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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Mecklenburg, Neapel-Sizilien).

ßen Teils vom Elsaß, bis ihn die zweite Kriegserklärung Preußens wieder nach Böhmen rief. Er vertrieb, von dem trefflichen Traun als Adlatus beraten, 1744 Friedrich aus Böhmen, ward indes 4. Juni 1745 bei Hohenfriedeberg und 30. Sept. bei Soor geschlagen. Nach dem Aachener Frieden 1748 als Gemahl der Schwester Maria Theresias, Maria Anna, zum Gouverneur der Niederlande ernannt, lebte er meist zu Brüssel. Beim Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs 1757 erhielt er den Oberbefehl über sämtliche österreichische Truppen, wurde jedoch 6. Mai bei Prag besiegt, in dieser Stadt eingeschlossen und nur durch Dauns Sieg bei Kolin 18. Juni befreit. Er wandte sich darauf nach der Lausitz und Schlesien, wo er den Herzog von Bevern 22. Nov. bei Breslau schlug und diese Stadt in seine Gewalt bekam. Nach der Niederlage bei Leuthen 5. Dez. trat er vom Kriegsschauplatz ab und begab sich in sein Gouvernement nach den Niederlanden. Dort stiftete er 1762 die Kunstakademie, Bibliothekssäle zu allgemeinem Gebrauch, Versorgungshäuser, verbesserte das Münzwesen, beförderte den Handel und den Ackerbau und baute neue Kanäle und Landstraßen. Er starb 4. Juli 1780 in Teruen. Zu Brüssel befindet sich sein Denkmal. Vgl. Slingeneyer, Vie du prince Charles Alex. de Lorraine (Brüssel 1834).

[Mecklenburg.] 35) K. Friedrich August, Herzog von Mecklenburg-Strelitz, Stiefbruder des Großherzogs Georg von Mecklenburg-Strelitz und der Königin Luise von Preußen, geb. 30. Nov. 1785 zu Hannover, wo sein Vater, der nachmalige Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, (geb. 1741, gest. 1816), als hannöverscher Feldmarschall und Generalgouverneur lebte, wurde, da seine Mutter Charlotte, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, sehr früh starb, in Darmstadt unter den Augen seiner Großmutter erzogen, bis er 1794 dem Vater nach Strelitz folgte. Nachdem er die Kriegsschule in Berlin besucht, trat er 1805 als Major in die Garde, kämpfte bei Auerstädt und zeichnete sich namentlich 1813 aus, wo er bei Lützen und Bautzen mitfocht und besonders als Brigadekommandeur in der schlesischen Armee an der Katzbach, bei Wartenburg und bei Möckern sich durch seine Tapferkeit und sein militärisches Talent hervorthat, auch bei Möckern schwer verwundet wurde. Wieder genesen, machte er als Generalleutnant 1814 den Feldzug in Frankreich mit und wurde 1815 Kommandeur der Garde, die er im Krieg von 1815 und dann bis zu seinem Tod befehligte. 1817 zum Mitglied des Staatsrats ernannt, wurde er 1825 General der Infanterie und 1827 definitiver Präsident des Staatsrats mit der Befugnis, an den Sitzungen der Minister teilzunehmen. Er starb 23. Sept. 1837. Er besaß neben kriegerischen Talenten auch staatsmännische Kenntnisse und Gewandtheit, war aber ein entschiedener Absolutist. Bei seiner persönlich nahen Stellung zum König von Preußen übte er, namentlich seit Hardenbergs Tod, auf den Gang der preußischen Staatsangelegenheiten vielfach entscheidenden Einfluß aus. In der Berliner Gesellschaft spielte er eine große Rolle. Unter den Namen J. E. Mand und Weishaupt schrieb der Herzog einige Lustspiele ("Die Isolierten") und das Trauerspiel "Der ewige Jude", welche 1833 in Berlin gesammelt erschienen.

[Neapel und Sizilien.] 36) K. I. von Anjou, fünfter Sohn König Ludwigs VIII. von Frankreich und Blankas von Kastilien, geb. 1220, erhielt von seinem Bruder Ludwig IX. Anjou und Maine als Apanage und durch seine Vermählung mit Beatrix, Tochter des Grafen Raimund Béranger von Provence, 1267 auch Provence, Languedoc und einen Teil von Piemont. Er begleitete seinen Bruder 1248 auf dem unglücklichen Kreuzzug, der mit der Gefangenschaft beider Brüder endete (1250). Um den Hohenstaufen Manfred zu stürzen, belehnte Papst Clemens IV. 28. Juni 1265 K., der einen Tribut von 8000 Unzen Gold versprochen hatte, im Lateran zu Rom mit Neapel und Sizilien, und durch den Sieg bei Benevent 26. Febr. 1266 setzte sich auch K. in den Besitz der Krone. Bald aber reizten die gesteigerten Abgaben und andre Gewaltstreiche das Volk zum Aufstand, und die Großen traten mit Konradin, Manfreds Neffen, in Unterhandlung. Derselbe ward jedoch 23. Aug. 1268 bei Tagliacozzo besiegt und in Astura gefangen, als Empörer von einem Kriegsgericht zum Tod verurteilt und 29. Okt. 1268 enthauptet. Auch die abgefallenen Inländer, Sarazenen und Deutschen wurden von K. einer blutigen Bestrafung unterworfen. Als Ludwig IX. 1270 einen neuen Kreuzzug gerüstet, beredete ihn K., seine Waffen gegen Tunis zu wenden, weil er durch dessen Besitz seinen Thron zu befestigen hoffte. Nach Ludwigs Tod (25. Aug. d. J.) befehligte er das Kreuzheer und schloß mit dem Beherrscher von Tunis einen vorteilhaften Frieden. Mit den Päpsten verfeindete K. sich bald durch Untreue gegen die früher eingegangenen Verbindlichkeiten und verlor daher 1278 seinen Titel als römischer Senator sowie sein Reichsverweseramt in Toscana. In der sogen. Sizilianischen Vesper (s. d.) brach endlich 1282 der lange verhaltene Grimm der Sizilier gegen die übermütigen Franzosen hervor. Dieselben wurden 30. März in Palermo und dann in den andern Städten niedergemetzelt. Wohl eilte K. mit Heer und Flotte herbei und belagerte Messina; doch wurde die Stadt, während er selbst zur Dämpfung eines Aufruhrs nach Kalabrien und Apulien geeilt war, von Peter von Aragonien entsetzt, Karls Flotte verbrannt, und Sizilien blieb dem französischen Haus für immer entrissen. K. starb unter neuen gewaltigen Rüstungen, das Verlorne wiederzubringen, und unter drohenden Aufständen 7. Jan. 1284 in Neapel. In zweiter Ehe war er vermählt mit Margarete von Revers, Tochter Herzog Eudos von Burgund. Vgl. Durrieu, Archives angevines de Naples; étude sur les registres du roi Charles I (Toulouse 1886-87, 2 Bde.).

37) K. II., der Hinker, Sohn des vorigen, geb. 1243, war 1283 von den Siziliern in einer Seeschlacht besiegt worden und befand sich bei Karls I. Tod in sizilischer Gefangenschaft bei Peter III. von Aragonien und Sizilien. Er erlangte erst 1288 unter harten Bedingungen seine Freilassung, verließ 1289 Sizilien und wurde sogleich vom Papst, der ihn von den eingegangenen Verbindlichkeiten freisprach, in Rom als König beider Sizilien gekrönt, während man gegen Jakob V. von Sizilien einen abermaligen Kreuzzug vorbereitete. Als derselbe, durch den Bann eingeschüchtert, 1296 auf Sizilien Verzicht leistete, erhoben die Sizilier seinen Bruder Friedrich auf den Thron, und im Frieden von Caltabellota 1302 mußte ihn K. anerkennen. K. starb 1309. Ihm folgte sein dritter Sohn, Robert. K. war vermählt mit Maria von Ungarn.

38) K. III. von Durazzo, der Kleine, Sohn Ludwigs von Gravina, geb. 1345, wurde von Johanna I. von Neapel zum Nachfolger ernannt, wandte sich aber auf Anstiften Ludwigs von Ungarn und des Papstes gegen sie, eroberte 1381 Neapel und ließ 1382 Johanna ermorden. 1385 von einem Teil des