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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jura, Schweizer; Juraformation

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Jura, Schweizer - Juraformation.

Jura, Schweizer, s. Jura, S. 325 f.

Juraformation (oft bloß Jura, nach dem gleichnamigen Gebirge so genannt, Oolithgebirge, Terrains jurassiques, Oolite; hierzu die Tafeln "Juraformation I u. II"), Schichtensystem, von den Gesteinen der Triasformation unterteuft und von denen der Kreideformation überlagert, oft aber bloß zur Bezeichnung der obern beiden Abteilungen der Formation gebraucht, denen dann der Lias (eigentlich Leias zu sprechen, doch vollkommen germanisiert) als selbständige Formation gegenübergestellt wird. Die Abgrenzung nach unten gegen Keuper ebenso wie nach oben gegen Kreide unterliegt sehr verschiedener Auffassung, insofern als die in unsrer Übersicht (vgl. Geologische Formation) als selbständige Zwischenbildung behandelte rätische Formation von andern als Infralias dem Jura zugezählt oder von noch andern zum Keuper gerechnet wird, und insofern als man die Wealdenformation, die Zwischenformation zwischen Jura und Kreide, oft in zwei Teile trennt, deren untern, die Purbeckschichten, man dann zum Jura, deren obern, die Wealdenbildung im engern Sinn, zur untern Kreide zieht. Von Gesteinen beteiligen sich an der Zusammensetzung der Juraschichten hervorragend Kalksteine, oft von oolithischer Struktur oder organogen (namentlich Scyphien- und Korallenkalke), sehr häufig mit Dolomiten eng verknüpft. Höhlenbildungen (Höhlenkalk, z. B. in der Fränkischen Schweiz und Schwäbischen Alb) und groteske Bergformen als Resultat der Erosion sind hier wie in andern Formationen an das gleichzeitige Vorkommen rein kalkigen und dolomitischen Gesteinsmaterials gebunden. Ferner treten Thone, Schieferthone, Mergel (letztere oft schieferig und mit organischer Substanz übermengt, sogen. Brandschiefer, mitunter in den eigentümlichen Formen des Tutenmergels) und Sandsteine auf, während gröbere Trümmergesteine fast gänzlich fehlen. In einzelnen Etagen finden sich noch Eisenerze (Sphärosiderite und Oolithe) und ganz untergeordnet auch Steinkohlen eingelagert.

Hinsichtlich der Gliederung der Schichten, deren Lagerung meist eine sehr regelmäßige und nur selten durch Verwerfungen und Faltungen bis zur Überkippung gestörte ist (Alpen, Juragebirge, Harz), läßt sich zunächst überall eine Dreiteilung nachweisen in (von unten nach oben) Lias, Dogger und Malm (in Schwaben nach den dort den einzelnen Etagen vorwiegend zukommenden Farben: schwarzer, brauner und weißer Jura genannt), wobei von vielen Geologen (wie schon oben angedeutet) der Lias dem Jura im engern Sinn (Dogger und Malm umfassend) entgegengestellt wird. Des nähern teilen die schwäbischen Geologen nach Quenstedts Vorgang jede der drei Unterformationen in sechs Etagen, je mit den sechs ersten Buchstaben (Alpha bis Zeta) des griechischen Alphabets bezeichnet. Einzelne dieser Etagen sind in andern Ländern gut nachweisbar, wobei freilich die Mächtigkeiten und damit die Wichtigkeit einzelner Schichten bei dem Gesamtaufbau der Formation sehr wechselnde sind. Am wenigsten gelingt eine Parallelisierung beim Malm, weil die in Schwaben als Zeta bezeichneten Schichten an andern Orten von noch jüngern jurassischen Bildungen überlagert werden. Speziell im Lias bilden (von unten nach oben) die Schichten mit Gryphaea arcuata (Gryphiten- oder Arcuatenkalk), diejenigen mit Ammonites planorbis (psilonotus), mit A. angulatus, mit A. Bucklandi und andern Ammoniten aus der Gruppe der Arieten (Arietenkalke), sämtlich das Alpha der Schwaben, zum Teil das Sinémurien der Franzosen, nach Sémur genannt, ferner diejenigen mit Terebratula numismalis (Gamma) sowie die mit Ammonites amaltheus oder margaritatus (Delta, Liasien) und die Posidonienschiefer samt den Schichten mit A. jurensis oder Jurensismergeln (Epsilon und Zeta, Toarcien inférieur, nach Thouars genannt) vortreffliche Horizonte zur Parallelisierung, während in der alpinen Entwickelung namentlich die roten Ammonitenkalke von Adneth, die Hierlatzschichten und die Allgäuer Schichten dem Lias entsprechen. Ähnlich wichtige Rollen als geologische Horizonte wie die eben genannten liasischen Schichten spielen im Dogger die Schichten mit A. opalinus (Alpha), mit A. Murchisonae und Pecten personatus (Beta), mit Ammonites coronatus (Coronatenkalk, Delta), mit A. macrocephalus (oberes Epsilon) und mit A. ornatus (Zeta), wobei bemerkt werden muß, daß die norddeutschen Geologen die letztgenannten Horizonte als Kelloway schon dem Malm zuzuzählen pflegen. Die Franzosen unterscheiden Toarcien supérieur (etwa Alpha und Beta), Bajocien (Gamma), Bathonien (ungefähr oberes Delta und Epsilon), von welchem neuerdings speziell für Lothringer Entwickelung eine untere Etage, Vesullien, abgetrennt worden ist, und Callovien. Wegen der häufigen Entwickelung von Oolithen bezeichnen die Engländer Dogger und Malm überhaupt als Oolite, von dem der Lower oder Bath-Oolite auf den Dogger entfällt, welcher wieder in Inferior Oolite und Great Ooolite (in die deutsche Nomenklatur als Hauptrogenstein übergegangen) zerfällt. Im Great Oolite unterscheidet man noch einmal Bath-Oolite oder Great Oolite im engern Sinn des Wortes, wohin auch die Stonesfieldschichten mit den Säugetierresten zählen, Bradfordclay mit Forestmarble und Cornbrash mit Kelloway. Der Nachweis von Doggerschichten in den Alpen ist wegen lokaler Verschiedenheit der an sich spärlichen Versteinerungen nur schwer erbringlich. Wohl sicher gehören die Aptychus Schiefer hierher. Der Malm zerfällt in Oxford und Korallien (Korallenkalk, Coralrag), in Kimmeridge und in Portland, zu welch letzterm oft die Purbeckschichten (vgl. Wealdenformation) zugezogen werden. Daß viele Geologen auch die untere Grenze des Malm tiefer legen, indem sie den Kelloway zum Malm rechnen, wurde schon oben erwähnt. Nach der schwäbischen Einteilung würde Alpha (Kalkbänke mit mächtigen Thonzwischenlagen und Terebratula impressa als Einschlüssen) dem Oxford entsprechen, Beta und Gamma dem Korallien, Delta bis Zeta dem Kimmeridge. Für Portland läßt sich in Schwaben keine Parallele auffinden. Dabei sind in fast allen Etagen von Beta bis Zeta verschiedene Facies entwickelt, so daß die gleichalterigen Schichten bald als wohlgeschichtete Kalke mit Ammoniten oder Brachiopoden, bald als Spongiten- (Scyphien-) Kalke oder als Korallenkalke (Madreporenkalke der ältern Schriftsteller), bald als Dolomite auftreten, Erscheinungen, wodurch die Parallelisierung schon für Schwaben selbst außerordentlich erschwert wird. Die oberste Schichtenreihe (Zeta) in der schwäbischen Entwickelung sind die Krebsscherenkalke, in welches Niveau auch die durch ihre Versteinerungseinschlüsse weltberühmten Schichten von Nusplingen in Württemberg und Solnhofen in Bayern gehören. Reich an der eigentümlich gestalteten Bivalve Diceras arietina (s. Tafel I) sind die dem obersten Oxford angehörigen Diceratenkalke Frankreichs und der Schweiz. Über die Stellung des sogen. Tithons in den Alpen gehen die Meinungen auseinander. Es handelt sich eben um Zwischenschichten zwischen Dogger und Kreide, welche dem außeralpinen Profil bald