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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jüdische Litteratur

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Jüdische Litteratur (Gegenwart; Zeitschriften, Vereine).

den, während im russischen Polen zugleich eine neue Mystik sich ausbreitete. Viele ältere jüdische Werke wurden in Italien und den slawischen Ländern, in welchen man sich der neuhebräischen Sprache als eines Schlüssels zur Schatzkammer der europäischen Wissenschaft, der Dichtkunst und Belletristik bediente (s. Hebräische Sprache), herausgegeben. Den Gesetzlehrern Ezechiel Landau, Maleachi Cohn und Jesaja Berlin, welchen später gleichgelehrte Talmudisten, wie Jakob Lissa, Akiba Eger, Moses Sofer, Isak Bernays, folgen, reihen sich die Zeitgenossen Mendelssohns, die teilweise seine Schüler waren, an: die Erklärer (Biuristen) der Mendelssohnschen Bibelübersetzung: Salomo Dubno (1738-1815), Herz Homberg (1749-1841), Hartwig Wessely (1725-1805), der in poetischen und popularphilosophischen Arbeiten die hebräische Sprache meisterhaft verwandte; dann David Friedländer, Isak Euchel (1756-1804), Aaron Wolfsohn (1756-1835), B. Lindau (1757-1849), L. Bendavid (gest. 1822), Isak Satanow (1732 bis 1805) und Salomo Maimon (s. d.); ferner aus dem 19. Jahrh. Bensew, Pappenheim, Jeiteles, Schalom Cohen, Joel Löwe, Simon Bondi, Johlsohn, Löwisohn, Heidenheim (s. d.), Fürstenthal u. a. Eine wissenschaftliche Erkenntnis der jüdischen Litteratur und Geschichte begründeten L. Zunz (s. d.) und S. J. ^[Salomo Jehuda] Rapoport (s. d.), neben denen wir den scharfsinnigen Kritiker N. Krochmal nennen müssen. Die neuern jüdischen Gelehrten sind, sobald ihrer Thätigkeit ein größerer Einfluß zu danken ist, meistens in besondern Artikeln gewürdigt worden, und es möge hier ein Verzeichnis derselben genügen: S. D. Luzzato in Padua (1800-1865), I. S. ^[Isaak Samuel] Reggio (1784-1855), Michael Sachs (1808-64), der Bibliograph Benjakob (gest. 1865), Abraham Geiger (1810-1873), A. Jellinek (geb. 1821), M. Steinschneider (geb. 1816), Zedner (1804-71), R. Kirchheim, S. Kämpf, J. H. ^[Joshua Heschel] Schorr, F. Lebrecht; besondere Thätigkeit entfalteten für jüdische Geschichte: Jost, L. Herzfeld, Selig und David Cassel, M. Wiener, H. Grätz, Kayserling, Wolf, M. H. Friedländer; für Archäologie: Krochmal, Z. Frankel, M. A. Levy, Lob (gest. 1875); für Religionsphilosophie und deren Geschichte: S. Munk, Adolphe Franck, Freudenthal, D. Kaufmann, Sam. Hirsch, Bernays, M. Joel, Güdemann; für Bibelübersetzung und -Erklärung sowie für Geschichte der Exegese: (unter Redaktion Zunz') Arnheim, Sachs, Fürst; Johlson, G. Salomon, S. Herxheimer, L. Philippson, Cohen, J. ^[Julius] Fürst, S. R. Hirsch, Benamozegh, Rosin, J. S. ^[Josef Samuel] Bloch, L. J. ^[Leon Joseph] Mandelstamm, M. Friedländer (die Apokryphen übersetzten Gutmann, D. Cassel), Frankel, Perles, Rahmer (Vulgata), Kohn (samaritanische Übersetzung), A. Brüll (samaritanische Übersetzung), Kohut (über die persische Übersetzung); für Bibliographie: Steinschneider, Zedner, Benjakob, Neubauer, Roest, Schiller-Szinessy; für jüdische Litteraturgeschichte im allgemeinen: Bacher, A. Berliner, Carmoly, D. Cassel, Derenbourg, Dukes, D. Hoffmann, Leop. Löw, M. C. Mortara, Jakob Reifmann; für Homiletik, als Prediger: Salomon, Kley, Mannheimer, Philippson, Sachs, Holdheim, A. A. Wolff, Leop. Stein, Jellinek, David Einhorn, Adolf Schwarz u. a., für Massora: Baer, Frensdorff; für Kenntnis des Midrasch und Talmuds: Jakob Brüll, M. Friedmann, I. H. ^[Isaac Hirsch] Weis, Kohut, Levy, M. Lattes, S. B. Bamberger, Bergel, M. Bloch, Duschak, Fassel, J. ^[Jacob] Hamburger, H. Hirschfeld, R. N. und I. M. ^[Israel-Michel] Rabbinowicz, M. Schwab u. a.; für Numismatik: M. A. Levy, Zuckermann, Merzbacher; für Kalenderwesen: Levysohn, Schwarz, Zuckermann; für Pädagogik: Jakob Auerbach, Büdinger, Herxheimer; für synagogale Musik und Gesang: Sulzer, Lewandowsky, Naumbourg, Weintraub, Deutsch, Friedmann u. a.; für Herausgabe älterer Werke der jüdischen Litteratur: Bril, Buber, Goldberg, Halberstamm u. a.; für künstlerische Bearbeitung des jüdischen Lebens die Novellisten Berth. Auerbach, L. A. Frankl, L. Kompert, A. Bernstein, S. Kohn u. als Maler der geniale Darsteller des altjüdischen Familienlebens, M. Oppenheim (gest. 1882), u. a.

[Zeitschriften, Vereine etc.] Viel Beachtenswertes erschien in den jüdischen Zeitschriften. Der hebräischen Zeitschrift "Meassef" (1783-1811, mit Unterbrechungen) aus der Mendelssohnschen Zeit, der 1823 unter Redaktion Zunz' herausgegebenen "Zeitschrift des Vereins für Kultur und Wissenschaft der Juden" (nur ein Jahrgang) folgten später: "Sulamith" von Fränkel (1804 ff.), "Jedidja", "Zionswächter", "Der Jude" von Gabriel Riesser in deutscher, die "Bikkure haittim" (1820-31), "Kerem chemed" (1833-43, 1854-56), "Kochbe jizchak", "Ozarnechmad", Kobacks "Jeschurun", "Hamagid" (seit 1856), "Ha-ibri" (seit 1864), "Ha-zefira" (seit 1872), "Ha-mebasser", "Ha-karmel", "Ha-meliz", "Ha-Lebanon", "Chabazelet", "He-chaluz" von Schorr u. v. a. (vgl. Lippe, Bibliographisches Lexikon, S. 662) in hebräischer Sprache. Josts "Israelitische Annalen" (Frankf. 1840-42), Fürsts "Orient" (Leipz. 1840-52), Philippsons "Zeitung des Judentums" (das., seit 1837), Löws "Ben chananja" (Szegedin), Szántos "Neuzeit" (Wien), Lehmanns "Israelit" (Mainz), Rahmers "Israelitische Wochenschrift" (Magdeb., seit 1870), "Die jüdische Presse" (Berl.) widmen auch dem Litterarischen ihre Aufmerksamkeit. Der jüdischen Wissenschaft ausschließlich dienen ferner: Geigers "Wissenschaftliche Zeitschrift" (1835-43) und "Jüdische Zeitschrift" (Bresl. 1862-72), Steinschneiders "Hebräische Bibliographie" (Berl. 1858 ff.), Frankels "Zeitschrift für die religiösen Interessen etc." (das. 1844-46) und dessen jetzt von Grätz herausgegebene "Monatsschrift" (Bresl. 1851 ff.) sowie das "Jüdische Litteraturblatt" von Rahmer (Beilage zum "Wochenblatt"), "Das Magazin für jüdische Geschichte und Litteratur" von Berliner (Berl. 1874 ff.), die "Jahrbücher für die Geschichte und Litteratur des Judentums" von Nehem. Brüll (Frankf. a. M. 1874 ff.), die "Populärwissenschaftlichen Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum" von Ad. Brüll (das. 1881 ff.) und die hebräische Monatsschrift "Bet talmud" für rabbinische Litteratur und Geschichte von Weis und Friedmann (Wien 1881 ff.). Jüdische Zeitschriften erscheinen außerdem in jüdisch-deutscher, französischer, englischer, italienischer, holländischer, russischer, polnischer und spanischer Sprache.

Zur Förderung jüdischer Wissenschaft u. Litteratur wirkten und wirken jetzt noch verschiedene Vereine: der Verein Mekize nirdamim für Herausgabe alter Litteraturwerke, der von L. Philippson gegründete, von Rahmer fortgeführte, jetzt eingegangene Litteraturverein, der Verein Afike Jehuda in Prag, die Society of hebrew literature in London und die Société des études juives in Paris. Pflanzstätten eröffneten sich der jüdischen Litteratur in den Seminaren zur Ausbildung von Rabbinern (s. Rabbiner). Auch in nichtjüdischen Kreisen ist in neuester Zeit die j. L. mehr gewürdigt worden, was die Errichtung von Lehrstühlen für dieselbe an einzelnen Universitäten und die Publikationen christlicher Gelehrten (wie von Delitzsch, Renan, Wünsche, Siegfried, Schleiden,