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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalavryta; Kalb; Kalbe; Kalbeck; Kalbefieber

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Kalavryta - Kalbefieber.

Kalavryta, Stadt im griech. Nomos Achaia und Elis, am Nordabhang des Chelmos, Sitz eines Bischofs, mit (1879) 1062 Einw. Berühmt sind die hier verfertigten Käse. Über der Stadt die Ruinen einer fränkischen Citadelle, vielleicht das alte Kynätha.

Kalb, das Junge mehrerer großer Säugetiere, wie des Rotwildes (Cervus), besonders aber des Rindviehs (Bos), bis es ein Jahr alt ist.

Kalb, 1) Johann, Baron von, nordamerikan. General, geb. 29. Juni 1721 zu Hüttendorf bei Erlangen, Sohn eines Bauern, ward erst Kellner, trat dann als Jean de K. in das in französischem Dienste stehende deutsche Regiment Löwendal, ward 1743 Leutnant, 1747 Hauptmann, 1756 Major, machte den österreichischen Erbfolgekrieg und den Siebenjährigen Krieg mit, erhielt 1763 als Oberstleutnant seinen Abschied und zog sich, nachdem er sich mit einer reichen Französin verheiratet, aufs Land zurück. 1767 sandte ihn der Minister Choiseul nach Amerika, um den militärischen und politischen Zustand der dortigen englischen Besitzungen zu erkunden. Nach seiner Rückkehr entgingen ihm durch Choiseuls Sturz 1770 die verheißenen Belohnungen, und er lebte in Zurückgezogenheit auf Schloß Milon la Chapelle bei Versailles. 1777 ging er mit Lafayette nach Amerika, trat im September als Generalmajor in die Armee der aufständischen Kolonien und kämpfte an der Spitze einer Division tapfer in den Feldzügen der Jahre 1778-80. Als er 1780 unter Gates in Südcarolina einfiel, wurde er 16. Aug. in der gegen seinen Willen begonnenen Schlacht bei Camden elfmal verwundet und starb 19. Aug. 1781 in Camden. Zufolge eines Kongreßbeschlusses vom 14. Okt. 1780 wurde ihm in Annapolis ein 1884 vollendetes Ehrendenkmal errichtet, und 1825 wurde auf seinem Grab in Camden von Lafayette ein schönes Denkmal eingeweiht Vgl. Kapp, Leben des amerikanischen Generals v. K. (Stuttg. 1862; engl., New York 1884).

2) Charlotte von, geborne Marschalk von Ostheim, eine der Frauengestalten des Weimarer Dichterkreises, besonders durch ihr Verhältnis zu Schiller bekannt, geb. 25. Juli 1761 zu Waltershausen im Grabfeld, verbrachte ihre Jugend teils in Meiningen, teils in ländlicher Einsamkeit, schon damals verschlossen und äußerlich kalt, im Innern bis zum äußersten leidenschaftlich. Durch Intrigen des Weimarer Kammerpräsidenten v. Kalb (Goethes Vorgängers im Amt), welcher die Hand ihrer Schwester gleichsam erzwungen hatte und sich die Verfügung über das bedeutende Familienvermögen sichern wollte, wurde sie 1783 mit dessen Bruder, dem pfalz-zweibrückischen Major Heinrich v. K., gegen ihre Neigung vermählt und folgte diesem im Mai 1784 in die Garnisonstadt Landau. Auf der Durchreise hatte sie in Mannheim Schiller kennen gelernt und begann bald darauf, nachdem sie selbst nach Mannheim übergesiedelt war, in leidenschaftlicher Schwärmerei für den jungen Dichter zu erglühen. Von Schillers eignen damaligen Gefühlen dürften die Gedichte: "Freigeisterei der Leidenschaft" und "Resignation" Zeugnis ablegen. Im J. 1787 begab sich Schiller besonders um ihretwillen von Dresden nach Weimar, wo sie damals lebte, und eine Verbindung zwischen ihnen schien beiden nicht unmöglich. Seine spätere Verheiratung entfremdete ihn der Freundin, die nun ihre schwärmerische Neigung auf Hölderlin, damals Hofmeister ihres Sohns, übertrug. Nach Hölderlins Weggang war Jean Paul das Ideal, dem sie ihre Verehrung widmete, und von dem sie im "Titan" als die Titanide Linda poetisch verherrlicht wurde. Als 1804 ihr Mann starb, entschied sich der gänzliche Verlust ihres Vermögens, und aus den glänzenden Verhältnissen ihrer Jugendzeit versank sie mit den vorrückenden Jahren in immer tiefere Dürftigkeit. Sie lebte, verlassen und später völlig erblindet, abwechselnd in Berlin, Frankfurt, Würzburg, dann wieder in Berlin, bis sie 1820 durch die Prinzessin Marianne von Preußen gegen den empfindlichsten Mangel geschützt und mit einer Wohnung im königlichem Schloß bedacht wurde, die sie im Leben nicht mehr verließ. Sie starb 12. Mai 1843, fast 82 Jahre alt, bis zuletzt stark und klar im Geist. Als Schriftstellerin ist die geistvolle und vielseitig gebildete Frau nicht aufgetreten. In Berlin diktierte sie Erinnerungen aus ihrem Leben (nach ihrem Tod u. d. T.: "Charlotte" erschienen; neu hrsg. von Palleske, Stuttg. 1879), einzelne Gedanken und auch größere Dichtungen, von denen ihre Tochter Edda (geb. 1790, Hofdame der Prinzessin Marianne von Preußen, gestorben im Februar 1874) den an persönlichen Zügen reichen Roman "Cornelia" veröffentlichte. Ihre "Briefe an Jean Paul und seine Gattin" gab Nerrlich (Berl. 1882) heraus. Vgl. E. Köpke, Charlotte v. K. und ihre Beziehungen zu Schiller und Goethe (Berl. 1852); Sauppe, Charlotte v. K. (im "Weimarischen Jahrbuch", Bd. 1).

Kalbe (Färse), einjähriges Kalb, s. Rind.

Kalbe (Calbe), 1) K. an der Saale, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, an der Saale und an den Linien Berlin-Blankenheim und K.-Grizehne der Preußischen Staatsbahn, hat ein Schloß, eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Wollspinnerei, Tuch-, Wollwaren-, Papier- und Zuckerfabrikation, Müllerei, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Bergbau auf Braunkohlen, Gurken- und Zwiebelbau und (1885) 8850, mit den unmittelbar anstoßenden Ortschaften Bernburger Vorstadt, Schloßvorstadt und Domäne K. 11,281 meist evang. Einwohner. - 2) K. an der Milde, Stadt daselbst, Kreis Salzwedel, an der Milde, hat ein Amtsgericht, Hopfen- und Tabaksbau, Bierbrauerei und (1885) 1804 evang. Einwohner.

Kalbeck, Max, Dichter und Schriftsteller, geb. 4. Jan. 1850 zu Breslau, studierte 1869-72 daselbst besonders Kunst- und Litteraturgeschichte, ging 1872 nach München, wo er seine Studien fortsetzte, war darauf seit 1874 in seiner Vaterstadt als Musik- und Kunstreferent journalistisch und eine Zeitlang auch als Archivar am schlesischen Provinzialmuseum thätig. 1879 ging er als Mitredakteur der "Wiener Allgemeinen Zeitung" nach Wien und ist seit 1883 daselbst als Musikkritiker der "Presse" thätig. K. veröffentlichte mehrere Sammlungen lyrischer Dichtungen, welche als Zeichen eines ungewöhnlichen Talents allgemein eine freundliche Aufnahme gefunden haben: "Aus Natur und Leben" (Bresl. 1870, 2. Aufl. 1872); "Neue Dichtungen" (das. 1872); "Wintergrün", Epigramme (das. 1872); "Nächte" (2. Aufl., Berl. 1880); "Zur Dämmerzeit" (Leipz. 1881). Außerdem schrieb er: "Bühnenfestspiel zu Baireuth" (3. Aufl., Bresl. 1882), "Neue Beiträge zur Biographie des Dichters Joh. Christ. Günther" (Leipz. 1879), "Richard Wagners Parsifal" (das. 1882), "Wiener Opernabende" (Wien 1885) und gab "Ein deutsches Dichterbuch", aus Originalbeiträgen deutscher Dichter (Stuttg. 1874), heraus.

Kalbefieber (Gebärfieber), eine bei Kühen innerhalb der ersten vier Tage nach dem Gebären, selten auch schon einen Tag vor dem Gebären vorkommende Krankheit, welche sich vorzugsweise durch Lähmung