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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kántabrer; Kantabrisches Gebirge

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Kantabrer - Kantabrisches Gebirge.

hänger Kants machten sich außer Reinhold zuerst Joh. Schultz (durch "Erläuterungen zu Kants Kritik", Königsb. 1784, welche dessen vollen Beifall fanden), Jakob, Erhard Schmid, auf dem Gebiet der Religionsphilosophie: Heidenreich, Tieftrunk, Wegscheider u. a., auf dem der Logik: Kiesewetter, Hoffbauer, Krug, Maaß, Fries, auf dem der Psychologie: Maaß, Fries, auf dem der Ästhetik: Schiller, Bouterwek, auf dem der Geschichte der Philosophie: Tennemann, Buhle, Wendt u. a. bemerklich. Indirekt sind fast alle nach K. Philosophierenden durch ihn beeinflußt worden, indem nicht nur Fichte, der Urheber der idealistischen Richtung, sich anfänglich selbst für einen Kantianer hielt, sondern auch Herbart, der Urheber der realistischen Strömung, sich selbst einen Kantianer "vom Jahr 1828" nannte, Schopenhauer von allen seinen Vorgängern nur K. als seinen Lehrer anerkannte. Eine Geschichte der Kantschen Philosophie hat Rosenkranz im 12. Band seiner Ausgabe der Kantschen Werke geliefert. Nach der Abwendung von der Hegelschen Schule und dem Mißerfolg der positiven Philosophie Schellings kehrte das philosophische Interesse vielfach zu K. als dem ursprünglichen Ausgangspunkt der neuern deutschen Philosophie zurück, und es begann ein erneuertes, zum Teil philologisch vertieftes Studium seiner Werke. Eine Reaktion zu gunsten der Kantschen idealistischen Erkenntnistheorie ging von den Naturforschern, insbesondere von den Physiologen aus der Schule des eifrigen Verehrers Kants, Johannes Müller, aus, an welcher Helmholtz, Rokitansky, Wundt, Czermak u. a. sich beteiligten. Gegenwärtig ist das Studium, die Erläuterung und Erneuerung Kants an der Tagesordnung, wie die zahlreichen neuesten Schriften, hauptsächlich über dessen Erkenntnistheorie, von Montgomery, Cohen, Paulsen, R. Zimmermann, Stadler, Röder, Weber, Hölder, Volkelt, Thiele, Laas, Frederichs, Zeller, Pünjer, Witte u. a. und der von Vaihinger zur Säkularfeier der "Kritik der reinen Vernunft" begonnene "Kommentar" (Stuttg. 1881 ff.) beweisen. Vgl. über Kants Philosophie Chalybäus, Historische Entwickelung der spekulativen Philosophie von K. bis Hegel (Leipz. 1837, 5. Aufl. 1860); I. H. ^[Immanuel Hermann] Fichte, Beiträge zur Charakteristik der neuern Philosophie (Sulzb. 1829, 2. Aufl. 1841); Kuno Fischer, Immanuel K. (Mannh. 1860, 2 Bde.; 3. Aufl., Münch. 1883; nach Erdmanns Urteil die "beste Monographie" über K., womit jedoch das Urteil Trendelenburgs: "Kuno Fischer und sein K." und Fischers Gegenschrift: "Anti-Trendelenburg" [Jena 1870] zu vergleichen). Über seine Schule vgl. außer obigem Werk von Rosenkranz noch: Mirbt, K. und seine Nachfolger (Jena 1841, Bd. 1); K. Fischer, Die zwei Kantschen Schulen zu Jena (Stuttg. 1862); Liebmann, K. und die Epigonen (das. 1865); B. Erdmann, Kants Kritizismus in der 1. und 2. Auflage der "Kritik der reinen Vernunft" (Leipz. 1878); "Kants Reflexionen zur kritischen Philosophie", aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben von B. Erdmann (das. 1882-85, Bd. 1 u. 2); von außerdeutschen Stimmen: Villers, La philosophie de K. (Metz 1801); Cousin, Leçons sur la philosophie de K. (4. Aufl., Par. 1864); Destouit, La philosophie de K. (das. 1875); Caird, Critical account of the philosophy of K. (Lond. 1877); Adamson, Philosophy of K. (das. 1879; deutsch Leipz. 1880); Cantoni, Emanuele K. (Mail. 1879-84, 3 Bde.).

Kántabrer (Cantabri), im Altertum ein iberisches Volk im nördlichen Spanien, dessen rauhes, gebirgiges Gebiet an der Nordküste westlich von den Asturiern, östlich von den Vaskonen begrenzt wurde. Sie wurden von Augustus in dem sechsjährigen kantabrischen Krieg (25-19 v. Chr.) unterjocht. Nach ihnen wurde der Viscayische Meerbusen das Kantabrische Meer genannt.

Kantabrisches Gebirge, allgemeine Bezeichnung des Küstengebirges von Nordspanien, das, zum pyrenäischen System gehörig, am Westende der Pyrenäen, an den Ufern der Bidassoa bei Irun, beginnt und in der Richtung nach W. bis an den Fluß Navia in Asturien sich erstreckt. Man teilt das Gebirge in einen östlichen oder baskischen (oder eigentlich kantabrischen) und einen westlichen oder asturischen Zug; beide hängen mittels des Knotens der auf den Grenzen von Asturien, Altkastilien und Leon sich erhebenden Peñas de Europa miteinander zusammen und bestehen fast überall aus zwei Parallelketten, nämlich aus dem Hauptgebirgszug, welcher als die eigentliche Fortsetzung der Pyrenäenkette zu betrachten ist, und aus der viel niedrigern Küstenkette, die an vielen Stellen mit der Hauptkette in Verbindung steht, aber auch durch viele in letzterer entspringende Flüsse durchbrochen ist. Die Hauptkette teilt sich an den Quellen des Sil (in Asturien). Ein Gebirgszug, die Sierra de Rañadoiro, läuft in der Provinz Oviedo nach N. gegen das Meer hin; ein andrer stellt in nordwestlicher Richtung die Verbindung mit dem vielverzweigten Gebirgssystem Galiciens her; der Hauptzug verläuft in südwestlicher Richtung mit Übersetzung des Sil bis nach Portugal; eine südlich ziehende Kette endlich zweigt noch vor den Silquellen von der Hauptkette ab, bildet die Montañas de Leon, die Bergknoten El Teleno und Peña Negra und vereinigt sich südlich vom Sil mit der gegen Portugal verlaufenden Kette. Die kantabrisch-asturische Kette mißt in gerader Linie nahezu 600 km an Länge, erreicht ihre größte Breite (etwa 200 km) in ihrer westlichen Hälfte und zwar nach ihrer Spaltung zwischen der portugiesischen Grenze und dem Cabo de Peñas und ist in ihrer Mitte und im O. am schmälsten. Sie bildet von den Quellen des Ebro an das nördliche Randgebirge des zentralen Tafellandes der Iberischen Halbinsel, dessen nördlichen Abhang ihre Verzweigungen gänzlich bedecken, zeichnet sich durch große Zerrissenheit der meist aus nackten Felsmassen bestehenden Gipfel und Hochkämme sowie durch Steilheit ihrer Abhänge aus und erscheint daher fast überall als ein wildromantisches Gebirge. Die östliche Hälfte, welche die baskischen Provinzen Guipuzcoa und Viscaya erfüllt, ist ein höchst verwickeltes Berglabyrinth; die westliche bildet bis zu ihrer Spaltung ein ununterbrochenes Kettengebirge. Eine Eigentümlichkeit des ganzen Gebirgszugs sind die Parameros, d. h. hohe, von steilen Abhängen umgebene Plateaus, welche mehr oder weniger isoliert zwischen den Bergketten und Gipfeln liegen und je weiter nach W., desto häufiger auftreten. Die höchsten Gipfel des Hauptgebirgszugs sind: der Alto de Irumugarieta (1470 m), Monte Araz (1506 m) und die Peña de Amboto (1360 m) in Guipuzcoa, die Peña de Gorbea (1530 m) in Viscaya, die Peña Prieta (2531 m) und Peña Vieja (2665 m), beide zu den Peñas de Europa gehörend; ferner (auf der Grenze zwischen Asturien und Leon) die Peña Ubiña (2302 m), Peña Rubia (1930 m) und der Pic de Cuiña (2004 m). Die Kette erreicht also ungefähr in der Mitte ihre größte Höhe. Von den Peñas de Europa an entspringt von der Hauptkette aus, deren im Mittel 1800-2000 m hoher Kamm fortwährend die politische Grenze zwischen Asturien und Leon bil-^[folgende Seite]