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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Österreich).

Adels zum König von Ungarn erwählt, wurde er im Februar 1386 ermordet. Er war vermählt mit Margarete von Durazzo.

[Österreich.] 39) K. Ludwig Johann, Erzherzog von Österreich, Herzog von Teschen, einer der ausgezeichnetsten Feldherren der neuern Zeit, dritter Sohn Kaiser Leopolds II. und der spanischen Infantin Maria Luise, jüngerer Bruder des Kaisers Franz I., geb. 5. Sept. 1771 zu Florenz, wurde vom Herzog Albert von Sachsen-Teschen (s. Albert 5) und dessen Gemahlin, Erzherzogin Christine, an Kindes Statt angenommen und folgte diesen 1790 in die Niederlande, wo ihn eine Fraktion der Bewegungspartei als "Erbsouverän und Großherzog" hatte ausrufen wollen. Seine militärische Laufbahn, auf welcher Oberst Lindenau, ein nicht unbegabter Sonderling, dem Erzherzog beigegeben ward, betrat er 1792 unter dem Fürsten Hohenlohe-Kirchberg und focht mit 22 Jahren als Generalmajor in der Schlacht bei Jemappes. 1793 kommandierte er unter Josias Friedrich von Koburg die Avantgarde und nahm teil an den Schlachten von Aldenhoven und Neerwinden, wo er den feindlichen linken Flügel in die Flucht schlug. Am 24. Mai erstürmte er das befestigte Lager auf den Höhen von Femers und wohnte der Eroberung von Condé, Valenciennes, Le Quesnoy sowie der Schlacht von Wattignies bei. Nach der unglücklichen Schlacht bei Fleurus, welche der Koburger 1794 verlor, begab sich Erzherzog K. nach Wien, um sich kriegswissenschaftlichen Studien zu widmen, und verbrachte hier das Jahr 1795. Mit der Ernennung zum Reichsfeldmarschall 1796 begann seine selbständige militärische Laufbahn. Er warf Jourdan durch die Gefechte von Wetzlar und Uckerodt über den Rhein zurück, lieferte 9. Juli Moreau das Treffen bei Malsch und Rosenthal, wandte sich von neuem gegen den wieder vorgedrungenen Jourdan, siegte über Bernadotte 22. Aug. bei Teining, über Jourdan bei Amberg (24. Aug.) und Würzburg (3. Sept.) und trieb das französische Heer über den Rhein zurück. Den General Werneck mit 32,000 Mann zurücklassend, eilte er sodann mit 16,000 Mann an den Oberrhein und schlug, mit Latour vereinigt, Moreau bei Emmendingen an der Elz, an der Dreisam, bei Schliengen und nötigte ihn 26. Okt., bei Hüningen über den Rhein zu gehen. Die hierauf folgende Belagerung Kehls, mitten im Winter, gehört zu Karls größten Waffenthaten; die Festung mußte 10. Jan. 1797 kapitulieren. Die italienische Armee, deren Kommando K. 7. Febr. 1797 übernahm, fand er in halber Auflösung und mußte daher der Übermacht weichen und sich vom Tagliamento bis zum Isonzo und von da nach dem Gefecht bei Tarwis (23. März) bis Leoben zurückziehen. Der Waffenstillstand zu Judenburg 5. April, welchem am 18. die Friedenspräliminarien von Leoben folgten, machte den Feindseligkeiten ein Ende, und der Erzherzog konnte Ende April schon wieder zu Schwetzingen bei der Rheinarmee sein. Nach dem Frieden von Campo Formio zum Gouverneur und Generalkapitän von Böhmen ernannt, ging K. über Wien nach Prag und benutzte die Zeit der Ruhe zur Disziplinierung des Heers. Als schon 1799, nach dem fruchtlosen Kongreß zu Rastatt, ein Heer zwischen dem Lech und der Isar aufgestellt wurde, erhielt K. den Oberbefehl und nahm sein Hauptquartier in Friedberg. Nachdem 1. März Jourdan mit der Donauarmee von 38,000 Mann den Rhein überschritten hatte, passierte der Erzherzog mit seinem 72,000 Mann starken Heer den Lech und schlug jenen 18. März bei Biberach, 21. und 25. März bei Ostrach und Stockach. Darauf drang er mit Bellegarde und Hotze in die Schweiz ein und lieferte den Franzosen 4. Juni die unentschiedene Schlacht von Zürich, mußte aber dann auf Befehl aus Wien nach Deutschland zurückkehren, entsetzte Philippsburg und erstürmte Mannheim. Neue Pläne zu einem Feldzug in die Schweiz wurden durch Korsakows Niederlage und den Rückzug Suworows vereitelt.

Wegen Zwistigkeiten mit dem Hofkriegsrat trat er im März 1800 vom Oberkommando zurück und übernahm Oktober bis November die Leitung der Verteidigungsanstalten Böhmens, bildete eine Legion von 25,000 Freiwilligen aus Böhmen und Mähren und erhielt erst, als nach der unglücklichen Schlacht von Hohenlinden die Franzosen in Österreich eindrangen, abermals das Kommando. Er fand jedoch die Armee in so traurigem Zustand, daß er sich über die Traun gegen Steier zurückziehen und dort 20. Dez. einen Waffenstillstand schließen mußte, der dem Lüneviller Frieden zur Grundlage diente. 1801 zum Feldmarschall und Hofkriegsratspräsidenten ernannt, unterzog er sich mit Einsicht und Eifer der Reform des Militärwesens so energisch, daß Österreich 1805 den Krieg gegen Napoleon mit neuen Kräften führen konnte. K. übernahm das Kommando gegen Massena in Italien und lieferte demselben die Schlacht bei Caldiero (30. und 31. Okt.), aus welcher K. als Sieger hervorging. Die Katastrophe von Ulm zwang ihn nach dem Norden zu marschieren; er sammelte noch seine Truppen in Westungarn, als 2. Dez. bei Austerlitz die Entscheidung fiel. Auf Napoleons I. Wunsch, den bedeutendsten aller seiner Gegner persönlich kennen zu lernen, fand 27. Dez. 1805 eine Zusammenkunft zu Stammersdorf bei Wien statt. Nachdem der Erzherzog 10. Febr. 1806 zum Generalissimus und Kriegsminister mit unumschränkter Vollmacht ernannt worden war, widmete er sich ganz der Reform der Armee, die ihm ihre besten Einrichtungen verdankte. Er verbesserte den Unterricht der Armee durch gute Unterrichtsbücher, durch neue Instruktionen und Reglements, durch die Gründung eines Kriegsarchivs, einer militärischen Zeitschrift, durch systematischen Unterricht in den Regimentern und Korps etc. Am 12. Mai 1808 erließ er ein Patent, betreffend die Errichtung einer dreifachen Militärreserve. Den Antrag der spanischen Patriotenpartei, welche unter Palafox ihn zu Saragossa als König Spaniens ausrief (31. Mai), lehnte er ab und beeilte sich mit der Organisation der Landwehren und des Landsturms. 1809 war der Erzherzog gegen den Krieg. Als derselbe aber beschlossen wurde, übernahm er das Kommando der 200,000 Mann starken Armee in Deutschland. Am 9. April überschritt er den Inn, erzwang am 16. den von den Bayern verteidigten Übergang über die Isar bei Landshut und besetzte München. Doch wurden zwei seiner Korps schon 20. April bei Abensberg geschlagen. K. selbst ward am 22. von Davoût angegriffen, und Napoleons Eintreffen auf dem Schlachtfeld vollendete die Niederlage der Österreicher bei Eggmühl. K. überschritt die Donau bei Regensburg und erlitt bei der Erstürmung dieser Stadt durch Lannes neue Verluste. Der Erzherzog, von Davoût schwach verfolgt, wandte sich nach Böhmen, vereinigte sich 16. Mai bei Stockerau mit Hiller und versuchte umsonst, Napoleon am Flußübergang zwischen Aspern und Eßlingen zu verhindern, siegte aber dann daselbst 21. und 22. Mai über jenen, ohne jedoch den Sieg gehörig zu benutzen. So kam es denn, daß Napoleon, durch einen Scheinangriff unterstützt, in der Nacht vom 4. zum 5. Juli