Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karnickel; Karnier; Karnies; Karnische Alpen; Karnische Stufe; Karnivoren; Karnivorenbreccie; Karnöffel

549

Karnickel - Karnöffel.

St. Stephanstag (26. Dez.) an, in Spanien beginnt er meist am St. Sebastianstag (20. Jan.), und in Rom versteht man unter K. hauptsächlich die letzten elf Tage vor Aschermittwoch, während der K. in Mailand sich bis zum Sonntag Invocavit (s. d.) fortsetzt und der K. am Rhein sich vorzugsweise auf die Woche vor Aschermittwoch beschränkt. Auch in Belgien, Frankreich, Österreich und Süddeutschland sind die letzten drei Tage vor Aschermittwoch die eigentlichen des Karnevals, an denen dieser sich in seiner höchsten Blüte zeigt. Italien ist das Heimatsland des Karnevals, da derselbe sich aus den altrömischen Saturnalien (s. d.) entwickelt hat, welche die Kirche bestehen lassen und mit christlicher Deutung auf eine passende Zeit verlegen mußte, weil sie sich außer stande sah, das im Volk tief eingewurzelte Fest zu beseitigen. Am berühmtesten ist der große K. von Venedig mit seiner Maskenfreiheit, seinen Tierhetzen, Herkulesspielen und Feuerwerken geworden, welchem bis 1796 während der Himmelfahrtsmesse (s. Himmelfahrtsfest) stets ein kleinerer folgte. Neben ihm kam der oft, am anmutigsten von Goethe (im 2. Teil der "Italienischen Reise"), geschilderte K. in Rom mit seinem Pferderennen (s. Korso), Aufzügen, Werfen mit Blumen und Gipskügelchen (confetti), wegen der vielen sich daran beteiligenden Künstler und Fremden am meisten zur Bedeutung. In Paris ist der Umzug des Boeuf gras, eines fetten Ochsen, der, mit vergoldeten Hörnern und mit bunten Bändern herausgeputzt, unter Begleitung von allerlei Masken zur Schlachtbank geführt wird, der Glanzpunkt des Karnevals. In Spanien zeichnen sich besonders Madrid, Sevilla und Cadiz durch lustiges Maskentreiben aus. In Deutschland fand der K. an den altheidnischen Darstellungen der Götterumzüge, namentlich am Umherführen des Pflugs und des Schiffswagens, als Symbol der wieder eröffneten Meerfahrt (weshalb man auch das Wort K. aus carrus navalis zu erklären versucht) so passende Anhaltspunkte, daß er sich früh einbürgerte und zu großer Blüte gelangte. Fastnachtspossen, Mummenschanz und vor allem der Hanswurst machten die Tage vor Aschermittwoch zu einer ebenso heitern wie ausgelassenen Zeit, so daß der Fastnachtsdienstag den Namen Narrenfest oder Narrenkirchweih erhielt. Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg unterdrückten jedoch den K, fast gänzlich. Erst zu Anfang dieses Jahrhunderts brachten ihn die Franzosen, welche ihn in Italien kennen gelernt, auch bei uns wieder in Aufnahme; besonders in den rheinischen Städten bildeten sich eigne Karnevalsgesellschaften, um Festprogramme zu entwerfen und auszuführen, und der K. in Köln, dessen 50jährige Jubelfeier man 1873 beging, erlangte in Deutschland fast ebensolche Berühmtheit wie vormals der zu Venedig in Italien. Sehr glänzend ist auch der K. in Aachen, Trier, Mainz und Düsseldorf, und seit 1868 haben selbst protestantische Städte, wie Leipzig, Hamburg, Berlin u. a., versucht, den K. mit seiner Maskenfreiheit wieder als allgemeines Volksfest einzuführen, obwohl die öffentlichen Aufzüge, in Norddeutschland wenigstens, nicht recht den Charakter von Volksfesten annehmen wollen. Die Fastnachtsgebräuche einiger Zünfte, wie der Schäfflertanz in München, der Böttchertanz in Frankfurt a. M. und der Metzgersprung in München, haben sich mutmaßlich als die letzten Überbleibsel der heidnischen Vorzeit bis zum heutigen Tag erhalten. Vgl. Fahne, Der K. (Köln 1853); v. Reinsberg-Düringsfeld, Das festliche Jahr (Leipz. 1863). S. auch Ottobraten.

Karnickel, s. v. w. Kaninchen.

Karnier, mundartlich s. v. w. Ledertasche, Hirtentasche, Ranzen.

Karnies (franz. corniche), architektonisches Glied, welches teils konkav, teils konvex gebogen ist, also ungefähr die Gestalt eines lateinischen S hat. Befindet sich der konkave Teil oben und nach außen, so entsteht der stehende oder steigende K. (Fig. 1), welcher als deckendes oder säumendes Glied, z. B. bei Haupt- oder Dachgesimsen, vorkommt; befindet sich der konvexe Teil oben und innen, so entsteht der liegende oder fallende K. (Fig. 2), welcher als unterstützendes oder tragendes Glied, z. B. bei Sockeln oder Basen, in Anwendung kommt. Beide Formen des Karnieses stellen eine Vermittelung der obern mit der untern wagerechten Fläche der Gesimsplatte her. Befindet sich der konvexe Teil oben und außen, so entsteht der verkehrt steigende K. (auch Kehlstoß, Fig. 3), welcher als deckendes Glied vorkommt; befindet sich der konkave Teil oben und innen, so entsteht der verkehrt fallende K. (Fig. 4), welcher als unterstützendes Glied dient. Die beiden letztern Formen stellen eine Vermittelung mit den lotrechten Begrenzungsflächen der Teile her, zwischen welchen sich die Gesimsplatte befindet. Der steigende K., welcher in den griechischen und den davon abgeleiteten Stilen meist über der Hängeplatte des Hauptgesimses als Rinnleiste erscheint, ist teils glatt profiliert, teils durch Palmetten mit Löwenköpfen, welche als Wasserspeier dienen, oder ohne solche verziert. Der verkehrt steigende K. kommt teils glatt, teils verziert meist unter der Hängeplatte vor, während die beiden fallenden Karniese fast ausschließlich als glatte Sockelprofile auftreten.

^[Abb.: Fig. 1. Steigender Karnies.]

^[Abb.: Fig. 2. Fallender Karnies.]

^[Abb.: Fig. 3. Verkehrt steigender K.]

^[Abb.: Fig. 4. Verkehrt fallender K.]

Karnische Alpen, der zwischen der Drau und der venezianischen Ebene gelegene Teil der südlichen Ostalpen, nach dem alten keltischen Volk der Karner (s. d.) benannt, beginnt im W. bei den Quellbächen der Piave und Gail und erstreckt sich in zwei durch das Gailthal getrennten Parallelzügen gegen O. bis zum Paß von Pontafel und der Gailmündung. Der nördliche Zug, die Gailthaler Alpen, zerfällt durch den Paß von Mauten in zwei Teile (im westlichen die Sandspitze 2801, der Reißkofel 2361 m, im östlichen der kahle, durch seine herrliche Aussicht berühmte Dobratsch oder die Villacher Alpe 2154 m). Der südliche Zug, die eigentlichen Karnischen Alpen, auf der Grenze von Österreich und Italien verlaufend, erhebt sich im westlichen Teil mit dem Monte Paralba bis zu 2690 m. Berühmte Erzlagerstätten des Gebiets sind die Bleigruben von Bleiberg bei Villach und Raibl bei Tarvis. S. Karte "Alpen".

Karnische Stufe, s. v. w. Triasformation.

Karnivoren (Carnivora), fleischfressende Tiere; im engern Sinn s. v. w. Raubtiere.

Karnivorenbreccie, s. Knochenbreccie.

Karnöffel (Karnuffel), niederdeutsch s. v. w. Bruch, Hodenbruch; dann beliebtes Kartenspiel des 15. und 16. Jahrh. von politisch-satirischer Bedeutung, benannt nach der Hauptkarte, dem K., der den