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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jovellanos; Jovial; Jovianus; Jovilabium; Jovinianus; Joyeuse entrée; Jozgad; Juan; Juan d'Austria

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Jovellanos - Juan d'Austria.

serbisch-türkischen Kriegs zum Finanzminister ernannt, brachte er die zur Kriegführung nötige Anleihe zu stande und führte die Prägung serbischer Goldmünzen nach französischem Münzsystem ein. Nachdem er Ende 1879 seine Entlassung genommen, wurde er Präsident des Rechnungshofs, dann im Juni 1880 wieder Finanzminister, trat aber noch im Oktober d. J. mit dem Kabinett Ristič zurück. Außer nationalökonomischen und politischen Schriften in serbischer Sprache (darunter Übersetzungen von Werken St. Mills und Roschers) schrieb J.: "Les Serbes et la mission de la Serbie dans l'Europe d'Orient" (Par. 1870); "The emancipation and unity of the Serbian nation" (Genf 1873) u. a.

Jovellanos (spr. chhowelljanos), Don Gaspar Melchor de, eigentlich Jove-Llanos, ausgezeichneter span. Staatsmann, politischer Schriftsteller und Dichter, geb. 5. Jan. 1744 zu Gijon in Asturien, war für den geistlichen Stand bestimmt, trat aber 1767 in den Justizdienst und ward Mitglied der spanischen Akademie und von Karl III. zum Staatsrat ernannt. Seine Opposition gegen die Mängel der Gesetzgebung, Polizei etc. in seinem Vaterland zog ihm 1790 Verbannung nach Asturien zu, wo er für Hebung der Wohlfahrt des Landes unermüdlich thätig war. 1797 ward er von Godoy zum Minister der Justiz und der Gnadensachen ernannt; allein schon 1798 zog er sich, um den von jenem ausgehenden Vergiftungsversuchen zu entfliehen, nach Gijon zurück, wurde auf Antrieb Godoys 1801 in ein Kartäuserkloster auf Mallorca verbannt und 1802 in das Staatsgefängnis zu Bellver gebracht. Nachdem er 1808 beim Einfall der Franzosen in Spanien seine Freiheit wiedererlangt hatte, zog er sich in seine Vaterstadt zurück, wies Joseph Bonapartes Anerbietungen zurück, ward ein eifriges Mitglied der Zentraljunta und war für die Organisation der Erhebung des spanischen Volkes gegen die Fremdherrschaft unverdrossen thätig. Aber trotzdem erntete er nur Undank und Verfolgung. Er starb 27. Nov. 1811. Sein Trauerspiel "El Pelayo" (1799) behandelt die Geschichte des Gotenhelden, der sich gegen die Mauren behauptete. Eine Sammlung seiner Werke besorgten Cañedo (Madr. 1830-32, 7 Bde.; 2. Aufl., Barcel. 1839, 8 Bde.) und Nocedal (Bd. 46 u. 50 der "Biblioteca de autores españoles", Madr. 1858-59). Seine "Oraciones y discursos" erschienen in einer Sonderausgabe (Madr. 1880). Vgl. Cean-Bermudez, Memorias para vida del Señor D. Gasp. Melch. de J. (Madr. 1814); Baumgarten in Sybels "Historischer Zeitschrift", Bd. 10 (1863).

Jovial (lat.), dem Jupiter (Jovi) gehörig, dessen Stern nach den Astrologen Frohsinn bewirkt, daher s. v. w. frohsinnig, heiter (von Gemütsart); Jovialität, joviale Gemütsart; Joviallinie, eine gewisse, angeblich Jovialität verratende Linie im Antlitz; Jovialist, lustiger Rat, Hofnarr (besonders ehedem am polnischen Hof).

Jovianus, Flavius, röm. Kaiser 363-364 n. Chr., war erst Primus ordinis domesticorum (d. h. der Erste der Haustruppen) und wurde nach dem Tode des Kaisers Julianus durch das Heer auf den Thron erhoben. Er schloß mit dem Perserkönig Sapor einen schimpflichen Vertrag ab, in welchem er demselben die von dem Kaiser Galerius jenseit des Tigris gemachten Eroberungen (die fünf Regiones transtigranae) und 15 feste Plätze, worunter Nisibis, abtrat. Im J. 364 trat er sein Konsulat an, worin er erst seinen Vater Varronianus und nach dessen Tod seinen noch unmündigen Sohn zum Kollegen hatte. Das Wichtigste aus seiner kurzen Regierung ist, daß er die von Julianus gegen das Christentum erlassenen Verbote aufhob, zugleich aber auch trotz seiner Begünstigung des Christentums ein Toleranzedikt für die Heiden erließ. Er starb auf einer Reise nach Konstantinopel, auf der Grenze zwischen Galatien und Bithynien, nach einer Regierung von kaum acht Monaten.

Jovilabium (neulat.), Modell zur Verdeutlichung der Erscheinungen der vier Jupitermonde, namentlich ihrer Verfinsterungen, im wesentlichen aus einer größern Kugel bestehend, welche den Jupiter vorstellt, und um welche sich an dünnen Stangen vier kleinere Kugeln in entsprechenden Abständen bewegen lassen.

Jovinianus, röm. Mönch, um 388, einer der achtungswürdigsten Vertreter des sittlichen Charakters des Christentums im Zeitalter der kirchlichen Depravation, leugnete die Verdienstlichkeit des Cölibats und der Askese und ward deshalb vom römischen Bischof Siricius exkommuniziert und von Ambrosius, Hieronymus und Augustin heftig angegriffen. Vgl. Lindner, De Joviniano et Vigilantio (Leipz. 1839).

Joyeuse entrée (franz., spr. schóajöhs' angtreh, vläm. Blyde incomste, "fröhlicher Einzug"), Bezeichnung der Privilegien der Städte und des Landes in Brabant, welche seit Herzog Wenzel (1356) der jedesmalige Herzog vor seinem Einzug beschwören mußte; daher der Name. Die wichtigste Bestimmung der diesbezüglichen Charte war, daß, wenn ein Herzog den Versuch mache, sie aufzuheben, die Stände sofort ihrer Pflicht gegen ihn entbunden sein sollten. Der letzte Beherrscher Brabants, welcher diese vom Vertrag zu Rastatt 1714 ausdrücklich anerkannte Charte beschwor, war Kaiser Franz II. (31. Juli 1792).

Jozgad, Hauptort eines Sandschaks im türk. Wilajet Angora in Kleinasien, an einem Zufluß des in den Kisil Irmak sich ergießenden Delidsche Irmak, ca. 1250 m ü. M., einst Sitz des mächtigen Turkmenenhäuptlings Tschapan Oghlu (gest. 1805), dessen Gebiet unter Sultan Mahmud II. eingezogen wurde, hat einen schönen Palast und 16-25,000 Einw. (meist Türken). Nordwestlich von J. die berühmten Felsenskulpturen von Boghazköi, den assyrischen Bildwerken ähnlich, nur roher, wahrscheinlich an der Stelle des alten von Krösos zerstörten Pteria.

Juan (span., spr. chhuan), s. v. w. Johann.

Juan d'Austria (spr. chhuan, Johann von Österreich), natürlicher Sohn des Kaisers Karl V. und der Barbara Blomberg aus Regensburg, geb. 24. Febr. 1547 zu Regensburg, erhielt seine Erziehung in Spanien anfangs von dem Vertrauten des Kaisers, Don Luis Quijada, später, nach seines Vaters Tod, am Hof seines Bruders Philipp II. Hier lebte er in Gemeinschaft mit Philipps Sohn Don Karlos. Dann widmete er sich dem Waffendienst; 1569 und 1570 führte er den Oberbefehl über die in Granada mit den Mauren kämpfenden Truppen. J. schlug die Feinde in mehreren Treffen, eroberte einige feste Plätze und unterwarf die Aufständischen vollständig. Darauf wurde er an die Spitze der Flotte gestellt, die von der Heiligen Liga gegen die Türken geschickt wurde. Er lieferte diesen 7. Okt. 1571 bei Lepanto eine Schlacht, in welcher er einen großen Sieg erfocht. Doch war es nicht möglich, den Sieg vollständig auszunutzen, da die Verbündeten über den weitern Feldzugsplan sehr geteilter Ansicht waren. J. wendete sich 1573 gegen Tunis, von dem Wunsch erfüllt, ein christliches Königreich für sich dort zu gründen. 1574 hatte er als Schiedsrichter den Zwist der Parteien in Genua zu schlichten. 1575 wurde er spanischer