Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Juragewässerkorrektion

331

Juragewässerkorrektion.

den Purbeckschichten (vgl. Wealdenformation) ist in England ein drittes solche alte Säugetierreste führendes Niveau entwickelt.

Vulkanische Gesteine gleichzeitiger Bildung sind für die deutsche J. nicht nachweisbar, wohl aber anderwärts. Wir verweisen auf das Profil von der schottischen Insel Skye, welches auf der dem Artikel "Gang" beigegebenen Tafel abgebildet ist. Ein basaltähnliches Gestein, sogen. Trapp, durchsetzt und überlagert Doggerschichten, wird aber seinerseits von Malmgesteinen überdeckt als sicherer Beweis, daß seine Eruptionszeit mitten in die Juraperiode hineinfiel. Von andern Stellen Schottlands sowie aus den Pyrenäen und aus den Rocky Mountains Nordamerikas werden für syenitisch-granitische Gesteine und für Quarzporphyre ganz ähnliche Lagerungsverhältnisse beschrieben. - Unter den technisch wichtigen Materialien, welche den Schichten der J. eingelagert sind, sind neben den Kalksteinen, welche als Baumaterial und zur Zementfabrikation dienen, in erster Linie die Eisenerze zu erwähnen, welche als Oolithe, Thoneisensteine und Sphärosiderite in verschiedenen Etagen des Lias und des Dogger (Luxemburg, Lothringen, Württemberg, Wesergebirge, Oberschlesien) vorkommen und dem Abbau unterliegen. Die mit organischen Substanzen übermengten Posidonienschiefer werden als sogen. Ölschiefer der Destillation unterworfen (Reutlingen in Württemberg), Asphalt aus Malmgesteinen (Juragebirge, Hannover) gewonnen. Steinkohle, im Lias eingelagert, ist im allgemeinen nur von geringer Bedeutung, aber doch bauwürdig bei Fünfkirchen in Ungarn sowie in Persien und China. An die dichte, dreh- und polierbare Kohle, den Gagat, die in kleinen Schmitzen im Lias vorkommt, hat sich in England und Württemberg eine Industrie zur Herstellung von Schmuckgegenständen angeknüpft. Die vorzüglichsten Lithographiesteine, das französische Material (von Cirin) weit übertreffend, liefern die Solnhofener Schiefer (Kimmeridge).

Vgl. L. v. Buch, Über den Jura in Deutschland (Berl. 1839); Römer, Versteinerungen des norddeutschen Oolithengebirges (Hannov. 1836, mit Nachtrag 1839); Quenstedt, Der Jura (Tübing. 1858); Oppel, Die J. Englands, Frankreichs und des südwestlichen Deutschland (Stuttg. 1856-58); v. Seebach, Der hannoversche Jura (Berl. 1864); Brauns, Der mittlere (Kassel 1869), untere (Braunschw. 1871) und obere (das. 1874) Jura im nordwestlichen Deutschland; v. Ammon, Die Juraablagerungen zwischen Regensburg und Passau (Münch. 1875); Engel, Der weiße Jura in Schwaben (Stuttg. 1877); Brauns, Der untere Dogger Deutsch-Lothringens (Straßb. 1879); Philipps, Geology of Yorkshire, Bd. 1 (Lond. 1829), und d'Orbigny, Paléontologie française, terrains jurassiques (Par. 1842-60, 2 Bde. mit Atlas).

Juragewässerkorrektion, eine technische Leistung neuester Zeit, welche sich die Aufgabe gestellt hat, die zwischen dem Neuenburger, Bieler und Murtner See, der Broye, Zihl (Thièle) und Aare ausgebreitete Ebene des Berner Seelandes zu entsumpfen. Noch zur Römerzeit ein fruchtbares Gebiet, muß das Gelände, wahrscheinlich durch die Wirkung des von der Emme in die Aare vorgeschobenen Schuttkegels, versumpft, vielleicht eine Zeitlang zum förmlichen See geworden sein. Ein Durchbruch, welcher (unbekannt wann) im Aaredamm bei Solothurn entstand, genügte zwar, den seichten Landsee abzulassen; aber die andauernde Geschiebeablagerung und die fortschreitende Torfbildung wirkten zusammen, um mehr und mehr das ganze Gebiet zu gefährden. Das Übel hatte seine Ursache sowohl in der Aare, namentlich in deren Zuflüssen Saane und Sense, als in den eigentlichen "Juragewässern". Erstere, welche als Rinnsale eines bedeutenden Berggebiets direkt, ohne sich in Seebecken zu läutern, in das Flachland hinausstürzen, veranlaßten von Aarberg abwärts umfangreiche Überschwemmungen, so daß infolge der Geschiebeablagerung ein sehr unregelmäßiges, für die Anwohner immer gefährlicher werdendes Flußbett sich bildete. Anderseits führten die Juraflüsse Orbe und Broye bei Hochwasser dem Neuenburger und Murtensee viel mehr Wasser zu, als die Abflüsse, die untere Broye und die mittlere Zihl, zu fassen vermochten; ebensowenig reichte der Abfluß des Bieler Sees, die untere Zihl, für die Wassermasse aus. Wenn also schon bei gewöhnlichem Wasserstand die anliegenden Ebenen als versumpfte Flächen erschienen, so setzten 1-2 m Steigung das Land stundenweit unter Wasser. Die Hochwasser der Flüsse bedrohten über 2000 Hektar Land mit Verheerung, und die Wasserstände der Seen veranlaßten die Versumpfung von gegen 16,000 Hektar. Die Anstrengungen, das Übel zu beseitigen, datieren von 1670 an; doch abgesehen von dem 2,2 km langen Kanal, durch welchen 1824 die Suze in den Bieler See geleitet wurde, blieb es bei Projekten. Erst 1842 trat La Nicca, Oberingenieur des Kantons Graubünden, mit dem Plan hervor, durch einen Kanal Aarberg-Hagneck die Aare in den Bieler See zu führen, dem vereinigten Abfluß Aare-Zihl einen neuen und erweiterten Kanal bis Büren zu geben und im Sinn früherer Vorschläge auch die untere Broye und die mittlere Zihl zu korrigieren. Er rechnete auf eine Seesenkung von 2,9 m für den niedrigsten und 0,7 m für den höchsten Wasserstand. Als nach den politischen Wirren der Jahre 1843-45 Bern die Frage wieder aufnahm (1847), ergab eine Vermessung des Inundationsgebiets ein Areal von 24,488,6 Hektar beteiligten oder zu gewinnenden Bodens. Nachdem 1867 die beteiligten Kantone endlich eine Subvention zugesagt hatten, begann der Bund die Korrektion nach La Niccas Plan, der jedoch dahin abgeändert war, daß, um allzu große Schwankungen im Wasserstand des Bieler Sees zu vermeiden, von Aarberg aus nur die normale Aare in den Bieler See geleitet, bei Hochwassern jedoch der Überschuß im alten Aarebett direkt weitergeführt werde. Die Ausführung wurde unter Oberaufsicht des Bundes unter die Kantone in der Art verteilt, daß Bern die Kanäle Nidau-Buren und Aarberg-Hagneck, Solothurn die Aarekorrektion Büren-Attisholz, die obern drei Kantone die Korrektion der untern Broye und der mittlern Zihl übernahmen. Die Dauer der Arbeiten wurde, allerdings viel zu kurz, auf 10 Jahre veranschlagt. Zu den Kosten des gesamten Unternehmens, die auf 14 Mill. Frank für die Entsumpfungsarbeiten, 1 Mill. für Hafen- und Uferbauten geschätzt wurden, trägt der Bund ein Drittel bei. Die Unterhaltung der hergestellten Arbeiten fällt den Kantonen zu. Die Arbeiten an dem 9 km langen Aare-Zihlkanal Nidau-Meienried (bei Büren), im Dezember 1868 begonnen, waren bis 1883 im wesentlichen vollendet; die Fortsetzung von Meienried nach Büren (2½ km lang) wurde erst 1882 in Angriff genommen. Wegen verzögerter Expropriation begann die Ausführung des Aarberg-Hagneckkanals erst im April 1874, ebenso die obere Korrektion, während die Korrektion der Strecke Solothurn-Attisholz sich noch länger verzögert hat. Nach Vollendung des großen Einschnitts bei Hagneck war die Kanallinie Aarberg-Hagneck bis