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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Johann

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Johann (Hannover, Nassau, Österreich).

Garonnegebiet, verwüstete Auvergne, Limousin und Poitou, suchte aber bei Annäherung des französischen Heers sich nach Bordeaux zurückzuziehen. Indes bei Poitiers wurde seinem kleinen Heer der Rückzug abgeschnitten. Hart bedrängt, bot er J. für freien Abzug einen siebenjährigen Waffenstillstand an; J. jedoch, siegesgewiß, schlug jeden gütlichen Vergleich aus, und so kam es 19. Sept. 1356 bei Maupertuis zu einer Schlacht, in welcher J. Sieg und Freiheit verlor. Erst der Friede von Bretigny 1360 befreite ihn aus seiner Haft, nachdem er, außer 3 Mill. Goldstücke, mehrere Provinzen abzutreten versprochen hatte. Da sein als Geisel in England zurückgelassener Sohn, der Herzog von Anjou, noch vor Bezahlung der Loskaufssumme von da entfloh, kehrte J. Anfang 1364 nach London in seine Gefangenschaft zurück, wurde hier als königlicher Gast glänzend empfangen, starb aber schon 8. April d. J. Sein ältester Sohn erster Ehe, Karl V., war sein Nachfolger. Die von J. 1363 gestiftete Sekundogenitur des Hauses Valois, Burgund, schlug ebenfalls zu Frankreichs Verderben aus, so daß nach ihm kein Thronfolger mehr Johann genannt wurde.

[Hannover.] 10) J. Friedrich, Herzog von Hannover, geb. 1625, Sohn des Herzogs Georg, trat auf einer Reise nach Italien 1651 zur römisch-katholischen Kirche über und erhielt 1665 die Lande Kalenberg, Göttingen und Grubenhagen, zu deren Hauptstadt und Residenz er Hannover erhob. Seine Unterthanen gewaltsam zu bekehren, verschmähte er und begünstigte die Wissenschaften, wie er denn Leibniz an seinen Hof berief. In der äußern Politik hielt er zu Frankreich, ohne jedoch seine Hoffnungen auf Ländererwerb erfüllt zu sehen. Er starb 28. Dez. 1679 in Augsburg, ohne Söhne zu hinterlassen, worauf ihm sein Bruder Ernst August von Osnabrück (s. Ernst 4) folgte.

[Nassau.] 11) J. von Nassau, Erzbischof von Mainz, ein ehrgeiziger, ränkesüchtiger Mann, erlangte das Erzbistum 1397 durch päpstliche Ernennung und verdrängte den vom Kapitel gewählten Erzbischof Gottfried von Leiningen. Auf seinen Betrieb wurde 1400 Kaiser Wenzel abgesetzt und Ruprecht von der Pfalz gewählt, gegen den er dann wieder, als er sich nicht ganz von ihm leiten ließ, 1405 den Marbacher Bund zu stande brachte. Er verband sich sogar mit dem Raubritterbund "Zum Luchs" und begab sich in Vasallenverhältnis zu Frankreich, um Ruprecht erfolgreichen Widerstand leisten zu können, welcher starb, ehe er J. gedemütigt. Bei der neuen Königswahl war er für Jobst von Mähren, vertrug sich aber 1411 mit Siegmund, nachdem dieser ihm große Zugeständnisse bewilligt hatte. Auf dem Konstanzer Konzil vertrat er die Sache Johanns XXIII., doch ohne Erfolg. Er starb 23. Sept. 1419 in Aschaffenburg.

12) J. Moritz, Fürst von Nassau-Siegen, niederländ. Feldmarschall, der "Brasilianer" genannt, geb. 17. Juni 1604 zu Dillenburg als Sohn des Grafen Johann VIII. von Nassau-Dillenburg, trat 1621 in die Dienste der holländischen Republik und zeichnete sich unter der Leitung des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien 1626 bei der Belagerung von Grol und 1632 vor Maastricht aus. 1636 zum Gouverneur der Besitzungen der Westindischen Gesellschaft in Brasilien ernannt, eroberte er, trotzdem er nur geringe Streitkräfte zur Verfügung hatte, einen großen Teil des Landes und verwaltete es so vortrefflich, daß es zu hoher Blüte gedieh. Er sendete 1637 eine Expedition an die afrikanische Küste, welche den Holländern die Hauptfestung von Guinea, St. George del Mina, erwarb, und drang im Frühjahr 1638 an der brasilischen Küste südlich vor, belagerte aber vergeblich Bahia. Nachdem die portugiesische und die spanische Flotte durch die Holländer vor Itamarica (12.-17. Jan. 1640) beinahe ganz vernichtet worden waren, begann der Krieg in Brasilien aufs neue und wurde mit großer Grausamkeit geführt. Um die große Anzahl von Abenteurern unter seinen Fahnen zu beschäftigen, unternahm J. eine Expedition nach Chile (1643). Zwei von ihm gegründete Orte, die Festung Moritzschloß an der Mündung des São Francisco und die Stadt Moritzstadt bei Pernambuco, erinnern in Brasilien an ihn. 1644 nach Holland zurückgekehrt, ward er zum Gouverneur von Wesel und General der Reiterei ernannt, trat 1647 in kurbrandenburgische Dienste, wurde Statthalter von Kleve, Mark und Ravensberg und 1652 Meister des Johanniterordens in Sonnenburg und deutscher Reichsfürst. 1658 war er als brandenburgischer Gesandter bei der Wahl Kaiser Leopolds J. in Frankfurt thätig, schloß 1661 den Defensivvertrag zwischen England und Brandenburg ab, erhielt 1665 das Kommando der holländischen Truppen gegen Münster, wurde 1671 erster Feldmarschall, befehligte die Holländer im Kriege gegen Ludwig XIV. (1672-74) und nahm an der Schlacht bei Senef 11. Aug. 1674 hervorragenden Anteil. 1674 wurde er Gouverneur von Utrecht und trat 1676 ins Privatleben zurück. Er starb 20. Dez. 1679 in Bergenthal bei Kleve und ist in Siegen beigesetzt. Sein Palast im Haag war das "Moritzhaus" (jetzt Museum). Vgl. Driesen, Leben des Fürsten J. Moritz von Nassau-Siegen (Berl. 1849).

[Österreich.] 13) J. Baptist Joseph Fabian Sebastian, Erzherzog von Österreich, Reichsverweser von Deutschland, geb. 20. Jan. 1782, sechster Sohn des Kaisers Leopold II. und der spanischen Infantin Marie Luise. Von gewecktem Geist, zeigte er früh Neigung für die militärischen Wissenschaften sowie für die Geschichte und die Naturwissenschaften und erhielt vielfache geistige Anregung durch den damals im Ministerium des Äußern in Wien angestellten Geschichtsforscher Johannes Müller. 1800 ward er an die Spitze des geschlagenen österreichischen Heers gestellt, das nach seines Bruders Karl Abgang von Kray unglücklich geführt worden war, und wußte der Armee durch rasches Vorrücken und einzelne kleine Siege das verlorne Selbstvertrauen wiederzugeben. Bei Hohenlinden (3. Dez.) unterlag er jedoch der Übermacht Moreaus, und auch bei Salzburg versuchte er vergeblich, dem siegreichen Vordringen der Franzosen ein Ziel zu setzen. Nach dem Frieden von Lüneville wurde er zum Generaldirektor der Ingenieurakademie zu Wien und der Kadettenakademie in Wiener-Neustadt ernannt und erhob diese Anstalten rasch zur Blüte. Als 1805 der neue Krieg gegen Napoleon I. zum Ausbruch kam, war die Bewaffnung der Tiroler und Vorarlberger seine erste Sorge. Hierauf trat er an die Spitze des Armeekorps, das sich Ney und den Bayern in Tirol entgegenstellte. Vom heldenmütigen Landvolk unterstützt, brachte er den Bayern unter Deroy 2. und 3. Nov. 1805 die erste Niederlage am Strubpaß bei, mußte aber auf Befehl seines Bruders Karl Tirol räumen und durchs Pusterthal nach Kärnten rücken, um sich mit der italienischen Armee zu vereinigen. Dies gelang Ende November, und sofort drangen beide Erzherzöge, J. an der Spitze des rechten Flügels der vereinigten Armee, gegen Wien vor; die Schlacht bei Austerlitz, Preußens schwankende Politik und endlich der Friede von Preßburg machten jedoch ihre Versuche, dem Krieg eine günstige Wendung zu