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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalkül; Kalkuranit; Kalkutta

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Kalkül - Kalkutta.

Schwäbischen Alb etc.) und enthalten auch verschiedenartige Einschlüsse: die alluvialen Tuffe nur solche von lebenden Tier- und Pflanzenarten (Hirsch, Pferd, auch Mensch, Landschnecken, Bachschnecken, Blätter von unsern Waldbäumen u. dgl.), die diluvialen dagegen auf andre Lebensbedingungen hinweisende Reste. Eine Abart des Kalktuffs ist der bald schalige, bald dichte, oft durch parallele, langgezogene Blasenräume poröse Travertin, der sich besonders an den Kaskaden bei Tivoli in Italien bildet. Man benutzt K. zu Beeteinfassungen in Gärten, zu Grotten und in Aquarien. Aus Röhrenstücken zusammengesetzter K., der durch Überrindung von später verwesten Wurzeln, Schilf etc. entstanden ist, wurde früher als Beinbrech, Beinwell bei Knochenbrüchen benutzt.

Kalkül (v. lat. calculus, Steinchen, deren man sich in der ältesten Zeit beim Rechnen bediente), Berechnung, Überschlagung, auch Rechnungsmethode; im geschäftlichen und amtlichen Leben angewandt auf Voranschläge, Rentabilitätsberechnungen etc. Kalkulieren, rechnen, berechnen, eine Schlußfolge machen; Kalkulation, Berechnung; Kalkulationsbuch, das kaufmännische Buch, in welchem die Warenkalkulationen angestellt werden; Kalkulator, ein Beamter, der Voranschläge und derartige Rechnungen auszuführen oder zu prüfen hat.

Kalkuranit, s. Uranglimmer.

Kalkutta, Hauptstadt des britisch-ind. Kaiserreichs, insbesondere der Lieutenant-Governorship Niederbengalen, am linken Ufer des Hugli oder Bhagirathi, 160 km vom Golf von Bengalen, unter 22° 33' nördl. Br. und 86° östl. L. v. Gr., erstreckt sich von N. nach S. am Fluß entlang nahe an 5 km, während die Breite zwischen 2 und 3 km schwankt. Die eigentliche Stadt, vom Fluß und der Circular Road eingeschlossen, bedeckt 21 qkm; sie enthält die weit ausgedehnte Esplanade, den Maidan, Exerzierplatz für die Truppen und Promenade der eleganten Welt, auf welcher dicht an den Ufern des Hugli das große, von Clive als regelmäßiges Achteck erbaute Fort William einen Raum einnimmt, dessen Umfang 3 km mißt, das eine ganze Stadt mit Gärten sowie ein großes Arsenal einschließt, mit 619 Geschützen besetzt und für eine Besatzung von 25,000 Mann eingerichtet ist. Nach N. zu begrenzen den Maidan der Palast des Vizekönigs, das Rathaus, die Bank von Bengalen, das Generalpostamt, Zollamt, die Münze; weiter sind nennenswert die Gebäude des Gesetzgebenden Rats, der Obergerichtshof, eine Irrenanstalt, ein großes Gefängnis, Hospital, der Palast des anglikanischen Bischofs, die 27 protestantischen (darunter die St. Pauls-Kathedrale) und 8 kath. Kirchen, ein deistisches Gotteshaus (merkwürdigerweise gibt es keine orthodoxen Hindutempel.). Die Stadt hat zahlreiche Denkmäler, darunter die von Ouchterlony, Warren Hastings, Wellington, Cornwallis, Outram, Peel (das letzte in dem schönen Eden Garden, woselbst sich auch eine 1854 herübergebrachte birmanische Pagode befindet), zahlreiche Bildungsanstalten, darunter das Hindu College, University Senate House, Hare School, Presidency College, Sanskrit College, Medical College, Calcutta Madrassa, die berühmte La Martinière, die Free Institution u. a. K. besitzt einen prächtigen, 1786 gegründeten botanischen und einen zoologischen Garten, ein Museum, ist Sitz eines deutschen Konsuls, der Asiatic Society of Bengal, der Gesellschaften für Natur- und Arzneikunde, für Gartenbau, eines Handwerkerinstituts u. a.; es hat ferner Gas- und Wasserwerke, letztere am Ganges, dessen Wasser nur im Winter genießbar ist. Die Eingebornen sammeln ihr Trinkwasser freilich noch immer in über 1000 offenen, oft äußerst stark verunreinigten Teichen. Pferdebahnen (seit 1873), Droschken, Palankinträger besorgen den innern Verkehr, den äußern die South Eastern-Eisenbahn mit den beiden Häfen der Stadt Matlah (Port Canning) und Diamond Harbour, die Eastern mit Dardschiling, die East Indian über Patna mit den Nordwestprovinzen und dem übrigen Indien. Die letzte Bahn nimmt ihren Ausgang von dem sehr gewerbthätigen, am rechten Ufer des Ganges, K. gegenüberliegenden Howrah (s. d.); eine 1873 vollendete, wegen ihrer eigentümlichen Konstruktion berühmte schwimmende Brücke verbindet beide Städte. Die Zahl der Einwohner von K. betrug 1881: 684,658 Seelen, wovon 251,439 in den Vorstädten lebten. Nach der Religion unterschied man 428,692 Hindu, 221,013 Mohammedaner, 30,478 Christen, außerdem Buddhisten, Juden, Parsen u. a., nach der Nationalität 7109 Europäer (227 Deutsche, 121 Österreicher), 322 Amerikaner, 2004 nichtindische Asiaten u. a. Von der Gesamtzahl waren 436,022 männlichen und nur 248,636 weiblichen Geschlechts. Die Industrie der Stadt ist nicht bedeutend und beschränkt sich fast ganz auf Kleinindustrie; die Etablissements der Großindustrie befinden sich zumeist in dem schon genannten gegenüberliegenden Howrah. Mit Einschluß desselben zählte man 1878: 20 Jutespinnereien mit 4000 Metiers, welche 75,000 Ton. Jute verarbeiteten und 80 Mill. Säcke herstellten, und 5 Baumwollspinnereien mit 133,000 Spindeln. Großartige Etablissements besitzt der Staat in Stadt und Umgegend, darunter die große Geschützgießerei zu Kosipur. Unterstützt durch Fluß, Eisenbahnen und die Nähe des Meers, hat sich der Handel zu großartigen Verhältnissen entwickelt. 1884 bezifferte sich derselbe bei der Einfuhr auf 224,

^[Abb.: Situationsplan von Kalkutta.]