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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jamaicabitterholz; Jamaicapfeffer; Jamaicin; Jaman; Jambi; Jamboli; Jambosa

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Jamaicabitterholz - Jambosa.

von 10,859 qkm (197,2 QM.) und (1881) 580,804 Einw., nämlich 14,433 Weiße, 109,946 Mulatten, 444,186 Schwarze und 12,240 Kulis. Im J. 1830 (also zur Sklavenzeit) zählte man erst 402,000 Einw., und 1861-81 ist die Bevölkerung um 32 Proz. gewachsen (Weiße 4,4 Proz., Farbige 36, Schwarze 28 Proz.). Im Innern hausen noch Maronneger, die Nachkommen der den Spaniern entsprungenen Negersklaven. Kulis sind seit 1861 eingeführt worden, aber ohne den von den Pflanzern erhofften Erfolg. Juden sind zahlreich. Die Schulen genügen keineswegs dem Bedürfnis, und trotz der Tausende, die von englischen Missionsgesellschaften auf der Insel spendiert werden, lebt ein großer Teil der Neger in thatsächlichem Heidentum. Die Abschaffung der Sklaverei (1833) hat dem Wohlstand der Insel tiefe Wunden geschlagen. An die Stelle großer Plantagen, mit sorgfältiger Bewirtschaftung, sind kleine Grundstücke getreten. Man baut namentlich Zucker: Kaffee, Piment und Ingwer. Nahrungspflanzen sind: Kassawen, Bataten, Mais, Brotfrüchte, Kürbisse, Erbsen, Bohnen, Arrowroot, Gemüse. Auch Cinchonapflanzungen hat man angelegt. Die Viehzucht ist sehr zurückgegangen. 1883 zählte man 45,969 Pferde, 84,206 Rinder, 20,000 Schafe, 9000 Schweine. Die Ausfuhr hatte 1884 einen Wert von 1,483,983, die Einfuhr von 1,568,639 Pfd. Sterl., und Schiffe von 969,549 Ton. Gehalt liefen in den Häfen der Insel vom Ausland ein. Ausgeführt wurden 588,523 Ztr. Zucker (1806: 2,152,114 Ztr.), 92,524 hl Rum (1806: 186,856 hl), 48,357 Ztr. Kaffee (1814: 340,456 Ztr.), 15,705 Ztr. Ingwer (1826: 29,240 Ztr.), 110,471 Ztr. Piment (1830: 65,439 Ztr.), Rotholz etc. Die Hauptartikel der Einfuhr sind: Mehl, Fische, Baumwollwaren. Fast alle Einfuhrartikel zahlen Zoll, meist 12½ Proz. ad val.; nur Maschinen, Steinkohlen, Steinsalz und Bücher sind frei, und für Kaffee, Rum, Zucker und Holz wird ein Ausfuhrzoll erhoben. Der Verkehr ist am lebhaftesten mit England, den Vereinigten Staaten und Kanada. Bis 1866 erfreute sich J. einer Repräsentativerfassung, deren Resultate indes so trauriger Art waren, daß sich die Regierung gezwungen sah, dieselbe, mit Einwilligung der Stände, zu beseitigen. Die Folgen zeigten sich bald in den günstigern Finanzverhältnissen der Insel, so daß die Ausgaben (1883-1884: 562,585 Pfd. Sterl.) seit langer Zeit wieder durch die Revenue gedeckt wurden und die Kolonialschuld (1884: 1,243,899 Pfd. Sterl.) vermindert werden konnte. Hauptstadt der Insel ist Spanishtown, die größte Stadt aber Kingston. Die Caymans und Navassa (s. d.) sowohl als die Turksinseln unterstehen dem Gouverneur von J.

Die Insel J. wurde von Kolumbus auf seiner zweiten Reise 5. Mai 1494 entdeckt und Santiago genannt. Auf seiner vierten Reise 1503 litt er an der Küste Schiffbruch und bewog die Indianer durch Voraussagung einer Mondfinsternis, ihn mit Lebensmitteln zu unterstützen. 1509 wurde die Insel von den Spaniern in Besitz genommen, und bereits 1560 war die Urbevölkerung fast gänzlich ausgerottet. Seit 1545 stand J. unter den Nachkommen Kolumbus', bis die männliche Linie derselben ausstarb und die Statthalterschaft durch weibliche Deszendenz an das Haus Braganza kam. Als dieses 1640 sich des Throns von Portugal bemächtigte, zog Spanien die Statthalterschaft ein. Schon 1655 wurde indessen J. von den Engländern eingenommen und 1659 ihnen förmlich abgetreten. Von da ab war die Insel, die nun den Namen J. ("Wald- und Wasserland") erhielt, der Hauptbesitzpunkt englischer Macht in den westindischen Gewässern. Hartnäckige Kämpfe mit den Maronnegern (entlaufenen Sklaven) im Innern der Insel wurden erst 1795 beendet. Seit 1807 hörte die Einfuhr der Sklaven auf, nachdem 1700-1786 etwa 600,000 Sklaven dahin gebracht worden waren; am 1. Aug. 1838 endlich wurden alle Sklaven für frei erklärt und den ehemaligen Besitzern eine Entschädigung von 394 Mk. pro Kopf bezahlt. Seit jener Zeit verarmte die einst wohlhabende Insel, und der Notstand ward noch in jüngster Zeit durch den Negeraufstand von 1865, der mit blutiger Strenge niedergeschlagen wurde, erhöht. Die frei gewordenen Neger, welche sich den harten Bedingungen der bisherigen Sklavenhalter nicht unterwerfen wollten, hatten zum großen Teil die Arbeit auf den Plantagen verlassen und sich im unangebauten Innern der Insel angesiedelt. Die Plantagenbesitzer, hierdurch und durch die freihändlerische Zollgesetzgebung des Mutterlandes vom wirtschaftlichen Ruin bedroht, suchten die Neger mit Hilfe der Gerichte von dem okkupierten Grundbesitz zu vertreiben, was in Port Morant auf der Ostseite von J. im Oktober 1865 einen Aufstand hervorrief. Die Pflanzer und auch der Gouverneur Eyre betrachteten denselben als eine günstige Gelegenheit, die Neger zu züchtigen, erklärten den Belagerungszustand und wüteten nun auf das furchtbarste unter Schuldigen und Unschuldigen. Außer zahlreichen im Kampf oder ohne Urteil Erschossenen wurden 330 Neger, darunter auch ein Mitglied des Unterhauses von J., Gordon, hingerichtet, über 600, worunter auch Frauen, gepeitscht und zu schweren Kerkerstrafen verurteilt, mehr als 1000 Häuser eingeäschert. Eyre ward allerdings von der englischen Regierung abberufen, jedoch nicht bestraft; die von Sir Henry Storks geleitete Untersuchung der vorgefallenen Gewaltthaten verfuhr sehr mild, indes wurde eine Besserung der Verhältnisse auf der Insel durch eine im Oktober 1866 erteilte neue Verfassung angebahnt. Gegenwärtiger Gouverneur ist Sir H. W. Norman. Vgl. Gardner, History of J. (Lond. 1874); Sinclair und Fyfe, Handbook of J. (jährlich).

Jamaicabitterholz, das Holz von Simaruba excelsa.

Jamaicapfeffer, s. v. w. Piment, s. Pimenta.

Jamaicin, s. v. w. Berberin.

Jaman, Dent de (spr. dang d'schamang), s. Freiburger Alpen.

Jambi, Fluß, s. Dschambi.

Jamboli, Stadt in Ostrumelien, an der Tundscha, Endpunkt einer sich an die Linie Konstantinopel-Sarambei anschließenden Zweigbahn, mit Weinbau, Fabrikation von Wolldecken und 7000 Einw.

Jambosa Dec. (Jambobaum, Jambusenbaum), Gattung aus der Familie der Myrtaceen, schöne, immergrüne Bäume mit kurzstieligen, hell punktierten, gegenständigen Blättern, in wenigblumigen Afterdolden stehenden, ansehnlichen Blüten und großen, eßbaren Früchten. J. vulgaris Dec. (Eugenia Jambos L.), auf den ostindischen Inseln wild wachsend und allenthalben in den Tropengegenden, auch auf Madeira kultiviert, ist ein schöner, immergrüner Baum von 6-12 m Höhe, trägt kugelige, blaßgelbe, rosenrot angeflogene, von dem grünen Kelch gekrönte, wohlriechende und wohlschmeckende Früchte, welche als Rosenäpfel sehr geschätzt sind und wie die in Zucker eingemachten, weinsäuerlich riechenden Blüten auch bei fieberhaften Krankheiten verabreicht werden. J. domestica Rumph (J. malaccensis Dec.), ein niedriger Baum, auf den ostindischen Inseln, auf den Antillen und in Brasilien