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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Großbritannien).

auch in Schottland zum König ausgerufen. Aber der in Irland zu seinen gunsten ausgebrochene Aufstand ward von Cromwell und Ireton mit blutigster und grausamster Härte niedergeworfen, und auch Karls Versuch, sich in Schottland zu behaupten, hatte keinen Erfolg. Er landete zwar daselbst im Juni 1650 und wurde auch, nachdem er sich den Anforderungen des presbyterianischen Parlaments gefügt hatte, zu Scone in alter Weise gekrönt (18. Jan. 1651); aber inzwischen war Cromwell nach seinem über den schottischen Feldherrn Leslie errungenen Sieg bei Dunbar schon tief in Schottland eingedrungen. Um ihn zum Rückzug zu bewegen, unternahm K. an der Spitze von 11,000 Mann einen kühnen Marsch nach England, kam aber nur bis Worcester, wo er 3. Sept. 1651 völlig geschlagen wurde. Nach einer abenteuerreichen Flucht, auf der er mehr als einmal nur wie durch ein Wunder seinen Verfolgern entging, gelangte er 17. Okt. in die Normandie. K. lebte nun vorzugsweise in den Niederlanden und hörte nicht auf, an den verschiedensten Höfen um Unterstützung zu werben und Pläne für seine Rückkehr zu schmieden. Doch erst nach Cromwells Tod konnte die royalistische Partei in England, die nie aufgehört hatte, K. als ihren rechtmäßigen Herrscher zu betrachten, offener hervortreten; als sich ihr auch der mächtige General George Monk anschloß, war sie stark genug, im Mai 1660 einen Beschluß durchzusetzen, der das Königtum wiederherstellte und den im Haag befindlichen K. einlud, von seinen Reichen Besitz zu ergreifen. Dieser folgte der Einladung sofort, kam 25. Mai auf der zu seinem Empfang abgeschickten Flotte in Dover an und zog 29. Mai, an seinem Geburtstag, feierlich und unter lautem Jubel der Volksmenge in London ein. England hatte wieder einen König; aber in der den Stuarts eigentümlichen Verblendung knüpfte dieser König überall da an, wo sein unglücklicher Vater geendet hatte. Die bischöfliche Kirche wurde alsbald wiederhergestellt; die presbyterianischen Geistlichen, denen K. die einst in Schottland erlittenen Demütigungen nicht vergessen konnte, verloren ihre Pfarreien; die verkauften Ländereien der Krone und der Kirche wurden wieder eingezogen; den Richtern Karls I. ward der Prozeß gemacht, mehrere, Harrison, Sir Henry Vane u. a., wurden hingerichtet, die Leichen andrer, auch die Cromwells, aus den Gräbern gerissen und an den Galgen gehängt. Auch die auswärtige Politik Karls war weder glücklich noch ruhmvoll. Er verkaufte das von Cromwell erworbene Dünkirchen an Frankreich und stürzte sich 1665 in einen Krieg mit Holland, in welchem er die Schmach erleben mußte, daß eine niederländische Flotte in die Themse eindrang und viele englische Schiffe verbrannte, und welchem der Friede von Breda 1667 ein wenig befriedigendes Ende machte. Vollends nach der Entlassung seines Ministers Edward Hyde Lord Clarendon und seit dessen Ersetzung durch das höchst unpopuläre Cabal-Ministerium warf K. sich in die Arme der kirchlichen und politischen Reaktion. Seit Anfang 1669 ging er mit dem Plan um, mit Hilfe Ludwigs XIV. die katholische Religion und die absolute Monarchie wieder einzuführen, und im Sommer 1670 schloß er eine geheime Allianz mit Frankreich, die ihn völlig von Ludwig und den von diesem versprochenen Subsidien abhängig machte. Dieser Bund nötigte ihn 1672 zur Teilnahme an dem Rachekrieg Frankreichs gegen Holland, doch zwang ihn der laut und stürmisch kundgegebene Wille der Nation schon 1674 zum Frieden. Inzwischen hatten auch die religiösen Pläne des Königs wenig Erfolg: seine zu Anfang des Kriegs erlassene Duldungsverordnung, welche die Strafgesetze gegen die Katholiken und Dissidenten aufhob, mußte er zurücknehmen und der vom Parlament beschlossenen Testakte zustimmen, welche die Katholiken von allen öffentlichen Ämtern ausschloß und Karls Bruder, den Herzog von York (nachmals Jakob II.), zur Niederlegung der Würde eines Großadmirals nötigte. Nach einigen Jahren thaten- und energielosen Hin- und Herschwankens wurde K. 1678 wieder in entschiedenere Bahnen gelenkt. Das von Titus Oates denunzierte, aber nur in dessen Kopf existierende Komplott der Papisten (popish plot), den König zu ermorden und den Katholizismus mit Gewalt wieder einzuführen, brachte ganz England in Aufregung; das Parlament verlangte 1679, hauptsächlich auf Betreiben Lord Shaftesburys, eine Änderung der Thronfolge und die Ausschließung des Herzogs von York von derselben. K. bewilligte demselben zwar die gleichzeitig beschlossene Habeaskorpusakte, verweigerte aber hartnäckig seine Zustimmung zu der Ausschließungsbill, löste 1679 und 1681 drei Parlamente, von denen er das dritte nach Oxford berief, kurz hintereinander auf, schloß mit Frankreich einen neuen Subsidienvertrag ab und begann nun ohne Parlament zu regieren, geleitet von dem Herzog von York, der zu immer heftigern Maßregeln drängte. Shaftesbury wurde verhaftet, die Opposition der großen Städte, auch Londons, dadurch gebrochen, daß man ihre Freiheitsbriefe durch den Lordoberrichter Jeffreys (s. d.) kassieren ließ, ein Empörungsversuch des Herzogs von Monmouth und der eifrigsten Protestanten 1682 schon vor dem Ausbruch erstickt und an den Häuptern der Partei, Lord William Russell und Algernon Sidney, auf dem Schafott gestraft. K. mochte glauben, seiner Feinde Herr geworden zu sein, als er 2. Febr. 1685 vom Schlage getroffen wurde. Auf seinem Krankenlager trat er auf seines Bruders Wunsch zur katholischen Kirche über, empfing das Abendmahl und die Letzte Ölung nach dem Ritus derselben und starb 6. Febr. 1685. Nicht ohne bedeutende Talente und feinere Bildung, in der Rede und im Umgang von gewinnender Anmut, bisweilen nach dem Höchsten strebend, hat K. doch nie seine Herrscheraufgabe in ihrem vollen Ernst erfaßt: das leichte Tändeln, die Verstellungskunst der damaligen feinen Gesellschaft übertrug er auch in die Politik; mit kleinlichen Mitteln glaubte er große Ziele erreichen zu können. Er selbst hat das Scheitern seiner Pläne nicht mehr erlebt; aber sein Bruder Jakob II. erntete, was K. mit gesäet hatte. Karls Privatleben war höchst zügellos; während seine legitime Ehe kinderlos blieb, hat er eine große Zahl natürlicher Kinder hinterlassen, von denen er neun anerkannt hat. Vgl. Romney, Diary of the times of Charles II. (hrsg. von Blencowe, Lond. 1843, 2 Bde.); Macpherson, History of Great Britain from the restoration of Charles II., etc. (das. 1873).

28) K. Eduard, der Prätendent genannt, Enkel König Jakobs II. von England und Sohn des Prätendenten Jakob III. (s. d.), geb. 31. Dez. 1720 zu Rom, begab sich 1744 nach Frankreich, wo ihm Ludwig XV. eine Flotte zur Wiedererlangung der Krone seiner Väter zur Verfügung stellte, deren Unternehmen indes, ohne daß es zur Invasion Englands kam, scheiterte. Darauf rüstetete der Prinz mit geringen Mitteln, die ihm ein Bankier vorstreckte, ein Schiff aus und landete mit wenigen Getreuen im Juli 1745 an der schottischen Küste. Anfangs hatte er guten Erfolg: zahlreiche Hochländer schlossen sich ihm an; er ließ sich nach Eroberung der Stadt Perth zum