Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karlssage; Karlsschule

545

Karlssage - Karlsschule.

ersten Platz ein. In der Nähe liegt, zum Stadtgebiet gehörig, die ehemalige Benediktinerabtei Gottesau, jetzt Kaserne, nach N. hin dehnt sich der große, mit Eichen- und Nadelholz bestandene Hardtwald aus. - K. gehört nach Kohls Terminologie unter die "Zufalls- oder Willkürstädte". Markgraf Karl Wilhelm, auf seine Residenz Durlach erzürnt und ein Verehrer "origineller Einsamkeit", erbaute sich 1715 mitten im Hardtwald ein Jagdschloß. Nach dem Strich der Windrose wurden 32 Alleen, vom Schloß auslaufend, durch den Wald gehauen und Aufforderungen zur Ansiedelung erlassen. Schon 1719 hatten sich 1994 Menschen dort niedergelassen, welche nach Vorschrift ihre Häuser aus Holz bauen mußten. 1724 wurde das Gymnasium von Durlach nach K. verlegt und 1751 vom Markgrafen Karl Friedrich an der Stelle des Jagdschlosses das jetzige Schloß aus Stein aufgeführt. Immer mehr vergrößerte sich seitdem die Stadt, sie zählte 1812 bereits 13,727 Einw. 1848 und 1849 war K. der Schauplatz erst der Volkserhebung und dann der Gegenrevolution (s. Baden, S. 238 f.). Vgl. "K. im Jahr 1870", Baugeschichte etc. (illustriert, Text von Scheffel, Karlsr. 1870); Bielefelds "Illustrierter Führer durch K." (2. Aufl., das. 1885).

2) K. in Schlesien, Flecken im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Oppeln, an der Sekundärbahn Oppeln-Namslau, hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kathol. Pfarrkirche, eine Zwangserziehungsanstalt, ein schönes Schloß mit herrlichem Garten und Parkanlagen, in welchen ein künstlich aufgeschüttetes Gebirge (das "schlesische Siebengebirge") und ein altes Schloß sich befinden, ein Kiefernadelbad, Waldwolle-, Kiefernadelöl- und Spritfabrikation und (1885) 2360 meist evang. Einwohner. K. ist Majorat des Herzogs von Württemberg. In dem Park ein Denkmal des 1857 hier gestorbenen Herzogs von Württemberg (s. Eugen 7).

Karlssage (Karolingische oder Kerlingsche Sage), der an Karl d. Gr. sich anschließende Sagenkreis, der namentlich in Frankreich, als dessen eigentlich nationaler Held Karl d. Gr. im Mittelalter zu betrachten ist, vielfach epische Behandlung in volksmäßigem Stil erfahren hat. Alle Hauptthaten seines Lebens, seine Kämpfe mit den Sachsen (Wittekind), sein Zug nach Spanien, ferner seine sagenhafte Fahrt nach Konstantinopel und dem Orient, seine sagenhafte Jugend: alles wurde in den wahrscheinlich in Nordfrankreich entstandenen sogen. "Chansons de geste" poetisch gestaltet (s. Französische Litteratur, S. 591 f.). Den meisten Ruhm von allen erlangte die spanische Expedition als "Rolandssage" (s. Roland). Von Frankreich aus verbreiteten sich die Sagen und Epen von Karl d. Gr. nach Holland, England, Skandinavien ("Karlemagnussaga") und Italien, wo sie später die Dichter der Humanistenzeit (Bojardo, Ariosto etc.) zu kunstepischen Produktionen anregten. Sogar in lateinischer Sprache wurden einzelne Dichtungen der K. nachgebildet. In Deutschland hat die K. weniger Bearbeitung gefunden; die älteste Dichtung ist das "Rolandslied" des Pfaffen Konrad (vor 1139); eine cyklische Bearbeitung, die Karls ganzes Leben auf Grund verschiedener älterer Dichtungen behandelt, ist unter dem Namen "Karlmeinet" (hrsg. von A. v. Keller, Stuttg. 1858; vgl. Bartsch, Über Karlmeinet, Nürnb. 1861) bekannt. Außerdem gehören der "Willehalm" des Wolfram von Eschenbach, der "Wilhelm" des Ulrich von Türheim sowie der spätere des Ulrich vom Türlin dem karolingischen Sagenkreis an, und alle schöpfen aus französischen Quellen. Die französischen gereimten Dichtungen wurden im 14. Jahrh. in Prosa aufgelöst zu Romanen und Romancyklen, die man im 16. Jahrh. wiederum zu den Volksbüchern verkürzte, welche die sogen. Bibliothèque bleue ausmachen. Gleicherweise entstanden um diese Zeit die deutschen, der K. angehörigen Erzählungen: "Loher u. Maller", "Die vier Haimonskinder", "Fierabras" u. a., die sich lange in Ansehen erhielten. In der neuern Dichtung wurden die Sagen von Karl d. Gr. erst wieder durch die Romantiker lebendig. Nachdem Dorothea Schlegel mit ihrer Erneuerung von "Loher und Maller" vorangegangen war, bemächtigte sich Fouqué der K. als seiner besondern Domäne und dichtete die "Romanzen vom Thal Ronceval" (1808), das Schauspiel "Eginhard und Emma" (1811) und das Rittergedicht "Karls d. Gr. Geburt und Jugendjahre" (1816). Die schönste Erneuerung gab Uhland in einer Anzahl seiner Balladen. In der neuesten Litteratur hielten sich die Epiker mit Vorliebe an die K., so Pfarrius in "Karlmann" (1841), O. F. Grupvein "Kaiser Karl" (1852), Simrock in "Bertha die Spinnerin" (1853); M. M. v. Weber in "Rolands Gralfahrt" (1852). Vgl. Paris, Histoire poétique de Charlemagne (Par. 1865); P. Meyer, Recherches sur l'épopée française (das. 1867); Gautier, Épopées françaises (2. Aufl., das. 1878-80, 3 Bde.).

Karlsschule, ehemals eine berühmte höhere Lehr- und Erziehungsanstalt in Stuttgart, wurde 1770 vom Herzog Karl Eugen von Württemberg auf der Solitüde als "militärische Pflanzschule" gegründet, 1773 zu einer "Herzoglichen Militärakademie" erweitert und mit der 1761 gegründeten Académie des arts verschmolzen. Nachdem sie 1774 mit einer juristischen, 1775 bei Übersiedelung der Anstalt nach Stuttgart auch mit einer medizinischen Abteilung, 1779 mit einer Abteilung für "Handlungswissenschaft" später mit einer "philosophischen Abteilung" als gemeinsame höhere Vorbildungsklassen für alle Berufsarten versehen war, wurde die Anstalt Ende 1781 durch Kaiser Joseph II. als "Hohe K." (offiziell "Karls Hohe Schule") zur Universität erhoben, mit sechs Fakultäten: der juristischen, medizinischen, philobphischen, militärischen, ökonomischen und einer der Freien Künste (nur die theologische Fuktultät fehlte), aber nach des Herzogs Tod von dessen Nachfolger Ludwig Eugen 1794 plötzlich aufgehoben. Bemerkenswert ist die Universalität der Anstalt. Die K. entsprach auf den untern Stufen der Bürgerschule, der Realschule, dem Gymnasium auf den mittlern Stufen den obern Klassen dieser Anstalten und der höhern Handelsschule, auf den höchsten endlich der Kriegsschule, der philosophischen, juristischen, medizinischen, staatswirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule, der land- und forstwissenschaftlichen Akademie, dem Polytechnikum, der Kunst- und Baugewerkschule, dem Musikkonservatorium, der Theater- und Ballettschule. Was die Wahl des Berufs betrifft, so galt zwar als Grundsatz, daß die Zöglinge und ihre Angehörigen hierin freie Hand haben sollten; doch fehlte es bei dem heftigen Temperament des Herzogs nicht an Eingriffen in die persönliche Freiheit. Bekanntlich war Schiller Zögling der K. 1773-80; andre berühmt gewordene Schüler derselben sind: Cuvier, Dannecker, Zumsteeg, die Maler Eberhard Wächter und Koch, Kielmeyer, Pfaff u. a. Namentlich aber ist aus der K. eine große Anzahl tüchtiger Beamten und Offiziere hervorgegangen. Vgl. Wagner, Geschichte der Hohen K. (Würzb. 1856-58, 3 Bde.); Klaiber, Der Unterricht in der ehemaligen Hohen K. (Stuttg. 1873).