihn aber wieder und nahm ihm seine Lande Barnim und Teltow, worauf J. nach Pommern ging und dort starb. An ihn knüpft sich die Sage, daß er auf der Flucht nach seiner Niederlage an die Havel gekommen sei und dem Christengott gelobt habe, seinen Glauben anzunehmen, wenn er sich glücklich über den Strom rette; nachdem ihm dies gelungen, habe er seinen Schild an eine Eiche gehängt (auf dem jetzigen Schildhorn im Grunewald bei Berlin) und sich Albrecht unterworfen.

Jadassohn, Salomon, Klavierspieler und Komponist, geb. 13. Aug. 1831 zu Breslau, kam 1848 nach zurückgelegten Gymnasialstudien auf das Leipziger Konservatorium, wo er unter Moscheles, David, Richter und Hauptmann seine Ausbildung erhielt, genoß 1849-52 noch den Unterricht Liszts in Weimar und ließ sich dann als Musiklehrer in Leipzig nieder, wo er 1866 den geistlichen Gesangverein "Psalterion" gründete und seit 1871 als Lehrer der Komposition und des Klavierspiels am Konservatorium angestellt ist. Unter seinen zahlreichen Werken befinden sich Symphonien, größere Vokalkompositionen, Kammermusikstücke (Quartette, Trios), Lieder etc. Besonders fleißig hat J. den Kanon kultiviert und in dieser von ihm mit technischer Meisterschaft beherrschten Form treffliche Erzeugnisse in weiterm und engerm Rahmen geliefert. Er schrieb: "Lehrbuch der Harmonie" (Leipz. 1883); "Die Lehre vom Kanon und von der Fuge" (das. 1884); "Lehrbuch des Kontrapunktes" (das. 1884); "Die Formen in den Werken der Tonkunst analysiert etc." (das. 1885).

Jade (Jahde), schiffbarer Küstenfluß im Großherzogtum Oldenburg, entsteht bei Loy, 4 km nördlich von der Stadt Oldenburg, und mündet nach 22 km langem Lauf in den 190 qkm (3½ QM) großen Jadebusen der Nordsee, der durch den Andrang der vielen Sturmfluten, von denen eine 1511 fünf Kirchspiele verschlang, entstanden ist. Die Einfahrt, von der Norderweser durch Sandbänke, wie der Hohe Weg, die Norderplatte etc., getrennt, ist bei der 3-4 m steigenden Flut für Schiffe jeder Größe fahrbar. Das Fahrwasser ist meist 2 km breit, und die Hauptströmungen der Ebbe und Flut frieren nie zu. Diese günstigen Verhältnisse, verbunden mit der militärisch-politisch wichtigen Lage der Jademündung, hatten schon die Aufmerksamkeit Napoleons I. auf sich gezogen, der das Projekt zu einem dort anzulegenden Kriegshafen ausarbeiten ließ, dessen Ausführung jedoch unterblieb. 1853 erwarb Preußen, dem eine Nordseestation Lebensbedingung einer künftigen Kriegsmarine war, von Oldenburg zwei kleine Landstreifen am östlichen und westlichen Ufer des Busens zur Anlage eines Kriegshafens, denen später noch andre kleine Gebiete hinzugefügt wurden; auch ward durch Vertrag vom 16. Febr. 1864 die Beschränkung beseitigt, welche für Preußen hinsichtlich der Anlage eines Handelshafens, einer Handelsstadt sowie der Ansiedelung von Handwerkern und Gewerbtreibenden bestanden hatte. Die Hafenarbeiten wurden 1855 in Angriff genommen, schritten aber wegen der Terrainschwierigkeiten nur langsam fort. Am 17. Juni 1869 wurde der Kriegshafen eingeweiht. Der eigentliche Hafen ist 376 m lang und 220 m breit, die Einfahrt zu demselben (Hafenkanal) 110 m breit. Auf der Reede hat das Fahrwasser zur Zeit der Ebbe eine Tiefe von 11 m. An den Kriegshafen schließen sich drei Trockendocks und zwei Hellinge (zum Bau von Panzerschiffen) an. Im S. des Kriegshafens liegt der Handelshafen, und unweit desselben mündet der im Bau begriffene Ems-Jadekanal. Trinkwasser ist 1865 in der Tiefe von 210 m erbohrt worden. Die Gesamtkosten für die Hafenanlagen belaufen sich auf mehr als 60 Mill., für die Festungswerke auf 36 Mill. Mk. Das Jadegebiet gehört gegenwärtig zur preußischen Provinz Hannover, bildet einen eignen Amtsgerichtsbezirk des Kreises Wittmund im Regierungsbezirk Aurich und hat nur eine einzige Ortschaft, die Stadt Wilhelmshaven (s. d.). S. Karte "Oldenburg".

Jadeit, s. Nephrit.

Jadrin, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kasan an der Sura, hat 3 Kirchen und (1881) 2526 Einw.

Jaell, Alfred, Klavierspieler und Komponist, geb. 5. März 1832 zu Triest, erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater Eduard I., der, ehemals Musikdirektor in Wien und tüchtiger Violinspieler, 1839 eine Musikschule in Triest gründete. Kaum elf Jahre alt, machte J. seine erste Kunstreise nach Italien und errang hier sowie später in Wien solchen Beifall, daß sich Karl Czerny erbot, seine weitern Studien zu leiten. Seit 1844 unternahm J. Kunstreisen durch Italien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Nordamerika und ward 1857 vom König von Hannover zum Hofpianisten ernannt. Später lebte er mit seiner Gattin Marie, gebornen Trautmann, einer vortrefflichen Klavierspielerin und ungewöhnlich begabten Komponistin, in Paris, wo er als Virtuose und als Lehrer hochangesehen war und 27. Febr. 1882 starb. Jaells Spiel war vorzugsweise glänzend, an Thalberg erinnernd. Seine Kompositionen, bestehend in Salonstücken, Transskriptionen, Phantasien über Opernmotive etc., zeichnen sich mehr durch Brillanz und Wohlklang als durch Tiefe aus.