Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Käfernburg; Käferschnecken; Käferthal; Kaffa

354

Käfernburg - Kaffa.

einigen jedoch zu einer großen, in der Brust gelegenen Nervenmasse zusammengezogen. Der Darmkanal ist in der Regel lang und gewunden. Die Zahl der Nierenschläuche (Malpighischen Gefäße) beträgt vier oder sechs. Die Männchen besitzen ein sehr großes, horniges Begattungsorgan, welches in der Ruhe in den Hinterleib zurückgezogen ist. Die Begattung dauert oft tagelang. Die Larven sind entweder fußlos, oder besitzen außer den drei Fußpaaren noch Stummel an den letzten Hinterleibsringen; sie leben meist sehr verborgen, vom Licht abgeschlossen (daher fast immer farblos) und nähren sich von lebenden oder toten Stoffen aus dem Tier- und Pflanzenreich, von Exkrementen etc. Häufig nimmt der K. dieselbe Nahrung zu sich wie seine Larve; bisweilen aber lebt er von Blütenteilen, während die Larve karnivor ist. Mehrere Larven leben als Schmarotzer im Innern der Bienenwohnungen von Eiern und Honig. Die Puppen der K. lassen die Gliedmaßen frei hervorstehen. - Die Zahl der bis jetzt bekannten Arten beläuft sich wohl auf 80,000, wovon der größere Teil auf kleine, unscheinbare Formen kommt. Ihre geographische Verbreitung ist eine ganz allgemeine, indem sowohl Fleisch- als Pflanzenfresser mit den äußersten Grenzen der Vegetation in horizontaler und vertikaler Richtung gleichen Schritt halten. Fossile K. finden sich schon in der Steinkohle (s. die Abbildung der Flügeldecken auf Tafel "Steinkohlenformation I"). - Die Einteilung der K. ausschließlich nach der Zahl der Tarsenglieder ist in neuerer Zeit zu gunsten einer natürlichern (auf Grund des Flügelgeäders etc.) aufgegeben worden. Man unterscheidet nach derselben eine sehr große Anzahl von Familien, über deren verwandtschaftliche Beziehungen man indessen bei weitem nicht überall im klaren ist. Wichtig sind folgende: I. Marienkäfer (Coccinellidae; Tarsen kryptotetramer, d. h. aus drei großen und einem unscheinbaren Glied zusammengesetzt). II. Samenkäfer (Bruchidae), Rüsselkäfer (Curculionidae), Borkenkäfer (Bostrichildae), Bockkäfer (Longicornia oder Cerambycidae), Blattkäfer (Chrysomelidae), alle diese kryptopentamer, d. h. mit vier deutlichen und einem undeutlichen Tarsenglied versehen. III. Tenebrionen (Melasomata oder Tenebrionidae), Blasenkäfer (Vesicantia oder Meloidae), diese u. a. mit fünf und vier Tarsengliedern. IV. Laufkäfer (Carabidae), Wasserkäfer (Dytiscidae), Kurzflügler (Staphylinidae), Aaskäfer (Silphidae), Glanzkäfer (Nitidulidae), Speckkäfer (Dermestidae), Blatthornkäfer (Lamellicornia, eine umfangreiche Gruppe), Prachtkäfer (Buprestidae), Schnellkäfer (Elateridae), Weichkäfer (Malacodermata), Klopfkäfer (Xylophaga), alle diese vorwiegend mit fünf Tarsengliedern.

Vgl. Fabricius, Systema Eleutheratorum (Kiel 1801, 2 Bde.); Olivier, Entomologie etc.; Coléoptères (Par. 1789-1808, 8 Bde.); Herbst, Die K. (in Jablonskys "Natursystem aller bekannten Insekten", Berl. 1789-1806, 10 Bde.); Erichson, Naturgeschichte der Insekten Deutschlands, 1. Abt.; K. (das. 1845-60, 4 Bde.); Lacordaire, Genera des Coléoptères (Par. 1854-59, 5 Bde.); Redtenbacher, Fauna austriaca: Die K. (2. Aufl., Wien 1858); Gemminger und Harold, Catalogus Coleopterorum hucusque descriptorum (Münch. 1868-76, 12 Bde.); Sturm, Deutschlands K. (Nürnb. 1805-1857, 23 Bde. mit 424 kolorierten Kupfertafeln); Roger, Flügelgeäder der K. (Erlang. 1875); Stein und Weise, Catalogus Coleopterorum Europae (2. Aufl., Berl. 1877); Sturm, Icones Coleopterorum Germaniae, Register (das. 1878); Caliver, Käferbuch (4. Aufl., Stuttg. 1883).

Käfernburg, im Mittelalter eine thüring. Grafschaft, die gegenwärtig einen Teil des schwarzburg-sondershausenschen Amtes Arnstadt bildet. Von dem ehemaligen Schloß K. in der Nähe von Arnstadt sind jetzt nur noch Mauerreste vorhanden. Die Grafen von K. waren eine Seitenlinie der Grafen von Schwarzburg (s. d.) und stammten von Günther III. ab, der 1169 die Grafschaft K. erhielt. Während sein ältester Sohn, Heinrich IV., in Schwarzburg folgte, setzte der jüngere, Günther IV., das Geschlecht in K. fort. Dasselbe erlosch 1385 mit Günther XV., der auf einer Reise ins Gelobte Land starb. Das Besitztum kam zunächst an die Landgrafen von Thüringen, 1446 an Schwarzburg.

Käferschnecken (Chitonidae Guild., Placophora Gegenb.), eine kleine Gruppe von Schnecken, die früher allgemein zu den Vorderkiemern gestellt wurde, gegenwärtig jedoch wegen der bedeutenden Verschiedenheiten in Bau und Entwickelung von ihnen getrennt und selbständig gemacht wird. Einige betrachten sie als Übergangsform von gegliederten Würmern zu den Mollusken und stellen sie wohl gar allen andern Weichtieren gegenüber. Was sie auszeichnet, ist der Mangel einer eigentlichen Schale und ihr Ersatz durch acht hintereinander liegende Kalkplatten, welche es dem Tier ermöglichen, sich zusammenzukugeln. Augen und Fühler fehlen, dagegen ist die charakteristische Zunge (Radula) mit ihren Tausenden von Reibzähnen vorhanden. Der Mund liegt am vordern, After und Herz am hintern Körperende. Die K. sind getrenntgeschlechtig. Die Eier werden meist in das Wasser abgelegt; der in ihnen sich entwickelnde Embryo erhält deutliche Augen, die sich später rückbilden, erlangt aber nicht die Larvenschale und das Wimpersegel, welche die frei schwimmenden Larven der echten Mollusken in der frühsten Jugend stets vorübergehend besitzen, sondern bewegt sich wie Wurmlarven vermittelst eines Wimperringes fort. Die K. sind Bewohner aller Meere; ihre hauptsächlichste Gattung (mit zahlreichen Arten) ist Chiton L. Fossil findet sich diese bereits im Silur.

Käferthal, Dorf im bad. Kreis und Amt Mannheim, an der Linie Frankfurt a. M.-Mannheim-Heidelberg der Badischen Staatsbahn, hat eine kath. Pfarrkirche, eine Spiegelfabrik, Chinin-, Anilin-, Malz- und Knopffabrikation, Tabaksbau und (1885) 4928 Einw. Hier 15. und 16. Juni 1849 Treffen zwischen den badischen Insurgenten und den Reichstruppen.

Kaffa, Landschaft im östlichen Afrika, der südlichste Zipfel des abessinischen Hochlandes, von den Galla Sidama, d. h. Christen, genannt, wird vom Godscheb, Gumu u. a. bewässert, welche den Daiva oder Webi, den vermutlichen Oberlauf des Dschubb, bilden. Große Waldungen von Kaffeebäumen, woher das Land den Namen erhalten hat, bedecken das Innere, welches reich an Zibet und Elfenbein ist. Die Einwohner (Kaffetschô) sind Gonga, haben einen europäischen Gesichtstypus, aber dunkle Hautfarbe und bekennen sich zur Religion des Deol und dem abessinischen Christentum. Jährlich werden in K. ca. 7000 Sklaven verkauft. Hauptstadt des in vier Provinzen geteilten Reichs ist Konga, etwas südlich von Godscheb. Politisch untersteht K. heute dem König von Schoa, obwohl es bis in die jüngste Zeit ein selbständiges Kaisertum gebildet hat. Erforscht wurde das Land von den Brüdern d'Abbadie, Soleillet, Léon des Avancher und Cecchi.

Kaffa, Stadt, s. Feodosia.