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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Joachim von Floris; Joachimsorden; Joachimsthal; Joahas; Joaillerie; Joanes; Joanne; Joannina; João; Joas

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Joachim von Floris - Joas.

gleicher Eigenschaft nach Hannover ging. Nachdem er 1866 von dieser Stelle zurückgetreten, ließ er sich in Berlin nieder, wo er 1869 unter dem Titel eines königlichen Professors zum Direktor der neugegründeten Hochschule für Musik (Abteilung für ausübende Tonkunst) sowie zum Mitglied der musikalischen Sektion der Akademie der Künste ernannt wurde. Seine alljährlich fortgesetzten Kunstreisen haben ihn durch ganz Deutschland sowie nach Frankreich, der Schweiz, Rußland und zu wiederholten Malen nach England geführt, wo sein edles und großartiges Spiel überall die gleiche Bewunderung erregte. Unter seinen Kompositionen verdienen die Ouvertüre zu "Hamlet" und das sogen. "Ungarische Konzert" für Violine genannt zu werden. - Seine Gattin Amalie, geborne Schneeweiß, Sängerin (Alt), geb. 1839 zu Marburg in Steiermark, erhielt ihre musikalische Ausbildung in Wien und trat zuerst auf dem Kärntnerthor-Theater daselbst auf. Später folgte sie einem Ruf an die Hofbühne zu Hannover. Nach ihrer Verheiratung (1861) trat sie von der Bühne zurück und wendete sich fortan ausschließlich dem Konzert- und dem Oratoriengesang zu, auf welchem Gebiet sie glänzenden Erfolg hatte.

Joachim von Floris, s. Evangelium, ewiges.

Joachimsorden, weltlicher Stiftsritterorden, ursprünglich "Jonathansorden der Verteidigung der Ehre der göttlichen Vorsehung", 20. Juni 1755 von 14 Herzögen, Fürsten, Grafen und Edlen gestiftet, an deren Spitze Prinz Franz Christian von Sachsen-Koburg als Großmeister stand. Zweck des Ordens war, durch Komtureien minder bemittelte Mitglieder zu unterstützen und den reichern Gelegenheit zum Wohlthun zu bieten. Der Orden bestand 1820 noch, ist aber seitdem erloschen. Vgl. "Account of orders of Knighthood", Bd. 1 (Lond. 1804).

Joachimsthal, 1) Stadt im nordwestlichen Böhmen, 733 m ü. M., im Erzgebirge an der Weseritz gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und einer Berg- und Hüttenverwaltung, hat eine Dekaneikirche, wichtigen Bergbau, der vom Staat und einer Privatgewerkschaft betrieben wird und Silbererz (1885: 227 metr. Ztr.), Nickel, Wismut und Uranerz ergibt, ehemals aber namentlich in Silber viel bedeutender war, außerdem eine ärarische Uranfabrik, eine große Tabaksfabrik (1000 Arbeiterinnen), Handschuh- und Korkstöpselfabrikation, Spitzenklöppelei und (1880) 6628 Einw. Von J. haben die Thaler (Joachimsthaler), die hier zuerst geprägt wurden, ihren Namen. Die Stadt brannte 31. März 1873 fast gänzlich ab und hat jetzt meist neue schöne Gebäude. Vgl. Laube, Aus der Vergangenheit Joachimsthals (Leipz. 1875). - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Angermünde, zwischen dem Werbellin- und Grimnitzsee, hat eine 1820 nach Schinkels Entwurf im modern-gotischen Stil erbaute Kirche, bedeutenden Handel mit Pflastersteinen, große Sägemühlen und Ziegeleien, eine Zementfabrik und (1885) 1834 evang. Einwohner. - J. ward 1604 von dem Kurfürsten Joachim Friedrich angelegt, der daselbst 1607 auch eine Fürstenschule gründete, die 1636 von den Sachsen zerstört, 1650 als Joachimsthalsches Gymnasium nach Berlin verlegt wurde. In der Nähe die durch ihren Wildstand ausgezeichnete Schorfheide mit dem königlichen Jagdschloß Hubertusstock.

Joahas (Joachas), 1) König von Israel 815-798 v. Chr., Sohn und Nachfolger des Jehu, ließ sein von den Syrern bedrängtes Reich zur völligen Schwäche herabsinken.

2) König von Juda, jüngerer Sohn des Josias, ward nach dessen Tod 609 v. Chr. anstatt des ältern Sohns, Eljakim, vom Volk auf den Thron erhoben, aber schon nach drei Monaten vom König Necho von Ägypten abgesetzt und gefangen nach Ägypten geführt, wo er starb. Vielleicht war sein Name vor seiner Thronbesteigung Schallum (Jer. 22, 11).

Joaillerie (franz., spr. schoaj'rih), Juwelierkunst; Juwelenhandel; Joaillier, Juwelier.

Joanes (spr. chhoánes), Vicente, span. Maler, geboren um 1523 zu Fuen de la Higuera, scheint sich in Italien nach Raffael gebildet zu haben und ließ sich sodann in Valencia nieder, arbeitete aber auch in andern spanischen Städten. Er soll sich zu jeder Arbeit, die für kirchliche Zwecke bestimmt war, durch die heiligen Sakramente vorbereitet haben. Er starb in Bocairente, nachdem er dort die Altarwand der Parochialkirche mit Gemälden geschmückt hatte, 21. Dez. 1579. J.' Gemälde, meist Darstellungen religiöser Gegenstände, zeichnen sich vornehmlich durch Anmut, Richtigkeit der Zeichnung und Perspektive und guten Faltenwurf aus. Im Kolorit folgte er der römischen Schule, doch ist dasselbe etwas stumpf. Zu J.' besten Werken gehören: in der Kathedrale zu Valencia die Taufe Christi und die heilige Familie; in der Nikolauskirche daselbst das Abendmahl des Herrn, mit einem Flügel bedeckt, auf welchem die Erschaffung der Eva neben dem schlafenden Adam dargestellt ist; in der Kirche zum heil. Dominikus die Madonna mit dem Kind; in der Kirche des heil. Franziskus am Hauptaltar der Heiland; die Himmelfahrt Mariä im Museum zu Valencia; die Predigt und das Martyrium des heil. Stephanus im Museum zu Madrid.

Joanne (spr. scho-ann), Adolphe, geograph. Schriftsteller, geb. 15. Sept. 1813 zu Dijon, ward in Paris 1836 Advokat, wandte sich aber bald darauf der Journalistik zu. Eine Reise nach der Schweiz und dem Schwarzwald veranlaßte ihn zur Abfassung eines Reisehandbuchs (1841), welches der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe ähnlicher und zum Teil umfangreicher Werke wurde, die sich nicht nur auf die interessantesten Orte und Landschaften Frankreichs, sondern auch auf Deutschland, England, Schweiz, Orient erstrecken und oft aufgelegt wurden. Ein gedrängter Auszug aus den größern Reisebüchern erscheint seit 1866 unter dem Titel: "Guides Diamant". Außerdem gab J. ein vorzügliches "Dictionnaire géographique de la France" (2. Ausg., Par. 1872) heraus. Er starb 1. März 1881 in Paris.

Joannina, Stadt, s. v. w. Janina.

João (Joam, portug., spr. sch[u]áung), Johann.

Joas (Jehoasch), 1) König von Juda 837-797 v. Chr., Sohn des Ahasja, ward als Kind bei der Thronusurpation seiner Großmutter Athalia und der Ermordung aller Brüder und Kinder Ahasjas 843 in den Tempel gerettet, dort heimlich erzogen und 837 in seinem 7. Lebensjahr vom Hohenpriester Jojada an der Stelle der ermordeten Athalia auf den Thron erhoben. Jojada führte für den jungen König die Vormundschaft. J. regierte aber auch, als er selbständig geworden, ganz nach dem Willen der Priesterschaft. Da er aber einem Streifzug der Syrer gegen Jerusalem durch eine Kontribution aus dem Tempelschatz vorbeugte, so ward eine Verschwörung gegen ihn angezettelt und J. von zweien seiner Diener ermordet.

2) Sohn und Nachfolger des Joahas als König von Israel (798-790 v. Chr.), schlug den König von Juda, Amazia, und machte eine reiche Beute aus dem königlichen und dem Tempelschatz. Von dem Pro-^[folgende Seite]