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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jerusalem; Jerusalemartischocke; Jerusalemsblume; Jerusalemseiche; Jerwen; Jerxheim; Jerzyce; Jesaias; Jesberg; Jeschil Irmak

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Jerusalem (Personenname) - Jeschil Irmak.

fiel sie schon 637 nach zweimonatlicher Belagerung in die Hände der Araber, deren Kalif Omar selbst in die heilige Stadt einzog. Die Araber gestatteten jedoch den Christen, die heiligen Orte zu besuchen. Später, besonders seit sich 1076 die Seldschukken Jerusalems bemächtigt hatten, sahen sich jedoch die Christen vielfachen Bedrückungen ausgesetzt. Nachdem im ersten Kreuzzug Gottfried von Bouillon 15. Juli 1099 J. erobert hatte, wurde ein eignes christliches Königreich J. gestiftet. Auf dem Thron desselben saßen nacheinander Gottfried von Bouillon, Balduin I. (seit 1100), Balduin II. (seit 1118), unter welchem die Johanniter und Tempelherren emporblühten, Fulko von Anjou (seit 1131), Balduin III. (seit 1143), Amalrich I. (seit 1162), mit dem der Verfall des Reichs beginnt, Balduin IV. (seit 1173), Balduin V. (seit 1184) und endlich 1186 Guido von Lusignan. Nachdem 3. Okt. 1187 die Sarazenen unter Saladin J. erobert hatten (s. Kreuzzüge), trat Guido die Krone 1193 für Cypern an Heinrich von Champagne ab; doch vermochte dieser sowenig wie seine Nachfolger Amalrich II. von Cypern und Johann von Brienne seinen Ansprüchen Geltung zu verschaffen. Kaiser Friedrich II. setzte sich zwar 1229 die Krone von J., auf die er durch Heirat ein Recht erworben hatte, aufs Haupt; doch fiel die Stadt schon 1244 wieder in die Hände der Mohammedaner. 1382 bemächtigten sich die tscherkessischen Mamelucken Jerusalems; 1517 eroberte es der türkische Sultan Selim I., dessen Sohn und Nachfolger die Stadt 1534 mit der jetzigen Ringmauer umgab. Seitdem blieb J. der Pforte unterworfen, bis diese sich 1833 genötigt sah, Syrien und mit diesem auch J. an Mehemed Ali, Vizekönig von Ägypten, abzutreten; 1840 kehrte es unter die Herrschaft der Pforte zurück. 1841 wurde von England und Preußen ein evangelisches Bistum zu J. gegründet (s. oben). Streitigkeiten über die heiligen Orte wurden 1853 Mitveranlassung zu dem orientalischen Krieg. Die deutschen Kaiser führten seit Friedrich II. den Titel "König von J."

Zur Erforschung Palästinas und namentlich Jerusalems bildete sich 1865 eine englische Gesellschaft, der Palestine Exploration Fund, und 1877 der Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas; beide veröffentlichen regelmäßige Berichte über ihre Arbeiten. Die Forschungen der englischen und amerikanischen Gelehrten sind zusammengestellt in den Werken: Wilson und Warren, The recovery of J. (Lond. 1870), "Our Work in Palestine" (das. 1872), und Besant und Palmer, J., the city of Herod and Saladin (das. 1872). Von sonstigen Schriften über J. aus neuester Zeit nennen wir als die vorzüglichsten: Sepp, J. und das Heilige Land (2. Aufl., Regensb. 1876, 2 Bde.); Derselbe, Neue architektonische Studien etc. (Würzb. 1867); T. Tobler, Denkblätter aus J. (St. Gallen 1853); Derselbe, Topographie von J. (Berl. 1853-54, 2 Bde.); ferner Wolff, J. (3. Aufl., Leipz. 1872); Bartlett, Walks about the city and environs of J. (neue Ausg., Lond. 1872); Tyrwhitt-Drake, Modern J. (das. 1875); Warren, Underground J. (das. 1876); de Saulcy, J. (Par. 1881); Bädeker, Palästina und Syrien (bearbeitet von Socin, 2. Aufl., Leipz. 1880); "Meyers Reisebücher": Orient, Bd. 2 (2. Aufl., das. 1887); Zimmermann, Karten und Pläne zur Topographie des alten J. (Basel 1876); Derselbe, Plan des heutigen J. mit Umgebung (Leipz. 1881); Guthe, Ausgrabungen bei J. (das. 1883).

Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm, namhafter Kanzelredner und Theolog der Aufklärungsepoche, geb. 22. Nov. 1709 zu Osnabrück, ward 1742 vom Herzog Karl von Braunschweig zum Erzieher des Erbprinzen berufen. Ihm verdankt das Collegium Carolinum sein Entstehen und seine Blüte; 1743 zum Propst, 1749 zum Abt und 1771 zum Vizepräsidenten des Konsistoriums zu Wolfenbüttel ernannt, starb J. 2. Sept. 1789. - Sein Sohn Karl Wilhelm, der zu Wetzlar den Reichskammergerichtsprozeß studierte, erschoß sich daselbst 29. Okt. 1772 in einem Anfall von Schwermut, welches Ereignis Goethe bekanntlich als tragischen Ausgang seines Romans "Werthers Leiden" benutzte. Vgl. Koldewey in der "Zeitschrift für historische Theologie" 1869.

Jerusalemartischocke, s. Helianthus.

Jerusalemsblume, s. Lychnis.

Jerusalemseiche, s. Chenopodium.

Jerwen, Kreis des russ. Gouvernements Esthland, mit der Kreisstadt Weißenstein.

Jerxheim, Dorf im braunschw. Kreis Helmstädt, Knotenpunkt der Linien Holzminden-J., J.-Braunschweig und J.-Helmstädt der Braunschweigischen und Aschersleben-J. der Preußischen Staatsbahn, hat eine Zuckerfabrik, Brennerei und Mälzerei und (1885) 1893 meist evang. Einwohner.

Jerzyce (Jersitz), Dorf im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Posen, unmittelbar westlich bei Posen, hat eine chemische Düngerfabrik, 2 Dachpappenfabriken, eine Leimfabrik, große Ziegeleien und (1885) 7943 meist kathol. Einwohner.

Jesaias (Esaias, in der "Vulgata" Isaias), der erste unter den sogen. großen Propheten, Sohn eines gewissen Amoz, trat im Todesjahr des Königs Usias als Prophet auf und wirkte unter den drei folgenden Königen: Jotham, Ahas und Hiskias, bis nach 700. Gelegenheit zu ernsten Warnungen fand er besonders unter dem schwachen und abgöttischen Ahas. Als unter dessen Nachfolger Hiskias eine mächtige Partei, um aus der Zinsbarkeit Assyrien gegenüber herauszukommen, zu einer Verbindung mit Ägypten riet, sprach und wirkte der Prophet eifrig, aber vergeblich, dagegen, und als später Hiskias von Babylon zu einem Bündnis aufgefordert ward, warnte J. auch vor dieser kurzsichtigen Politik. Von dem seinen Namen tragenden Buche gehören besonders die Abschnitte Kap. 13 und 14, 24-27, 34 und 35 sowie 40-66 einer spätern Zeit und meist einem andern, in der Gefangenschaft zu Babylon lebenden Verfasser an. Die echten Orakel zählen nach Form und Inhalt zu den ausgezeichnetsten Erzeugnissen der Blütezeit der hebräischen Litteratur; sie sind in jener eigentlich prophetischen Redeweise, die zwischen Prosa und Poesie die Mitte hält, sich aber mehr zur letztern erhebt, abgefaßt und halten sich in einer ernsten, kraft- und würdevollen, bilder- und gedankenreichen Sprache. Aber auch der sogen. zweite oder babylonische J. (40-60) ist leicht und fließend geschrieben und durch fast dramatische Anschaulichkeit der Darstellung sowie durch Erhabenheit der sittlichen und religiösen Weltanschauung ausgezeichnet. Unter den neuesten Übersetzern und Erklärern des J. sind zu erwähnen: Hitzig (Heidelb. 1833, 2 Bde.), Knobel (4. Aufl. von Diestel, Leipz. 1872), Ewald (2. Aufl., Götting. 1867), Delitzsch (3. Aufl., Leipz. 1879), Bredenkamp (Erlang. 1886). Vgl. Köstlin, Jeremias und J., ihr Leben und Wirken (Berl. 1879).

Jesberg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar, hat ein Amtsgericht, eine evang. Kirche und (1885) 836 Einw.

Jeschil Irmak (der antike Iris), Fluß in Kleinasien, entsteht durch die Vereinigung des Kelkid