Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Johann

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Johann (Anhalt, Böhmen, Brandenburg).

Johann, Name zahlreicher Fürsten.

^[Liste]

Übersicht nach den Ländern:

Anhalt 1.

Böhmen 2.

Brandenburg 3-6.

Burgund 7.

England 8.

Frankreich 9.

Hannover 10.

Nassau 11, 12.

Österreich 13-15.

Pfalz 16.

Polen 17, 18.

Portugal 19-24.

Sachsen: Albertin. L. 25-29.

" Ernestin. L. 30, 31.

" Herzöge zu 32-35.

Sachsen-Weimar 36-38.

Schwaben 39.

Schweden 40, 41.

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[Anhalt.] 1) J. Georg II., Fürst von Anhalt-Dessau, Sohn des Fürsten Johann Kasimir und der Prinzessin Agnes von Hessen-Kassel, geb. 17. Nov. 1627, vermählte sich 1659 mit Henriette Katharina, einer Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, und wurde dadurch ein Schwager des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Nach dem Tod seines Vaters (15. Sept. 1660) übernahm er die Regierung in Anhalt-Dessau. Die Ansprüche seines Hauses auf Aschersleben, das 1648 Brandenburg überlassen war, erhielt er aufrecht und setzte auch durch, daß ihm die Anwartschaft darauf zugestanden wurde, was jedoch keine praktische Bedeutung hatte. Er trat in brandenburgische Kriegsdienste, wurde 1670 vom Großen Kurfürsten zum Feldmarschall ernannt und schloß im Juni 1672 das Bündnis zwischen dem Kaiser und Brandenburg in Wien ab, infolge dessen sich beide verpflichteten, je 12,000 Mann unter dem Befehl des Kurfürsten aufzustellen, um den Westfälischen Frieden aufrecht zu erhalten. 1674 übertrug ihm der Große Kurfürst die Statthalterschaft in der Mark, doch fehlte es J. an Truppen, um den Einfall der Schweden zu verhindern. Er beteiligte sich dann am Feldzug von 1675 gegen Schweden und wurde 1683 zum Kaiser nach Passau gesandt, um die Hilfe Brandenburgs gegen die Türken in Aussicht zu stellen, aber von einem Kriege gegen Frankreich abzuraten. Überhaupt war er bemüht, das Bündnis zwischen dem Kaiser und Brandenburg zu befestigen. Er starb 7. Aug. 1693 in Berlin und hatte seinen Sohn Leopold (s. d.) zum Nachfolger.

[Böhmen.] 2) J. von Luxemburg, der Blinde, König von Böhmen, ältester Sohn Heinrichs III., Grafen von Luxemburg, des nachmaligen deutschen Kaisers Heinrich VII., und der Margarete von Brabant, geb. 10. Aug. 1296, ward 1310 mit Wenzels II. von Böhmen Erbtochter Elisabeth vermählt und 7. Febr. 1311 in Prag zum böhmischen König gekrönt. Er behauptete die Krone der Premysliden gegen Heinrich von Kärnten und stellte die Ordnung in Böhmen und Mähren wieder her. Während der Rivalität zwischen den beiden Häusern Österreich und Bayern nach dem Tode des Kaisers Heinrich VII. (1313) stand er bald auf der einen Seite, bald auf der andern; doch verschaffte er in der Schlacht bei Mühldorf (28. Sept. 1322), in der er das bayrische Heer befehligte, Ludwig dem Bayern den Sieg. Im übrigen schloß er sich meist der päpstlichen und der französischen Politik an. Er erwarb für sein Haus durch die Hand der Erbtochter von Tirol, Margarete Maultasch, die er mit seinem Sohn Johann Heinrich vermählte, den Besitz dieser Grafschaft und zugleich Ansprüche auf Kärnten, dessen sich jedoch das österreichische Haus infolge kaiserlicher Belehnung bemächtigte. Auch Tirol ging schon 1340 dem luxemburgischen Haus wieder verloren, indem es an den Nebenbuhler Ludwig, Sohn des Kaisers Ludwig des Bayern, kam. Die Unternehmungslust Johanns suchte Kaiser Ludwig durch die Aussicht auf italienische Besitzungen und durch Verleihung von Reichsrechten in Italien zu befriedigen und gewann auf diese Art mehrmals die Freundschaft des Böhmenkönigs, der durch seine Kriegszüge in Italien, besonders 1333-35, die Guelfen unterstützte, ohne jedoch für sich etwas Dauerndes erlangen zu können. Während er sich von Polen Schlesien abtreten ließ, dessen einzelne Fürsten ihm als Oberlehnsherrn huldigten, knüpfte er durch seine Vermählung mit Beatrix von Bourbon 1334 festere Beziehungen zu Frankreich an, die ihm jedoch in seinen Kämpfen mit Ludwig dem Bayern wenig nutzten. Während Böhmen in anarchische Zustände verfiel, denen sein Erstgeborner, Karl, als Markgraf Mährens und Mitregent wirksam entgegenarbeitete, zog J. dem König Philipp von Valois gegen die Engländer zu Hilfe und kämpfte, obwohl bereits seit 1310 auf beiden Augen erblindet, mit seinem ältesten Sohn, Karl, in der Schlacht bei Crécy 1346, in welcher er 26. Aug. fiel. Vgl. Schötter, J., Graf von Luxemburg und König von Böhmen (Luxemb. 1865, 2 Bde.); v. Weech, Kaiser Ludwig der Bayer und König J. von Böhmen (Münch. 1860).

[Brandenburg.] 3) J. Cicero, Markgraf von Brandenburg, geb. 2. Aug. 1455 zu Ansbach, ältester Sohn des Markgrafen Albrecht Achilles, übernahm an dessen Stelle die Verwaltung des 1470 demselben zugefallenen Kurfürstentums Brandenburg und erbte dasselbe nach seines Vaters Tod 1486 ungeteilt kraft des Achilleischen Hausgesetzes. Er regierte umsichtig und sparsam, brachte die Finanzen des Landes in Ordnung und kaufte 1490 die lausitzische Herrschaft Zossen. Auch bereitete er die Stiftung einer Universität in seinen Landen vor. An den Reichsangelegenheiten, namentlich den Reformen des Wormser Reichstags 1495, nahm er lebhaften Anteil. Wegen seiner Gabe, deutsch und lateinisch wohl und gelehrt zu reden, erhielt er den Beinamen Cicero. Er starb 9. Jan. 1499 in Arneburg; im Dom zu Berlin ließ ihm sein Enkel Joachim II. 1550 ein herrliches Denkmal von Peter Vischer errichten.

4) J. (Hans), Markgraf von Brandenburg-Küstrin, geb. 3. Aug. 1513 zu Tangermünde, zweiter Sohn des Kurfürsten Joachim I., erhielt bei dessen Tod 1535 kraft des väterlichen Testaments, zuwider der Achilleischen Hausordnung, die Neumark mit der Hauptstadt Küstrin, verwaltete dieselbe mit Ordnungsliebe und Sparsamkeit, that viel für die Hebung der Wohlfahrt derselben, befestigte Küstrin und Peitz und kaufte die Herrschaften Beeskow und Storkow. Die Reformation nahm er schon 1536 an und schloß sich dem Schmalkaldischen Bund an, blieb zwar im Schmalkaldischen Krieg neutral, suchte jedoch später die protestantische Sache in Deutschland nach Kräften zu unterstützen. Er starb 13. Jan. 1571, ohne Erben zu hinterlassen, so daß die Neumark wieder an Kurbrandenburg fiel.

5) J. Georg, Kurfürst von Brandenburg, geb. 11. Sept. 1525, ältester Sohn des damaligen Kurprinzen, spätern Kurfürsten Joachim II., folgte demselben in der Regierung 1571 und war zunächst bemüht, die Schulden seines Vaters zu tilgen, dessen Geldjuden Lippold er hinrichten und dessen Geliebte Anna Sydow er in Spandau einkerkern ließ. J. war kleinlich und engherzig. Den Übergriffen der Jesuiten und der katholischen Reaktion in Deutschland sah er aus kurzsichtigem Egoismus und Haß gegen die Reformierten unthätig zu. An der Vereinbarung der Konkordienformel nahm er eifrigen Anteil und unterdrückte mit Strenge jede abweichende Lehre in seinem Land. Er gründete 1574 das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, vollendete den Schloßbau und nahm viele