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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Japan

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Japan (Geologisches, Klima).

mit oft starken Verwerfungen. Fusulinenkalke finden sich namentlich im mittlern Hondo. Auch Glieder der Trias, des braunen Jura und der Kreide wurden auf dieser Insel und auf Jeso nachgewiesen. An diese ältern Gebirgsglieder, zumal an den Rändern gehobener Buchten, lagern sich vielfach miocäne und pliocäne Konglomerate, Sandsteine, Schieferthone, Braunkohlen, vulkanische Tuffe und Meeressande mit vielen Resten mariner Konchylien oder einer reichen Landflora. Dagegen hat man Anzeichen von Eocän und Diluvium noch nicht gefunden.

Die ältesten Eruptionen, welche die metamorphen und paläozoischen Schichtenkomplexe vielfach durchbrochen und überlagert haben, waren die des Granits und verwandter Gesteine. Der Granit ist namentlich im südwestlichen und mittlern Hondo weit verbreitet; er bildet hier einen großen Teil des höhern Gebirges und erreicht im Komagatake an der Grenze von Koshiu 3000 m Höhe. Bei vielen andern ansehnlichen Bergen bildet er die Unterlage. Jüngere vulkanische Bildungen, insbesondere trachytische und doleritische, durchsetzen fast noch häufiger die verschiedensten Schichtenkomplexe, überlagern sie wie auch den Granit und bilden so vielfach die krönenden Kuppen oder seitlich, dem Gebirge vorgelagert, isolierte Berge von bekannter Kegelgestalt.

J. ist vorwiegend Gebirgsland. Seine Gebirgszüge folgen meist der Hauptrichtung der Inseln von SSW. nach NNO. und sind dann aus jenen ältern Schiefern und Quarziten aufgebaut und nicht selten von vulkanischen Kuppen gekrönt oder seitlich begleitet. In der größten Breite von Hondo, zwischen 35° und 37° nördl. Br., erreicht das Land in einigen vulkanischen Gipfeln (Fuji-no-yama 3750 m und Ontake 3004 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette zwischen den Provinzen Shimano und Hida, dem "japanischen Schneegebirge", den ausgeprägtesten und wildesten Gebirgscharakter. Mauerartig ansteigende Granit- und vielzerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im Yari-ga-take bis gegen 3000 m, während die Paßübergänge, wie nirgends sonst in J., 1800-1900 m hoch liegen und fast nie ganz schneefrei werden. Gipfel von 2500 m Höhe und darüber sind im mittlern Hondo zahlreich. Hierher gehören der Haku-san, Tate-yama, Norikura, Asama-yama, Kimpu-zan, Komaga-take, Shirane-san, Nan-tai-san, Jide-san u. a. Im nördlichen Hondo zeigen Chôkai-san, Ganju-san und Iwaki-san, drei mächtige vulkanische Gipfel, am frühsten Schneehauben. Auf der Insel Jeso erreicht der Tokachi-dake im zentralen Erhebungsgebiet gegen 2500 m Höhe. Dagegen bleiben alle Berge der Hauptinsel westlich des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m. So erreicht der Omine-san unter 34° nördl. Br. als höchster Gipfel der gebirgigen Halbinsel Yamato, welche östlich der Linschotenstraße den südlichsten Teil von Hondo darstellt, nur 1880 m Höhe und der Daisen, als höchster Berg in Chiugoku (Zentralland), wie das südwestliche Hondo früher hieß, sogar nur 1640 m. Auch die Schieferrücken der Insel Shikoku dürften sich bei genauer Messung nicht viel höher erweisen. Desgleichen sind die höchsten Gipfel der Insel Kiushiu, die Vulkane Asô-yama und Kirishima-yama, gegen 1600 m hoch.

Den verschiedenen Spuren vulkanischer Thätigkeit begegnet man in J. nach allen Richtungen. In dem großen vulkanischen Gürtel, welcher den Stillen Ozean umgibt, bildet das Land seiner ganzen Länge nach ein wichtiges Glied mit etwa 20 thätigen und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern nennen wir besonders Asô-yama östlich der Stadt Kumamoto auf Kiushiu, Asama-yama nordwestlich von Tokio, Shirane-yama im Nikkogebirge nördlich von Tokio, Komaga-take auf Jeso. Zu den erloschenen oder ruhenden gehören der Kirishima-yama und die meisten der genannten hohen Gipfel auf Hondo wie auch der erhabene Fuji-san oder Fuji-no-yama, dessen beschneiter Gipfel im W. von Tokio und Jokohama wie ein riesiger Zuckerhut hoch in die Lüfte ragt, ein Wahrzeichen für den Schiffer und Landmann, der heiligste Berg des Landes, den in der schneefreien Zeit (Juli und August) jährlich zwischen 15,000 und 20,000 weiß gekleidete Pilger besteigen.

Indifferente und Schwefelthermen zählt das Land mehrere Hunderte. Erdbeben sind häufig und haben in frühern Zeiten, gleich vulkanischen Aschenregen, oft weite Landstrecken verheert. J. ist wasserreich; doch konnten bei der geringen Breite der Inseln und dem Umstand, daß Gebirge dieselben der Länge nach mitten durchziehen, große Flußsysteme nicht zur Entwickelung kommen. Die meisten Flüsse haben im Oberlauf ein zu starkes Gefälle und lagern im kurzen Unterlauf zu viel Sand ab, um für den Verkehr von großer Bedeutung zu sein. Zu nennen sind der lachsreiche Ishikari auf Jeso, der Shinano-gawa, Tone-gawa und Kiso-gawa sowie der Kitakami-gawa und der Yodo-gawa (als Abfluß des großen Biwasees) auf Hondo; der Chikugo-gawa auf Kiushiu und der Yoshino-gawa auf Shikoku. Der Kuro-shiwo oder japanische Golfstrom bespült die südlichern Gestade Japans, der Oya-shiwo, eine kalte, polare Strömung, die Kurilen und benachbarte Teile der Insel Jeso. Drehstürme, Taifune genannt, bringen im Nachsommer und Herbst der Schiffahrt zeitweise die größten Gefahren, während dieselbe an der flachen, hafenarmen Küste des Japanischen Meers heftiger Nordwinde wegen während des Winters fast ganz unterbrochen wird, wenigstens soweit Segelschiffe in Betracht kommen.

Klima. Pflanzen- und Tierwelt.

Das Klima Japans ist gesund. Es steht unter der Herrschaft der Monsune: warmer, feuchter Südwinde im Sommer, kalter, rauher Nord- und Nordwestwinde während des Herbstes und Winters. Mäßigt auch das Meer mit dem Kuro-shiwo die großen Gegensätze des benachbarten Festlandes zwischen dem heißen, regenreichen Sommer und dem trocknen, kalten Winter mit vorherrschend heiterm Himmel, so sind die Extreme, verglichen mit andern Ländern unter gleicher Breite, doch noch sehr groß. Der Winter ist beispielsweise viel kälter als in der Mittelmeerregion. Er bringt, wenn auch nur vorübergehend, selbst dem südlichen Kiushiu noch Frostnächte und Schnee in der Breite des Nildelta, den Gebirgen überall und im N. auch dem Flachland große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. In Tokio (35° 40' nördl. Br.), dessen mittlere Jahrestemperatur 13° C. beträgt, sinkt z. B. die Temperatur ausnahmsweise auf -9 bis -10° C. und steigt im Juli zuweilen auf 35° C. Nachtfröste kommen hier über 60 im Jahr und noch im März vor. Vom November bis März beträgt die mittlere Temperatur nur 5,5° C. und bewirkt einen langen Stillstand der Vegetation. Da das Land vom Meeresniveau bis zu Gipfeln über 3000 m sich erhebt und in Meridianrichtung sich über 27 Breitengrade erstreckt, kann von Gleichartigkeit des Klimas nicht die Rede sein. Reiche Niederschläge kommen im Sommer der Vegetation zu gute und fördern die große Mannigfaltigkeit und Üppigkeit, durch welche sich die japanische Flora auszeichnet. Erstaunlich