Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Johann

230

Johann (Brandenburg, Burgund, England, Frankreich).

flüchtige Niederländer in sein Land auf. Er starb 8. Jan. 1598. Von seinen 23 Kindern aus drei Ehen überlebten ihn 15.

6) J. Siegmund, Kurfürst von Brandenburg, geb. 8. Nov. 1572, ältester Sohn des Kurprinzen, spätern Kurfürsten Joachim Friedrich, folgte demselben 18. Juli 1608 als Kurfürst von Brandenburg und Verweser des Herzogtums Preußen an Stelle des blödsinnigen Herzogs Albrecht Friedrich, dessen älteste Tochter, Anna, er 1594 geheiratet hatte. Diese war als Tochter der ältesten Schwester des letzten Herzogs von Jülich-Kleve nach dessen Tod 1609 auch Haupterbin von dessen reichen Besitzungen, die indes J. von verschiedenen Seiten streitig gemacht wurden (s. Jülich). Er verglich sich jedoch mit dem Hauptprätendenten, dem Pfalzgrafen von Neuburg, im Dortmunder Vertrag 1609, der durch den Vertrag von Xanten 1614 bestätigt wurde, über eine provisorische Teilung, so daß er Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein erhielt. Während der Streitigkeiten über die Erbschaft war er 25. Dez. 1613 zur reformierten Konfession übergetreten, weniger aus politischen Rücksichten auf die Holländer als aus religiösen Beweggründen, nämlich aus Abneigung gegen die starre, intolerante lutherische Orthodoxie. Dieser Schritt, welchen die im Mai 1614 veröffentlichte "Confessio" rechtfertigen sollte, bereitete ihm von seiten der streng lutherischen Einwohner und Stände der Mark große Schwierigkeiten, da diese eine "Verketzerung" des ganzen Landes fürchteten; noch mehr in Preußen, wo er 1618 nach Albrecht Friedrichs Tod Herzog wurde, die Stände ihm aber unter dem Vorwand des Religionswechsels fast alle landesherrlichen Befugnisse entzogen. J. starb 23. Dez. 1619. Die beiden unter ihm erfolgten Erwerbungen sowie sein Übertritt zur reformierten Kirche sind für die weitere Geschichte Brandenburg-Preußens von größter Bedeutung gewesen.

[Burgund.] 7) J. der Unerschrockene oder ohne Furcht (sans peur), Herzog von Burgund, Sohn Philipps des Kühnen, geb. 1371, führte bei Lebzeiten seines Vaters den Titel Graf von Nevers, zog mit dem französischen Kreuzheer dem König Siegmund von Ungarn gegen die Türken zu Hilfe und geriet in der Schlacht bei Nikopolis 1396 in türkische Gefangenschaft, aus welcher er sich durch ein Lösegeld von 200,000 Dukaten befreite. Herzog von Burgund ward er 1404 nach seines Vaters Tod. Klein von Gestalt und von unbeholfenem, mürrischem Wesen, haßte er seinen glänzenden, verschwenderischen Vetter, den Herzog Ludwig von Orléans, auf den er auch eifersüchtig zu sein Ursache hatte, und stellte sich an die Spitze der Opposition gegen dessen drückende, verderbliche Herrschaft in Frankreich an des wahnsinnigen Königs Karl VI. Statt. Endlich von Orléans aufs äußerste gereizt, ließ er diesen 1407 zu Paris ermorden und erlangte damit die oberste Leitung der Staatsgeschäfte in Frankreich und die Erziehung des Dauphins. Durch den Vertrag von Chartres 1409 versöhnte er sich vorläufig mit den Orléans. Indes schon 1410 entbrannte der Kampf der Parteien, der Armagnacs und Bourguignons, wieder. Nach der Niederwerfung der Cabochiens in Paris 1413 seiner Macht beraubt, trat J. 1415 mit Heinrich V. von England in Verbindung und bemächtigte sich 1418 wieder der Hauptstadt, wo er aufs grausamste gegen die Armagnacs wütete. Vom Dauphin Karl zu einer Unterredung auf der Yonnebrücke bei Montereau gelockt, ward er 10. Sept. 1419 von dessen Begleiter Tanneguy-Duchâtel meuchlings ermordet. Ihm folgte Philipp der Gute.

[England.] 8) J. ohne Land (John Lack-land), König von England, aus dem Haus Plantagenet, geb. 24. Dez. 1167 als jüngster Sohn König Heinrichs II., war von seinem Vater, obwohl derselbe ihm einst scherzend den Beinamen "ohne Land" gegeben hatte, doch gleich seinen Brüdern reich mit Gütern ausgestattet und besaß außer der Grafschaft Mortagne in der Normandie noch die Grafschaften Cornwall, Dorset, Somerset, Gloucester, Nottingham, Derby und Lancaster in England, mithin beinahe ein Dritteil des ganzen Königreichs. Trotzdem suchte er im Bund mit König Philipp von Frankreich während des Kreuzzugs seines Bruders Richard Löwenherz denselben der Krone zu berauben und errang auch, während Richard nach der Rückkehr aus dem Morgenland in Deutschland gefangen gehalten wurde, nicht unbedeutende Vorteile. Als aber der König freigelassen und nach England heimgekehrt war, konnte J. sich nicht behaupten und mußte sich im Mai 1194 unterwerfen. Richard verzieh ihm großmütig und ernannte ihn sogar, mit Übergehung des erst zwölfjährigen Arthur von Bretagne, des Sohns seines verstorbenen ältern Bruders, Gottfried, 1199 auf seinem Sterbebett zu seinem Nachfolger. J. war ein schwacher, aber trotzdem eigenwilliger und grausamer Regent. Nach einer zwölfjährigen Ehe trennte er sich von seiner Gemahlin Hadwisa, Erbin der Grafschaft Gloucester, und verband sich 1200 mit der mit dem Grafen Hugo de la Marche bereits öffentlich versprochenen Isabella, Gräfin von Angoulême. De la Marche appellierte hierauf an Philipp von Frankreich, ihren gemeinschaftlichen Lehnsherrn. J. wurde all seiner französischen Lehen für verlustig erklärt, und es erhob sich nun ein heftiger Kampf zwischen ihm und seinen Feinden, in welchem er 1. Aug. 1202 bei Mirebeau einen wichtigen Sieg erfocht. Da er aber den hierbei in seine Hände gefallenen Herzog Arthur von Bretagne heimlich ermorden ließ, fielen seine meisten Vasallen von ihm ab, und er verlor so den besten Teil seiner französischen Besitzungen. Auch mit dem Papst Innocenz III. geriet er wegen der Bischofswahlen in Streit und zog sich durch seine Halsstarrigkeit Interdikt und Bann zu (1208), zu deren Vollziehung sich Philipp von Frankreich später bereit fand. Von seinen Unterthanen verlassen, sah sich J. endlich genötigt, sein Reich dem Papst feierlichst zu schenken und von ihm als Lehen zurückzunehmen (15. Mai 1213). Mit dessen Beistand und zugleich verbündet mit dem deutschen Kaiser Otto IV. bekriegte er hierauf wiederholt Frankreich, bis er bei Bouvines eine Niederlage erlitt (27. Juli 1214). Als nach dieser Schlacht die englischen Barone sich gegen Johanns Mißregierung erhoben, mußte dieser ihnen durch die Magna Charta (s. d.) 15. Juni 1215 bedeutende Rechte zugestehen. Bald nachher aber begann er mit gemieteten Abenteurern einen Vernichtungskrieg gegen die verschwornen Barone, ließ vom Papste den Freiheitsbrief für nichtig erklären und durchzog sengend und brennend das Land. Die Barone boten hierauf Ludwig, dem ältesten Sohn des Königs Philipp II. von Frankreich, die Krone Englands an, und dieser erschien im Mai 1216 mit einem zahlreichen Heer in England. J. floh in das Cistercienserkloster Swineshead und starb 19. Okt. 1216 in Newark am Trent, nachdem er seinen Sohn Heinrich zum Thronfolger ernannt hatte.

[Frankreich.] 9) J. II., der Gute, König von Frankreich, Sohn und Nachfolger Philipps VI., geb. 1319, regierte 1350-64. Unter ihm begann wieder 1355 nach Ablauf des Waffenstillstandes der Krieg mit England. Eduard, der Schwarze Prinz, landete im