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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Java

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Java (Klima, Naturprodukte).

höchsten Berge fällt das Thermometer noch tiefer, bei starker nächtlicher Ausstrahlung hat man auf den hohen Bergspitzen sogar die Bildung von Reif und Eis beobachtet; aber Schnee fällt niemals. Die Jahreszeiten hängen mit den regelmäßig wechselnden Monsunen zusammen. Die Regenzeit, in welcher der Wind von W. und NW. vorherrscht, dauert vom November bis April; sie beginnt meistens mit furchtbaren Gewittern und heißt der anhaltenden heftigen Regen halber gewöhnlich die schlechte Jahreszeit, obschon sie der geringern Hitze und reinern Luft wegen die angenehmste, im ganzen auch die gesündeste ist. Die regenlose Zeit, die bei Süd- und Südostwind vom Mai bis Oktober dauert, ist zwar die trockenste Jahreszeit, wenn auch hier und da leichte Regen fallen, aber die am wenigsten angenehme, da die Hitze sehr groß, die Winde ausdörrend und die Vegetation leidend ist. Auch sind Krankheiten in dieser Zeit viel häufiger als in der Regenzeit; die ungesundesten Monate sind jedoch diejenigen, in denen die Monsune wechseln, die sogen. Kenteringstyden.

[Naturprodukte.] Die geologische Bildung des Landes erklärt es, weshalb mineralische Schätze sich nicht vorfinden; von Metallen gibt es in größerer Menge nur eisenhaltige Erze, die aber den Abbau nicht lohnen, und im Sand einiger Flüsse etwas Goldstaub. Die Kohlenbergwerke von Bantam liefern nur Lignit; Naphtha und Asphalt finden sich in den vulkanischen Gebieten sehr reichlich; Salz wird in den verschiedensten Teilen der Insel gewonnen, in Kedu u. a. O. bricht man Kalkstein; Thermalquellen, meist schwefelhaltige, sind zahlreich, und in mehreren Provinzen findet man einen Thon, der von den Eingebornen gegessen wird. Javas Reichtum liegt fast ausschließlich in der Fruchtbarkeit seines Bodens, die in den Ebenen wie auf den Abhängen der vulkanischen Berge eine solche ist, daß sie nur noch von wenigen Tropenländern erreicht wird. Damit hängt auch die außerordentliche Fülle und Mannigfaltigkeit der Vegetation zusammen, welche alles bis auf einzelne Spitzen der vulkanischen Berge bedeckt. Man kann nach der Erhebung über den Meeresspiegel fünf Regionen unterscheiden. Die Niederungen an den Küsten, die besonders mit Reisfeldern bedeckt sind, werden durch das Überwiegen der Palmen, Musa (Pisang), Arum, Amarantaceen, der Euphorbiaceen und Leguminosen charakterisiert. Ihnen folgt von 400 m Höhe an die Region der Fikoideen (Feigenbäume), die in den Urwäldern vorherrschen und von außerordentlicher Schönheit und Pracht sind; außer andern Gewächsen zeigen sich unter ihnen Melieen, Farne, zierliche Bambus und schöne parasitische Orchideen, während die Leguminosen und Palmen mehr und mehr abnehmen. In größerer Höhe treten unter den frühern Bäumen andre von sehr eigentümlichem Charakter hervor, namentlich im westlichen J. die Rasamalen (Liquidambar altingiana) mit ihren weißen, geraden Stämmen, ferner die Melastomaceen, Loranthaceen und Nepenthesarten, während im zentralen J. die Angringwälder (Parasponia parviflora), im östlichen die Wälder der Tschemoro (Casuarina Junghuhniana) besonders charakteristisch sind. In 1600 m Höhe verschwinden allmählich die Fikusarten, und auch die Rasamalen werden seltener; an ihre Stelle treten Eichen- und Laurusarten, neben denen besonders Orchideen, Rubiaceen und Calamus (Rotangpalme) häufig sind. Bei 2000-2500 m endlich nimmt die Pracht und der Glanz der Vegetation ab; auf mächtige Teakbäume folgt ein immer spärlicherer, niedrigerer Baumwuchs, der endlich einer Strauchvegetation Platz macht. In dieser Region treten besonders Erikaceen auf, dann Rubiaceen und einige Koniferen; sehr zahlreich sind Moose, Flechten, Farne, und je höher man aufsteigt, desto größer wird die Ähnlichkeit der Vegetation mit der der außertropischen Gegenden. So finden sich auf manchen Bergspitzen von europäischen Pflanzen: Plantago major, Sonchus oleraceus, Artemisia vulgaris, Rumex crispus, Stellaria media, Solanum nigrum u. a., die wahrscheinlich mit Gemüsesamen nach J. gebracht wurden, vielleicht aber auch, als J. mit Asien noch in fester Landverbindung stand, durch Wanderung hierher gelangten. Auch die angebauten Pflanzen hängen von dieser Einteilung der Vegetation ab: die Ebenen und die Fikuszone sind die Heimat des Reises, Zuckerrohrs und Indigos; in der Rasamalaregion gedeihen besonders Kaffee und Thee; die Cinchonapflanzungen liegen in der darauf folgenden, die, wie die höchste, auch europäische Kulturpflanzen der gemäßigten Zone (wie Zwiebeln und andre Gartengewächse, Kartoffeln etc.) erzeugt.

Auch die Tierwelt zeigt einen Reichtum und eine Mannigfaltigkeit wie kaum ein andres Land von gleicher Ausdehnung. Die Zahl der Mammalien beträgt mit den Haus- und Seetieren etwa 100. Von Affen gibt es 6 Arten, unter denen der Lutung (Semnoplihecus Maurus), der Monyet (Cercopithecus cynomolgus) und der Wauwau (Xylobates leuciscus) die häufigsten sind. Fledermäuse sind überaus zahlreich, besonders in Höhlen, wo ihre massenhaften Exkremente das Material zur Bereitung von Salpeter liefern. Von Nagetieren gibt es 16 Arten, besonders häufig sind Eichhörnchenarten; auch findet man eine Art Stachelschwein (Acanthica javanica) und eine Hasenart (Lepus nigricollis). In den Wäldern an der Südküste lebt der wilde Hund (Canis rutilans); die Katzenarten sind vor allen durch die noch immer sehr häufigen Königstiger, Panther, Leoparden, wilden Katzen (Felis minuta), die zwischen Felis und Viverra in der Mitte stehende Tigerkatze (Linsang gracilis) u. a. reich vertreten. In den Wäldern leben Arten von wilden Schweinen und das Rhinozeros (Rhinoceros sundaicus), das selbst die höchsten Berggipfel ersteigt und durch die Pfade, die es bildet, dem Reisenden Wege bahnt, mehrere Arten Hirsche, eine Art wilder Stier (Bos sundaicus) und wilde Büffel. Das Kamel und der Esel existieren nur als Haustiere, ebenso wie das Pferd, das, aus Arabien herübergebracht, zwar an Größe, aber nicht an Feuer und Ausdauer verloren hat. Auch Vögel sind zahlreich vorhanden und meist durch Schönheit der Farben ausgezeichnet, besonders in den tiefern Gegenden; mit der Erhebung über den Meeresspiegel nimmt ihre Zahl ab, die höchsten Gipfel haben gar keine. Singvögel finden sich nur in den höhern Bergdistrikten. Besondere Erwähnung verdienen der auch in Europa vorkommende Falco peregrinus, Muscicapa cantatrix (ein schöner Singvogel), Gracula religiosa, die durch die bekannten eßbaren Nester wichtige Salangane, Collocallia esculenta, die in Höhlen am Strand (besonders bei Karongbolong in Bagelen), aber auch in den Bergen des Innern lebt, die dem Reis nachstellende Fringilla oryzivora, mehrere Alcedo-, Buceros-, Pikus-, Papageien- und Taubenarten, von hühnerartigen Vögeln zwei Arten Pfauen und mehrere Arten wilder Hühner, von denen der Bankivahahn, der Stammvater unsrer Haushühner, erwähnt zu werden verdient. Von Reptilien sind Schildkröten in mehreren und Eidechsen (darunter auch Krokodile) in vielen Arten, Frösche und zahlreiche Schlangen, unter denen ein Drittel giftig zu