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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalifornienholz; Kalifornischer Meerbusen; Kaliglimmer; Kalihari

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Kalifornien (mexikanisches Territorium) - Kalihari.

73 Mill. Rohmaterial, einen Wert von 116 Mill. Doll. Dem Wert nach stehen Mehl, Fleischwaren, Zucker und Leder obenan, aber nach der Zahl der Arbeiter geordnet, gab es 176 Tabak- und Zigarrenfabriken (3551 Arb.), 251 Sägemühlen (3434 Arb.), 81 Stiefelfabriken (2499 Arb.), 105 Gießereien u. Maschinenbauwerkstätten (2383 Arb.), 146 Fabriken von Mannskleidern (1794 Arb.) etc. Der Handel ist ausgedehnt. Drei Schienenstränge verbinden den Staat mit dem Osten, und eine Eisenbahn durchschneidet ihn von S. nach N. Die Eisenbahnen haben (1885) eine Länge von 4899 km. Der Staat besitzt (1885) 900 Seeschiffe (194 Dampfer) von 251,142 Ton. Gehalt, welche den Verkehr mit den Küsten und mit Ostasien und Australien vermitteln. Die Verfassung gibt das Wahlrecht jedem männlichen Bürger (seit 1871 auch den Negern), der 21 Jahre alt ist, 1 Jahr im Staat und 90 Tage in derselben Grafschaft, 30 Tage in Precinct gelebt hat. Indianer und Chinesen haben kein Stimmrecht. Die vollziehende Gewalt liegt in den Händen eines Governors, welcher, ebenso wie der Lieutenant-Governor, Schatzmeister, Staatskontrolleur und Staatsanwalt, auf vier Jahre vom Volk gewählt wird. Die gesetzgebende Gewalt wird ausgeübt von einem Senat und einer Assembly. Die 40 Senatoren werden auf vier Jahre, die 80 Abgeordneten auf zwei Jahre gewählt. Die richterliche Gewalt wird von einem Obergericht (7 Mitglieder), Kreis- und Grafschaftsgerichten ausgeübt. Die Richter werden vom Volk auf 4, 6 oder 12 Jahre gewählt. Die Finanzen des Staats sind jetzt in geordnetem Zustand. Die Staatseinnahmen waren 1883-84: 4,678,912 Doll.; Staatsschuld 3,203,500 Doll. Die Gemeindeschulden beliefen sich schon 1880 auf 13½ Mill. Doll. Sitz der Regierung ist Sacramento.

Geschichte. Bei den Spaniern hieß der jetzige Staat K. Alta California ("Oberkalifornien"), zum Unterschied von der Halbinsel Niederkalifornien (s. unten). Die Küste wurde im Lauf des 16. Jahrh. entdeckt, aber erst 1768 gründeten die Spanier im Gebiet des heutigen Staats die erste Niederlassung und zwar durch Missionäre. Die Befreiung Mexikos von der spanischen Herrschaft übte vorerst keinen Einfluß auf die blühenden Missionsstationen aus, bis 1833 die republikanische Regierung deren "Säkularisation" dekretierte und eine Zivilverwaltung für dieselben ins Leben rief. Von da an datiert ihr Verfall. Die Missionäre weigerten sich, einer republikanischen Regierung zu huldigen; sie verließen das Land; und die von ihnen bekehrten Indianer fielen allmählich wieder in ihre alte Barbarei zurück. Die Regierung von Mexiko that nichts für das Land, Anarchie herrschte, und die Ansicht, daß das Wohl desselben die Trennung von Mexiko und den Anschluß an einen andern Staat erheische, erfreute sich der allgemeinen Zustimmung. In diesem Sinn sprach sich auch eine 1846 nach Monterey, der damaligen Hauptstadt, einberufene Junta aus; nur war man unentschieden darüber, ob dem Anschluß an die Vereinigten Staaten oder an einen europäischen Staat der Vorzug gebühre. Die Entscheidung darüber wurde indes den in K. ansässigen Spaniern von der Regierung der Vereinigten Staaten nicht überlassen. Fast gleichzeitig erschienen in K. 1846 Fremonts "Forschungsexpedition" und ein Geschwader von Kriegsschiffen; die im Land bereits ansässigen Amerikaner griffen zu den Waffen, überwältigten mit Hilfe amerikanischer Truppen den Widerstand der Kalifornien und das Gebiet von Oberkalifornien wurde durch den Frieden von Guadalupe Hidalgo 2. Febr. 1848 gegen eine Entschädigung von 15 Mill. Doll. von Mexiko an die Vereinigten Staaten abgetreten, während Niederkalifornien bei Mexiko verblieb. Die Frage, ob K. ein Sklavenstaat oder ein freier Staat werden solle, wurde durch die Bevölkerung selbst im letztern Sinn entschieden. Ohne je eine Territorialregierung gehabt zu haben, trat K. 9. Sept. 1850 als Staat in die Union ein. Vgl. R. v. Schlagintweit, K., Land und Leute (Leipz. 1871); Hittell, Resources of California (6. Aufl., San Francisco 1874); Derselbe, Handbook of Pacific coast travel (das. 1885); Nordhoff, California for health, pleasure and residence (neue Ausg. 1887); Donnat, L'État de Californie (Par. 1878); Hittel, History of California (das. 1886, 2 Bde.); Royce, History of California (Boston 1886); Kirchhoff, Kalifornische Kulturbilder (Kassel 1886).

2) Das mexikanische Niederkalifornien.

Niederkalifornien (span. Baja California, s. Karte "Mexiko"), die große, noch jetzt ein mexikan. Territorium bildende Halbinsel zwischen dem Golf von K. und dem Stillen Ozean, die (22° 52'-32° 40' nördl. Br.) im S. in das Kap San Lucas ausläuft, im N. von dem Unionsstaat K. und dem Rio Colorado begrenzt wird und ein Areal von 155,200 qkm (2819 QM.) umfaßt. Der Kalifornische Meerbusen, auch Mar bermejo ("Purpurmeer") genannt, trennt die Halbinsel von dem mexikanischen Festland. Die Küste, namentlich im O., ist reich gegliedert, und derselben liegen zahlreiche Inseln und Inselchen vor, so daß trotz der größern Anzahl von guten Häfen die Schiffahrt stellenweise nicht ohne Gefahr ist. Das Innere ist ein kahles Gebirgsland, welches im Calamahue 2784 m, in den Tres Virgines 2153 m und in der den äußersten Süden durchziehenden Sierra de la Victoria 1920 m Höhe erreicht. Fruchtbare Thäler, in denen die Jesuiten ihre Missionen anlegten, und wo auch unsre europäischen Cerealien gebaut werden, kommen indes auch vor. Von den wenigen und gering entwickelten Flüssen ist kein einziger schiffbar, und die meisten sind während der trocknen Jahreszeit ohne Wasser. Das Klima ist heiß und trocken, aber gesund. Die Zahl der Bewohner betrug 1882 nur 30,208, zusammengesetzt aus Indianern, Mischlingen und einer kleinen Anzahl von Weißen, Die noch sehr unzivilisierten Indianer führen ein Nomadenleben, werden aber als gutmütig und friedlich geschildert. Früher durch die Missionäre zum großen Teil zum Christentum bekehrt, sind sie gegenwärtig fast vollständig auf ihren alten Mondkultus zurückgekommen; ihre wenigen Kleidungsstücke fertigen sie aus Aloefasern. Das Land besitzt großen Mineralreichtum (Gold, Silber, Kupfer, Quecksilber, Kohlen), zu dessen Ausbeutung sich 1866 in New York eine Kompanie bildete. Indes beschäftigten die Minen 1880 erst 1646 Menschen und lieferten einen Ertrag von 480,000 Doll. Im Golf von K. ist die Perlenfischerei (jährlich etwa 10 span. Pfd. à 5000 Piaster), Korallen- u. Schwammfischerei von einigem Belang. Hauptstadt der Halbinsel, welche 1533-40 von spanischen Seefahrern entdeckt und genauer erforscht wurde, ist La Paz, an der Bai von Santa Cruz, wo Cortez 1535 landete.

Kalifornienholz, s. Rotholz.

Kalifornischer Meerbusen, Meerbusen zwischen der Halbinsel Kalifornien und den mexikanischen Staaten Sonora und Cinaloa, 1110 km lang, 96-210 km breit, enthält viele Eilande und Perlen. In ihn mündet der Rio Colorado. Vgl. Kalifornien 2).

Kaliglimmer, s. v. w. Muskovit, s. Glimmer.

Kalihari, Wüste, s. Kalahari.