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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: John

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John - John.

Besuch Karls V. bei Franz I. im Gefängnis zu Madrid (1834), Heinrich II., Katharina von Medicis und ihre Kinder (1835), die Abreise der Maria Stuart aus Schottland (1836), die Herzogin von Guise am Hof Karls IX. und die Schlacht bei Prattelen. J. starb 7. Dez. 1837 in Paris.

3) Tony, Kupferstecher und Maler, Bruder der vorigen, geb. 9. Nov. 1803 zu Offenbach, half seinem Bruder Alfred zuerst bei Herstellung der Kupfer und Vignetten zu Walter Scott, Cooper und Byron und lieferte treffliche Illustrationen zu Molière und "Don Quichotte" sowie zu Goethes "Werther". Im J. 1831 trat er ebenfalls als Maler auf mit romantischen Genrebildern in der Weise seines Bruders. Für den Herzog von Orléans malte er 1834 ein großes Bild, den Tod des Connetables Duguesclin. Im Auftrag des Königs malte er für das historische Museum zu Versailles große Darstellungen der Schlachten bei Rosbecque und bei Fontenay, der Erstürmung des Engpasses Méandre und des Besuchs der Königin Viktoria in Eu. Einen größern Ruf hat er aber als Zeichner und Kupferstecher, indem er zahllose Radierungen, Kupferstiche und Holzschnitte für Prachtausgaben lieferte. Er starb 4. Aug. 1852 in Paris.

John (spr. dschonn), engl. Vorname, s. v. w. Johann oder Hans.

John, 1) Franz, Freiherr von, österreich. General, geb. 20. Nov. 1815 zu Bruck an der Leitha und auf der Militärakademie von Wiener-Neustadt erzogen, trat 1835 als Unterleutnant in das Infanterieregiment Erzherzog Franz Karl. 1845 als Oberleutnant zum Generalquartiermeisterstab kommandiert, machte er in Italien unter Radetzkys Leitung die hohe Schule seiner militärischen Bildung durch und nahm 1848, eben Hauptmann geworden, an den Kämpfen in Oberitalien einen so hervorragenden Anteil, namentlich bei Goito und Volta, daß er während eines Jahrs die Eiserne Krone, den Maria-Theresien-Orden und das Militärverdienstkreuz erwarb. 1857 wurde er Oberst und Regimentskommandeur und in den Freiherrenstand erhoben, 1859 war er Generalstabschef des 6. Armeekorps in Südtirol, und seit 1860 stand er als Generalmajor an der Spitze des Generalstabs der von Benedek befehligten italienischen Armee. Er blieb Generalstabschef der italienischen Südarmee, auch 1866 unter Erzherzog Albrecht und zeichnete sich in der Schlacht bei Custozza (24. Juni) so aus, daß er zum Feldmarschallleutnant ernannt wurde. Er begleitete auch den Erzherzog nach dem nördlichen Kriegsschauplatz und übernahm im September provisorisch, im Oktober definitiv das Kriegsministerium. Im Mai 1867 wurde er ins Herrenhaus berufen, im Dezember d. J. Reichskriegsminister. Er führte die Heeresreform, welche auf der allgemeinen Wehrpflicht basierte, durch. Schon im Januar 1868 trat er indes ab, ward im März 1869 Landeskommandierender in Graz, dann Feldzeugmeister und Chef des Generalstabs der Armee, als welcher er 25. Mai 1876 starb.

2) Eugenie, unter dem Namen E. Marlitt bekannte Romanschriftstellerin, geb. 5. Dez. 1825 zu Arnstadt in Thüringen, Tochter eines Kaufmanns, erregte durch ihr musikalisches Talent und ihre schöne Stimme die Aufmerksamkeit der regierenden Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen und wurde von derselben in ihrem 17. Jahr als Pflegetochter angenommen. Nachdem sie eine Zeitlang die höhere Töchterschule zu Sondershausen besucht, verlebte sie drei Jahre zur Ausbildung ihres musikalischen Talents in Wien, betrat auch mit Erfolg die Bühne, sah sich aber durch ein plötzlich auftretendes Gehörleiden gezwungen, die theatralische Laufbahn zu verlassen, und kam nun als Vorleserin in die Umgebung der Fürstin. Hier am Hofe wie auf den mannigfachen Reisen, bei denen sie die Fürstin begleitete, hatte sie Gelegenheit, die Welt zu studieren und Erfahrungen zu sammeln, aus denen sich die Mannigfaltigkeit ihrer Charakterzeichnungen erklären läßt. 1863 aus ihrer Stellung scheidend, wandte sie sich wieder nach Arnstadt, wo sie noch zur Zeit lebt. Erst aus dieser letztern Zeit stammen die Erzeugnisse ihrer Muße, jene spannenden Romane und Erzählungen, welche, zuerst in der "Gartenlaube" veröffentlicht, ihren Namen rasch in allen Weltteilen bekannt und beliebt machten. Es sind: "Die zwölf Apostel" (Leipz. 1865); "Goldelse" (das. 1866, 18. Aufl. 1885); "Blaubart" (das. 1866); "Das Geheimnis der alten Mamsell" (das. 1867, 2 Bde.; 12. Aufl. 1886); "Thüringer Erzählungen" (das. 1869, 6. Aufl. 1886); "Reichsgräfin Gisela" (das. 1869, 7. Aufl. 1885); "Das Heideprinzeßchen" (das. 1871, 7. Aufl. 1885); "Die zweite Frau" (das. 1873, 7. Aufl. 1885); "Im Hause des Kommerzienrats" (das. 1877); "Im Schillingshof" (das. 1880); "Amtmanns Magd" (1881); "Die Frau mit den Karfunkelsteinen" (1885, 2 Bde.). Alle diese Werke sind ihrer Tendenz nach gegen soziale Vorurteile gerichtet und entbehren nicht der Vorzüge lebendiger Erzählung und Schilderung, wohl aber vielfach der innern Wahrheit. Der tendenziöse Grundton und die Richtung der Schriftstellerin auf Spannung um jeden Preis haben rasch eine gewisse Manier erzeugt.

3) Richard Eduard, Kriminalist, geb. 17. Juli 1827 zu Marienwerder, studierte in Leipzig, Berlin, Göttingen und erwarb 1852 in Göttingen mit der Inauguralschrift "Über Landzwang und widerrechtliche Drohungen" (Götting. 1852) den juristischen Doktorgrad. Nachdem er sich 1853 in Königsberg als Privatdozent habilitiert hatte, ward er daselbst 1856 außerordentlicher, 1859 ordentlicher Professor der Rechte. Vom Jahr 1862 bis zum Sommer 1867 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, gehörte er hier der Fortschrittspartei und nach Begründung der nationalliberalen Fraktion der letztern an. 1868 ging er als ordentlicher Professor nach Kiel, 1869 nach Göttingen, 1870 aber als Rat des Oberappellationsgerichts nach Lübeck, 1876 wieder als Professor des Kriminalrechts nach Göttingen. Seine Schriften, welche zu den hervorragendsten kriminalistischen Arbeiten der Neuzeit zählen, sind: "Das Strafrecht in Norddeutschland zur Zeit der Rechtsbücher" (Leipz. 1858, Bd. 1); "Die Lehre vom fortgesetzten Verbrechen und von der Verbrechenskonkurrenz" (Berl. 1860); "Über die Nemede der altdithmarsischen Rechtsquellen" (Königsb. 1860); "Kritik des preußischen Gesetzentwurfs über die Verantwortlichkeit der Minister" (1. u. 2. Aufl., Leipz. 1863); "Über Strafanstalten" (Berl. 1865); "Kritiken strafrechtlicher Entscheidungen des preußischen Obertribunals" (das. 1866); "Über die Todesstrafe" (das. 1867); "Entwurf mit Motiven zu einem Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund" (das. 1868); "Das Strafrecht in Norddeutschland, Beurteilung des Entwurfs eines Strafgesetzbuchs für den Norddeutschen Bund" (Götting. 1870); "Über Geschwornengerichte und Schöffengerichte" (Berl. 1872). Außer zahlreichen Abhandlungen in Fachzeitschriften lieferte er noch in v. Holtzendorffs "Encyklopädie der Rechtswissenschaft" die Darstellung des Zivil- und Strafprozesses für die 1. Auflage, des Strafprozesses für die 2. Auflage und bearbeitete in v. Holtzendorffs "Handbuch des Strafrechts" die Ver-^[folgende Seite]