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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kandi - Kanem.

stetig an Bedeutung und sind, wie Dschulgaum, Sitz von mechanischen Baumwollspinnereien.

Kandi (Kändi, Candy), Handelsgewicht in Britisch-Ostindien, = 20 Maunds; in Französisch-Ostindien (Barre) à 20 Tolam = 234,963 kg; auf Ceylon (Bahar) = 226,8 kg oder 237,2 kg; Getreidemaß in Bombay, = 162,568 kg.

Kandi (Candy, "Berg"), Stadt im Innern der Insel Ceylon, 446 m ü. M., 115 km nordöstlich von Kolombo, mit dem es Eisenbahnverbindung hat, malerisch an einem kleinen, von Bergen umrahmten See gelegen, mit (1871) 17,406 Einw., worunter viele Europäer, die einen besondern Stadtteil bewohnen, einem noch wohlerhaltenen Tempel Buddhas, in welchem dessen angeblicher Zahn aufbewahrt wird, und spärlichen Ruinen des Palastes der hier einst residierenden singhalesischen Könige. In der Nähe der berühmte botanische Garten von Peradeniya. - Die Portugiesen nahmen 1796 K. ein, verloren es aber schon nach neun Monaten wieder an den Herrscher von Ceylon; ein englisches Detachement, das 20. Febr. 1803 Besitz von K. nahm, mußte sich 23. Juni den Singhalesen wieder ergeben. Erst Ende 1814 wurde der Krieg wieder aufgenommen und, nachdem König Wikrama in K. 19. Febr. 1815 zum Gefangenen gemacht war, Ceylon zu den britischen Besitzungen geschlagen.

Kandia (griech. Megalokastro), Hauptstadt der türk. Insel Kreta (ital. Candia), an der Nordküste nordöstlich vom Ida gelegen, hat einen (sehr versandeten) Hafen, Reste alter, von den Venezianern angelegter Befestigungen, 14 Moscheen, 2 griechische und eine armenische Kirche, ein Kapuzinerkloster, berühmte Seifensiedereien, 12,000 Einw. (meist Mohammedaner) und ist Sitz eines Paschas und eines griechischen Erzbischofs. K. liegt 4 km von der Stelle des alten Knosos entfernt, wurde im 9. Jahrh. von den Arabern angelegt, kam später in den Besitz der Griechen, dann der Venezianer und wurde 1669 von den Türken erobert.

Kandidat (lat.), bei den Römern der Bewerber um ein Amt (s. Candidatus); in den ersten Jahrhunderten des Christentums ein Neugetaufter, da ein solcher noch eine Woche lang ein weißes Gewand tragen mußte; in neuerer Zeit besonders in der protestantischen Kirche der Theolog, der nach bestandener Prüfung die Anwartschaft auf ein Predigeramt erhalten hat; dann auch allgemein ein Bewerber um irgend ein Amt. Daher Kandidatur, die Bewerbung um ein Amt; kandidieren, als K., Bewerber, auftreten.

Kandieren (franz.), Verzuckern von Gewürzen, eingemachten Wurzeln u. dgl., geschieht auf die Weise, daß man die zu kandierenden Gegenstände zwischen Drahtgittern in ein passendes Gefäß legt und eine blutwarme Lösung von reinem Zucker in Wasser, die an der Zuckerwage 34° zeigt, darüber gießt und einige Tage stehen läßt. Die Gegenstände bedecken sich in dieser Zeit mit Kristallen und werden nachher getrocknet (Kanditen). Eingemachte Sachen kann man auch immer wieder mit Zuckerpulver bepudern und an einen warmen Ort legen, bis sie endlich trocken geworden sind.

Kandiol, s. Ceratonia.

Kandioten, Bewohner der Insel Kreta (s. d.).

Kandis (Kandiszucker), s. Zucker.

Kandschar (Khandschar), s. Handschar.

Kandschur (auch Kagyur, Kangyur, genauer Bkagyur), die tibetische Übersetzung der heiligen Schriften der Buddhisten, ein Sammelwerk, 1083 Werke umfassend, die in sieben großen Gruppen und 100-108 Bänden vereinigt sind. Die Sammlung wurde zum erstenmal auf Befehl von Miwang, Regent von Lhassa (1728-46), in Narthang, einem Kloster bei Taschilhunpo (s. d.), in Holz geschnitten und gedruckt; seither ist sie auch ins Mongolische übersetzt und in dieser Sprache in Holz geschnitten und gedruckt worden. Vollständige Abzüge des K. enthalten die Bibliotheken zu Petersburg, London und Paris; einen vollständigen systematischen Index gab 1845 I. J. ^[Isaak Jacob] Schmidt im Auftrag der Akademie zu Petersburg heraus. Vgl. E. Schlagintweit, Buddhism in Tibet (Lond. 1863).

Kane (spr. kehn), Elisha Kent, berühmter nordamerikan. Reisender, geb. 3. Febr. 1820 zu Philadelphia, bildete sich auf der Pennsylvania Medical University, ging 1844 als Arzt der nordamerikanischen Gesandtschaft nach China und besuchte in wissenschaftlichem Interesse die Philippinen, Ceylon, Ostindien, Ägypten bis an die Grenze Nubiens, Südafrika und Dahomé, wo er bis Widah vordrang. Nach Amerika zurückgekehrt, nahm er 1846 am mexikanischen Krieg teil, war darauf bei der Küstenvermessung des Mexikanischen Meerbusens thätig und begleitete 1850-52 als Arzt und Naturforscher die Expedition, welche Grinnell (s. d.) in New York zur Auffindung Sir John Franklins ausgerüstet hatte. Größere Ergebnisse als die erste lieferte eine zweite Nordpolexpedition, die K. selbst befehligte. Mit dem kleinen Schiff Advance brach er 30. Mai 1853 von New York auf, erreichte von der Rensselaerbai (ca. 78½° nördl. Br.), wo das Schiff einfror, mit Schlitten im folgenden Jahr unter 82° 30' das offene Polarmeer und kehrte im Oktober 1855 nach New York zurück. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er in den Werken: "The United States Grinnell expedition" (New York 1854), "Arctic explorations" (Philadelph. 1856, 2 Bde.; neue Ausg. 1883; deutsch im Auszug, Leipz. 1857) nieder. Er starb 16. Febr. 1857 in Havana, wohin er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit gegangen war. Vgl. Elder, Elisha Kent K., a biography (Philadelph. 1857); "K., der Nordpolfahrer" (7. Aufl., Leipz. 1884).

Kanea (Chania), befestigte Stadt auf der Nordwestküste der türkischen Insel Kreta mit 10-12,000 Einw. (davon 5000 Mohammedaner). Die Stadt hat einen trefflichen Hafen mit Molo, Docks und Arsenal und ist der wichtigste Handelsplatz der Insel, zugleich Sitz eines Kaimakams und eines griechischen Bischofs. Im J. 1885 liefen 1233 Schiffe mit 154,340 Ton. ein und 1192 Schiffe mit 152,813 T. aus. Die Umgegend ist reich an Olivenbäumen. - K. ist das alte Kydonia und wurde 1669 nach zweijähriger Belagerung durch die Türken den Venezianern entrissen.

Kanel (Kaneel), ursprünglich, in der Sprache der frühern Vermittler des Gewürzhandels, der Venezianer oder Portugiesen (cannella oder canella), Bezeichnung aromatischer Rinden, jetzt sowohl für ceylonischen als auch (seltener) für chinesischen Zimt gebraucht.

Kanelbaum, s. Canella.

Kanelstein (Kaneelstein), s. Granat.

Kanem, Landschaft Innerafrikas, an die nördlichen und nordöstlichen Ufer des Tsadsees grenzend, ehemals ein blühendes selbständiges Reich bildend, nunmehr politisch zu Bornu gehörig. Das Land ist im NO. sandige Ebene mit tiefen, dicht bewaldeten Einsenkungen, im SO. sind die Thäler von außerordentlicher Schönheit und mit üppiger Vegetation bedeckt. Die etwa 100,000 Seelen starke Bevölkerung besteht aus Tibbu, Kanembu, Kanuri, Arabern u. a.; im N. führen die räuberischen Aulad Soliman (s. d.) ein Nomadenleben. Hauptort ist Mao (s. d.). Vgl. Nachtigal, Sahara und Sudân, Bd. 2 (Berl. 1881).