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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Java

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Java (Bevölkerung).

sein scheint, vorhanden. Fische, Insekten, Mollusken und Zoophyten, zum Teil von großer Farbenpracht und von eigentümlichen Formen, finden sich in außerordentlicher Menge.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung Javas mit Einschluß von Madura betrug 1886: 21,467,445 Seelen (8907 pro Quadratmeile), davon 40,634 Europäer, 21,190,626 Eingeborne, 221,959 Chinesen, 11,429 Araber und 2797 sonstige Asiaten und Afrikaner. Die Europäer sind größtenteils Beamte und Soldaten, nächstdem Kaufleute, Pflanzer oder Zuckerfabrikanten und können ebensowenig als ständige Bewohner der Insel gelten wie die Chinesen, welche in allen größern Ortschaften zerstreut leben, besonders Handwerke und Kleinhandel treiben, trotz aller Maßregeln der Regierung nicht selten die einfachen, arglosen Bauern aussaugen, aber, wenn sie Vermögen erworben haben, in ihre Heimat zurückzukehren pflegen. Von den übrigen Asiaten sind die Araber Kaufleute oder mohammedanische Priester, die andern größtenteils Arbeiter etc. Die einheimische Bevölkerung gehört zur westlichen Abteilung der malaiischen Rasse und zerfällt in zwei Volksstämme, die zwar nahe miteinander verwandt sind, doch ganz verschiedene Sprachen reden: die Sundanesen im W. der Insel, welche als Mittelglied zwischen Malaien, Javanern und Batta gelten können, und die Javaner im O., das gebildetste Volk der ganzen malaiischen Rasse, zu denen auch die Maduresen gehören, die außer Madura nebst den umliegenden kleinern Inseln den Osten von J. bis Surabaja und Kediria bewohnen, wo sie die Javaner zurückgedrängt haben (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 19-21). Körperlich unterscheiden sich die beiden Volksstämme nicht unwesentlich voneinander. Während die mittlere Größe der Javaner 1,65 m beträgt, erreichen die Sundanesen im Durchschnitt nur 1,57 m. Dabei sind die letztern untersetzt und stärker gebaut, sie haben etwas Unabhängigeres in ihrem Auftreten, ihre Züge sind aber gröber, weniger regelmäßig und mehr an den mongolischen Typus erinnernd. Dagegen ist die Figur der Javaner gefällig, oft sehr anmutig; die kleine Nase ist weniger flach als bei den meisten Malaien, die Hautfarbe braun, zuweilen aber auch ganz hell, das Haar üppig und gleich den Augen schwarz, Männer und namentlich Frauen sind oft von auffallender Schönheit. Sanft, lenksam, friedlich, ihren Vorgesetzten ergeben, von feinen Manieren, nicht ohne Talent und einer höhern Entwickelung wohl fähig, entbehren die Javaner dennoch sittlicher und intellektueller Energie. Sie leben in niedrigen Hütten aus Bambus, die auf hölzernen Pfosten ca. 1 m über dem Erdboden stehen, mit Palmblättern gedeckt und zu kleinen Dörfern verbunden sind, welche im Schatten der Fruchtbäume verborgen liegen; die Wohlhabenden haben bessere Häuser, auch von Stein und den europäischen nachgeahmt. Die Lebensart der niedern Stände ist sehr einfach; die höhern Stände treiben großen Luxus und lieben Pracht und Aufwand. Die Hauptnahrung ist Reis; Fleisch wird wenig gegessen, dagegen viel Fische. Zucker und Wein bereiten sie aus dem Safte der Palmen (besonders der Arengu- und Borassus-Arten). Das Betelkauen ist allgemeine Sitte, das Tabakrauchen gewöhnlich, das Opiumrauchen zum Schaden der Bevölkerung leider sehr verbreitet. Die Kleidung ist bei dem gemeinen Mann sehr einfach; die Männer tragen den Sarong, der einem Sack ohne Boden gleicht und über die Schulter gelegt, häufiger aber um den Leib gewickelt wird; die Frauen haben eine ganz ähnliche Tracht, dazu beide Geschlechter entweder kurze Hosen oder bloß einen Schurz vor dem Unterleib mit einem Gürtel darüber, manchmal auch kurzen Hemden ähnliche Jacken. Als Kopfbedeckung dienen Turbane oder Kopftücher; die Füße sind gewöhnlich bloß, Zieraten verschiedener Art sehr beliebt. Kleine Gerätschaften, wie Trinkgefäße, Löffel, Tassen, liefert die Schale der Kokosnuß. Hohle Bäume dienen als Kahn, ebenso als Trog, in welchem die Weiber den Reis dreschen und mahlen. Säcke, Hüte, Teppiche etc. bestehen aus Rotang, Bambus, Gräsern; starke Taue liefert die Büffelhaut, in dünne Riemen zerschnitten, die man zu einem Zopf flechtet. Die herrschende Religion ist jetzt der Islam, aber er ist erst seit dem Ende des 14. Jahrh. durch malaiische und arabische Geistliche eingeführt und allmählich und nicht ohne heftige Kämpfe über die ganze Insel verbreitet worden. Vorher war die Religion die indische und zwar sowohl der Brahmanismus als der Buddhismus; namentlich galt dies von den eigentlichen Javanern, welche die Bildung, in der sie die Sundanesen bedeutend übertrafen, ursprünglich Einwanderungen aus Indien verdanken, und noch geben prächtige Ruinen von Tempeln (s. Boro Budor) und in der alten religiösen Sprache des Volkes, dem sogen. Kawi, erhaltene litterarische Werke Zeugnis von der Kunstfertigkeit und dem Talent der alten Einwohner, von der Höhe, welche ihre Bildung früher erreicht hatte, die aber unter der rohen Herrschaft des Islam vernichtet worden ist. Nur an zwei Punkten sind kleine Abteilungen des Volkes der ursprünglichen, freilich arg verfallenen Religion treu geblieben: die Baduwi in den Wäldern von Bantam und die Bewohner des Gebirges Tengger in Pasuruan. Die Anzahl der Christen ist, da die niederländische Regierung Missionsbestrebungen keineswegs ermutigt, sehr klein; sie betrug 1881 nur 8761, wovon 8600 Malaien und 160 Chinesen. Vielweiberei herrscht bei den Vornehmen, die Gemeinen pflegen nur eine Frau zu haben. Aus Neigung schließt man die Ehe nicht, die Frau wird von den Eltern gekauft. Das Familienleben ist in der Regel rein und wohlgeordnet; namentlich erweisen die Kinder den Eltern große Hochachtung. Die Beschneidung findet im zehnten Jahr statt, sie war aber schon vor der Einführung des Islam Sitte; mit dem Eintritt der Mannbarkeit werden den Kindern die Zähne spitz abgefeilt, von da an ist ihnen Betel zu kauen gestattet.

Von den Beschäftigungen der Javaner ist der Landbau bei weitem die wichtigste. Es waren 1881 bebaut unter dem Kultursystem 2,145,762 Hektar, ohne Beschränkung 1,138,057 Hektar. Am bedeutendsten ist der Reisbau; man betreibt denselben sowohl auf künstlich überschwemmtem Boden (sawa), dessen Ertrag ergiebiger und sicherer ist, als auf trocknem Boden, dessen Befeuchtung dem Regen überlassen bleibt (tipar, wenn die Felder auf höhern Ebenen mit dem Pflug bearbeitet werden, und gaga auf bergigem Boden, wo das Gehölz zur Düngung der Erde verbrannt und statt des Pflugs die Hacke angewendet wird). Die Sawa finden sich in Ebenen und an sanften Abhängen, sind von schmalen Dämmen eingeschlossen und werden durch Kanäle (slokan) regelmäßig bewässert; die trocknen Felder liegen nach 3-4 Ernten eine Zeitlang brach. Auch geben die Sawa nach der Reisernte in demselben Jahr noch eine zweite, von Öl- oder Knollenpflanzen oder Baumwolle. Die niederländische Regierung hat außerdem den Anbau andrer wichtiger Kulturpflanzen eingeführt, namentlich des Kaffees, der teils in besondern Gärten vermittelst Zwangsarbeit, teils auch von vie-^[folgende Seite]