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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jenson; Jentzen; Jentzsch; Jephtha; Jepifán; Jequitinhonha; Jerabek

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Jenson - Jerabek.

1886); die spätern Novellensammlungen: "Aus stiller Zeit" (Berl. 1881-85, 4 Bde.), "Aus den Tagen der Hansa" (Freiburg 1885, 3 Bde.) u. a. Jensens Talent, das sich am klarsten und kräftigsten in den Romanen: "Eddystone", "Unter heißerer Sonne" und "Minatka" ausspricht, ist durch lebhafte und bewegliche Phantasie, große Schilderungskraft und lebendiges Kolorit ausgezeichnet. Namentlich ist er ein Meister stimmungsvoller Beleuchtung, doch zeigt seine Darstellung nicht selten einen gewissen Zug zum Manierierten und Forcierten. Seine Dramen: "Dido" (Berl. 1870), "Juana von Kastilien" (das. 1872), "In Wettolsheim" (Freiburg 1884) und "Der Kampf fürs Reich" (das. 1884) ermangeln im ganzen des knappen dramatischen Zuschnitts; bedeutend dagegen sind seine epischen Dichtungen: "Die Insel" (Berl. 1874), der graziöse, märchenduftende "Holzwegtraum" (Stuttg. 1879) und namentlich die lyrischen Leistungen des Dichters, wie die "Gedichte" (das. 1869; neue Ausg., Berl. 1872), "Lieder aus Frankreich" (das. 1871, 2. Aufl. 1873), der prächtige Terzinencyklus "Um meines Lebenstages Mittag" (das. 1876) und die "Stimmen des Lebens" (Dresd. 1881).

3) Jens Arnold Diedrich, dän. Marineoffizier und Reisender, geb. 24. Juli 1849 zu Flensburg, untersuchte 1877 mit Steenstrup und 1878 mit Kornerup und Groth von Godthaab und Frederikshaab aus das Innere von Grönland und drang dort ca. 8 km weiter vor, als 1870 Nordenskjöld gekommen war, der nur etwa 60 km zurückgelegt hatte. Es gelang ihm auch, mehrere hohe Berge zu besteigen; doch erblickte man, soweit das Auge reichte, nur Eis und Schnee. Auch 1879 setzte J. mit Kornerup und Hammer seine Forschungen fort.

Jenson, Nikolaus, Stempelschneider zu Tours in Frankreich, wurde von Karl VII. 1458 von Paris nach Mainz zur Erlernung der Buchdruckerkunst gesandt, ging aber nach dessen Tod nach Venedig, wo er 1471 das erste von ihm datierte Buch druckte. J. wandelte die bis dahin übliche gotische oder Mönchsschrift und die ebenfalls noch allgemein angewandte semigotische Type in die rein römische oder Antiquatype um. Er starb wahrscheinlich Ende 1481.

Jentzen, Friedrich, Maler, geb. 13. Juni 1815 zu Schwerin, besuchte mit Unterstützung der Herzogin Helene von Orléans die Akademie von Berlin, wo er sich unter dem Dekorationsmaler Gropius und dem Marinemaler Wilh. Krause zum Architektur- und Landschaftsmaler ausbildete. Dann begab er sich nach München und studierte drei Jahre lang Architektur und Ornamentik, gab Zeichenunterricht am Hof zu Schwerin und machte 1855 eine Reise nach Rom, wo er ein Bild des römischen Forums malte, dem im Lauf der Jahre eine Reihe andrer Architekturbilder, größtenteils aus Deutschland, folgte, die von korrekter Zeichnung, harmonischem Kolorit und trefflicher Beleuchtung sind. Dahin gehören: der spätromanische Kreuzgang in Steingaden im südlichen Bayern, der Dom in Magdeburg, das (mehrmals wiederholte) Schloß in Schwerin, das Innere der Schloßkirche daselbst, das Innere des Doms in Güstrow, ein Kreuzgang bei Fackel- und Mondlicht, Waldlandschaft bei Moselhorn, Schloßhof zu Heidelberg, Korridor aus dem Rathaus zu Lübeck, Treppenhaus im Schloß zu Würzburg, Gerolstein im Eifelgebirge u. a.

Jentzsch, Alfred, Geolog, geb. 29. März 1850 zu Dresden, studierte an der dortigen technischen Hochschule und in Leipzig Mathematik und Naturwissenschaften, beteiligte sich bei der königlich sächsischen geologischen Landesuntersuchung und wurde 1875 Geolog der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg und Vorstand des Provinzialmuseums daselbst. Zugleich habilitierte er sich an der Königsberger Universität. Er schrieb: "Die geologisch-mineralogische Litteratur Sachsens" (Leipz. 1874); "Über die Ursachen der Eiszeit" (Stuttg. 1873); "Schwanken des festen Landes" (Königsb. 1875); "Bericht über die geologische Durchforschung der Provinz Preußen" (das. 1877-78, 2 Bde.); "Die Moore der Provinz Preußen" (das. 1878); "Die Zusammensetzung des altpreußischen Bodens" (das. 1879); "Bericht über die geologische Durchforschung des norddeutschen Flachlandes 1878-80" (das. 1881). Auch lieferte er eine geologische Karte der Provinz Preußen (1:100,000).

Jephtha, sechs Jahre lang einer der Richter in Israel, natürlicher Sohn Gileads, ward von seinen Stammesgenossen, nachdem er von seinem väterlichen Erbe vertrieben war und ein Freibeuterleben im Lande Tob geführt hatte, zum Anführer gegen die Ammoniter gewählt. Als solcher gelobte er, Gott für einen geschenkten Sieg das zu opfern, was ihm bei der Rückkehr vor seiner Hausthür zuerst begegnen würde. Es war dies seine schon erwachsene Tochter, sein einziges Kind, gleichsam die hebräische Iphigenie. Die Rabbiner des Talmuds lehren, J. habe nur den Erlös an Geld für die Tochter zu zahlen brauchen, verdammten aber allgemein ein derartiges gesetzwidriges Gelübde, während neuere Ausleger diese im Richterbuch (Kap. 11) erwähnte Opferung von der Weihe der Tochter zu jungfräulichem Leben verstehen wollen und andre einen Mythus in der Erzählung sehen.

Jepifán, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tula, unweit des Don, mit 5 Kirchen und (1880) 3772 Einw.; 1578 gegründet. Der Kreis ist eine flache Hochebene mit sehr fruchtbarem Boden, der durch den obern Don bewässert wird.

Jequitinhonha (spr. schekitinjónja), Fluß in Brasilien, entsteht in der Provinz Minas Geraës in der Serra do Espinhaco, vereinigt sich mit dem Arassuahy, bildet beim Übertritt in die Provinz Bahia den bemerkenswerten Salto Grande von São Sebastiao und mündet nach einem Laufe von 740 km bei Belmonte in den Atlantischen Ozean. In seinem Oberlauf ist er diamantenreich. Er ist nur 100 km weit schiffbar.

Jerabek (spr. jerschabet), Franz, hervorragender tschech. Dichter, geb. 26. Jan. 1836 zu Sobotka, studierte in Prag anfänglich Theologie, dann Philologie, wurde Professor an der höhern Töchterschule, war gleichzeitig Mitredakteur des "Pokrok" und nimmt als Landtags- und Reichsratsabgeordneter am öffentlichen Leben Anteil. Seit früher Jugend mit der deutschen Poesie, namentlich mit Schiller und Goethe, vertraut, begann J. seine dichterische Laufbahn mit lyrischen Gedichten, wandte sich indessen bald dem Drama zu. Sein erstes Drama: "Hana", wurde in Prag 1858 aufgeführt. Einen bedeutenden Fortschritt deutet das Lustspiel "Cesty verejniho mineni" ("Die Wege der öffentlichen Meinung", 1865) an. In dem sozialen Drama "Sluzebnik sveho pana" ("Der Sklave seines Herrn", 1871) drang J. in die Tiefen des Konflikts zwischen dem armen und daher wehrlosen Genie u. dem ausbeutungssüchtigen Großkapital; das Stück ist, abgesehen von seiner packenden Grundidee, außerordentlich reich an durchschlagenden dramatischen Effekten. In dem historischen Trauerspiel "Syn cloveka" ("Der Menschensohn", 1878) wird der Konflikt zwischen bis zur Selbstaufopferung gesteigerter Vaterlandsliebe und kosmopolitischem Verrat in wirksamster Weise dargestellt. In dem