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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kalkstein; Kalksucht; Kalkthonschiefer; Kalktiegel; Kalktuff

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Kalkstein - Kalktuff.

Marmor. Strukturvarietäten sind die oolithischen Kalksteine und die Rogensteine. Durch Aufnahme von Thon geht der K. in Mergel, von Kieselerde in Kieselkalk über. Bei einer Mengung mit beiden genannten Stoffen wird der Kalk hydraulisch und bei stärkerm Zusatz derselben Zementstein (vgl. Kalkmergel). Nicht selten sind mechanische Gemenge von Kalkstein mit Dolomit, welche sich durch Essigsäure voneinander scheiden und erkennen lassen (dolomitischer Kalk). Der Kalktuff (Travertin) ist mehr ein petrographischer als ein mineralogischer Begriff (vgl. Kalktuff). Die erdigen Calcite sind von erdigem Bruch, zerreiblich und abfärbend, meist weiß, matt. Hierher gehören die Bergmilch, ein kryptokristallinisches Gemenge von Aragonit und kreideähnlichem K. mit etwas organischer Substanz, die Kreide, ein leicht zerreibliches, mager anzufühlendes Gestein, welches fast nur aus einer Zusammenhäufung mikroskopisch kleiner Schalen von Polythalamien oder Foraminiferen besteht, und der Wiesenmergel oder Alm, erdiger, mergeliger Absatz aus Kalkgerölle durchsickernden Wassern und Niederungen. Indem kohlensäurehaltige Wasser durch kalkige Gesteine hindurchsickern, nehmen sie kohlensauren Kalk auf, setzen ihn an den Wänden natürlicher Höhlen wie leerer Räume in alten Bergbauten wieder ab und bilden dann Absätze von Kalksinter (s. d.), meist von schaliger und faseriger Struktur, und Tropfsteine. Ebenso entstehen die Kalktuffe als Quellabsätze. Auch die Bergmilch ist ein Absatz aus kohlensäurehaltigem Wasser. Lager von körnigem Marmor finden sich noch im Riesengebirge, wie zu Kunzendorf u. a. O., im Fichtelgebirge (Wunsiedel), Odenwald (Auerbach), in den Alpen (Schlanders in Tirol u. a. O.), in Italien (Carrara), Griechenland. (Paros u. a. O.). Noch verbreiteter ist der Kalkstein (s. d.). Körniger K., stängeliger und faseriger K. finden sich ungemein häufig als Ausfüllungen und Auskleidungen von Klüften in Kalksteinen, der faserige Atlasstein ausgezeichnet zu Alstonmoor in Cumberland, der kristallinische K. ebenso auf Klüften und Drusenräumen in kalkigen Gesteinen, ungemein häufig aber als Begleiter der mannigfachsten Erzlagerstätten, insbesondere auf Gängen. Den seltenen Schieferspat kennt man nur von wenigen Erzlagerstätten, insbesondere von Schwarzenberg in Sachsen, Kongsberg in Norwegen, Triebisch in Böhmen, von Cornwall, Massachusetts in Nordamerika (Argentin) und wenigen andern Lokalitäten. - Sehr mannigfach ist die Verwendung des Kalkspats. Abgesehen von der oben erwähnten Verwendung des Doppelspats in der Optik, braucht man den durchscheinenden weißgelblichen Kalksinter oder sogen. Kalkalabaster zu Ornamenten, ebenso und auch zu Bildhauerarbeiten den körnigen Marmor; die Architektonik wendet auch die schön gefärbten dichten Kalksteine als gemeinen Marmor vielfach an; es werden Ornamentstücke, Tischplatten u. dgl. daraus verfertigt. Der gewöhnliche dichte Kalkstein ist ein vorzüglicher Baustein, ebenso der dichte italienische Travertin; aber selbst die porösen Abarten des Kalktuffs, zum Teil leicht zu sägen, sind nicht unbeliebt als Bausteine. Für die Dauerhaftigkeit des Kalkspats als Baumaterial sprechen die aus Nummulitenkalk erbauten Pyramiden Ägyptens, die aus Travertin erbauten Tempel und Paläste der alten Römer, wobei freilich das günstige südliche Klima zu berücksichtigen ist. Hervorragend ist die Bedeutung des Kalks für die Bereitung der Mörtel. Die verschiedensten Kalke liefern das Material für die Kalkbrennereien zu gewöhnlichem Mörtel und zur Herstellung von hydraulischem Mörtel. Die dicken Platten der Kalkschiefer von Solnhofen, welche gleichförmiges und feines Korn besitzen, benutzt man als lithographischen Stein; mit schlechten plattiert man Hausfluren etc. und fertigt Kühlschiffe aus ihnen, mit den dünnern deckt man Häuser.

Kalkstein, Gestein, welches wesentlich aus kohlensaurem Kalk besteht und grob- oder feinkörnig, dicht und oolithisch auftritt. Der körnige K. heißt Marmor (s. d.), aber auch der scheinbar dichte erweist sich unter dem Mikroskop kristallinisch, und zwar ist der kohlensaure Kalk in der Regel als Kalkspat ausgebildet. Die Farbe des Kalksteins ist sehr verschieden, der dichte K. ist meist grau oder gelblichgrau, auch blaugrau, der Marmor oft ganz weiß. Als accessorische Bestandteile finden sich im Marmor: Granat, Hornblende, Epidot, Glimmer, Spinell, Apatit, Vesuvian, Glimmer, Graphit etc., während die dichten Kalksteine äußerst arm an solchen Beimengungen zu sein pflegen, dagegen oft sehr reichlich fossile Organismen enthalten, die dem Marmor fehlen. Mancher Marmor besteht aus sehr reinem kohlensauren Kalk, andre Kalksteine gehen durch steigenden Magnesiagehalt in Dolomit, durch steigenden Thongehalt in Mergel, einige auch in Sandstein über. Stets enthalten die Kalksteine geringe Mengen in Säuren unlöslicher Substanzen, welche aus mikroskopischen Trümmern der verschiedensten Mineralsubstanzen bestehen. Kalksteine sind durch alle sedimentären Formationen verbreitet; die körnigen Kalksteine der kristallinischen Schiefer, die Kalksteinlagerungen im Devon, noch mehr der "Bergkalk", d. h. der K. der ältern (untern) Abteilung des Kohlengebirges, dann wieder der Zechstein (des obern Perm), der "Muschelkalk" der mittlern Trias, der K. des obern Jura, der Hippuritenkalk der Kreide, der tertiäre (eocäne) Nummulitenkalk, auch der Grobkalk des Pariser Beckens sind hervorzuheben. Über die Entstehung der Kalksteine sind die Ansichten noch geteilt; der kohlensaure Kalk, aus welchem sie bestehen, war sicher einmal in Lösung befindlich, ob er aber aus dieser Lösung durch physikalische Prozesse ausgeschieden wurde oder durch die Mitwirkung von Organismen, welche schwefelsauren Kalk, der im Meerwasser in erheblich größerer Menge sich findet als kohlensaurer Kalk, in Carbonat umwandelten, ist ungewiß. Jedenfalls enthält auch die an fossilen Resten reichste Kreide immer noch mehr kohlensauren Kalk, an welchem sich keine Spur von organischen Formen nachweisen läßt, als Versteinerungen. Ob indes die kleinsten Organismen, die den Kalk angeblich aus seiner Lösung ausgeschieden haben und in ihren Schalen den Tiefseeschlamm bildeten, aus welchem später der K. hervorging, durch die Kristallisation des kohlensauren Kalks für unsre Wahrnehmung verschwunden sind, muß vorläufig dahingestellt bleiben.

Kalksucht, s. Seidenspinner.

Kalkthonschiefer, s. Thonschiefer.

Kalktiegel, s. Schmelztiegel.

Kalktuff (Duckstein, Tuffstein, Süßwasserkalk), lockerer Kalkstein, welcher in süßen Gewässern abgesetzt, durch die in ihm enthaltenen Pflanzenteile sehr porös gehalten und stets das Produkt der Auslaugung von kohlensaurem Kalk aus ältern Gebirgen ist, an deren Rand sich der Tuff besonders in Thälern abgesetzt hat. Die Kalktuffe sind meist sehr jungen Ursprungs, die wichtigsten Tuffbildungen Deutschlands sind diluvial (Weimar, Kannstatt etc.) oder alluvial (Meißen, Norddeutschland im Norden des Harzes, in fast allen Teilen der