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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karolinische Bücher; Karolinische Bulle; Karolinische Sage; Karolsfeld; Károlyi; Karosse; Karotin; Karotis; Karotte; Karpäa; Karpathen

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Karolinische Bücher - Karpathen.

des letzten Merowingers im Herbst 751 zum König der Franken krönen (starb 768). Sein Sohn Karl d. Gr. (768-814) brachte nach seines Bruders Karlmann Tod (771) das ganze Frankenreich unter seine Botmäßigkeit und erlangte 800 auch die römische Kaiserkrone. Von seinen Söhnen starben Karl und Pippin vor dem Vater, den nur der jüngste, Ludwig I., der Fromme (814-840), überlebte. Bei der vorläufigen Reichsteilung 817 erhielt Ludwigs ältester Sohn, Lothar, Italien und die Kaiserkrone, der zweite Sohn, Pippin, erhielt Aquitanien und der jüngste, Ludwig, Bayern. Als Ludwig der Fromme zu gunsten seines in zweiter Ehe erzeugten Sohns, Karls des Kahlen, die Teilung ändern wollte, entspann sich ein Kampf zwischen Vater und Söhnen, den letztere nach des erstern Tod unter sich fortsetzten, bis im Vertrag von Verdun (10. Aug. 843) der Zwist beigelegt ward. Lothar I. blieb Kaiser und erhielt Italien sowie die Länder zwischen dem Rhein und der Schelde, vom Ursprung der Maas bis zum Einfluß der Saône in den Rhône und längs dieses bis ans Mittelländische Meer, nebst Friesland bis zur Wesermündung; Ludwig der Deutsche die Länder rechts vom Rhein und die Sprengel von Speier, Worms und Mainz; Karl der Kahle Westfrancien westlich vom Lotharschen Anteil. Dieser Teilung verdanken die Reiche Italien, Deutschland und Frankreich ihre Entstehung. Die Söhne Lothars I. teilten 855 nochmals, und zwar erhielt Ludwig II. Italien und die Kaiserwürde, Lothar II. die Länder an der Maas als Königreich Lothringen, Karl das Rhônegebiet als Königreich Provence. Als letzterer 863 kinderlos starb, teilten sich die erstern in seine Länder; als aber auch Lothar II. 869 ohne Erben mit Tod abging, teilten Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche seine Länder zu Mersen (870). Auch Ludwig II. starb 875 kinderlos, und mit ihm erlosch daher Lothars Linie. Ludwig der Deutsche hinterließ, als er 876 starb, drei Söhne, nämlich Karlmann, welcher Bayern und die östlichen Marken und 877 nach Karls des Kahlen Tod Italien erhielt, aber 880 ohne rechtmäßige Nachkommen starb, Ludwig den jüngern, welcher Franken, Thüringen und Sachsen bekam und 882 ebenfalls kinderlos starb, und Karl den Dicken, dem erst Schwaben und das Elsaß, später Italien mit der Kaiserwürde und der Rest von Deutschland, 884 aber auch die Krone von Frankreich zufielen. Als er 887 abgesetzt ward, folgte ihm in Deutschland Arnulf, ein natürlicher Sohn seines Bruders Karlmann, und diesem 899 Ludwig III., das Kind, mit welchem 911 die ostfränkische oder deutsche Linie der K. erlosch. Arnulfs natürlicher Sohn Zwentibold erhielt Lothringen, starb aber 900 ohne männliche Erben. In Frankreich folgte auf Karl den Kahlen dessen Sohn Ludwig der Stammler, der 879 seine Söhne erster Ehe, Ludwig III. (gest. 882) und Karlmann I. (gest. 884), zu Nachfolgern hatte. Deren Halbbruder Karl der Einfältige wurde anfangs übergangen, dann nur in einem Teil des Landes anerkannt, und erst sein Sohn Ludwig IV., der Überseeische, kam 936 in den Besitz des Throns. Ihm folgte 954 sein ältester Sohn, Lothar I., der 986 starb. Mit dessen Sohn Ludwig V. erloschen die K. 987 auch in Frankreich. Ludwigs IV. zweiter Sohn, Karl, Herzog von Niederlothringen, ward von Hugo Capet besiegt und starb 994 im Gefängnis. Sein ältester Sohn, Otto, folgte in Niederlothringen und starb 1003; der jüngere, Ludwig, schmachtete noch lange in französischer Haft. Sie waren die letzten Sprößlinge des karolingischen Geschlechts. Vgl. Warnkönig und Gérard, Histoire des Carolingiens (Par. 1862, 2 Bde.); Bonnell, Die Anfänge des karolingischen Hauses (Berl. 1866).

Karolinische Bücher, s. Carolini libri.

Karolinische Bulle, auch gleich der berühmtern die "Goldene" genannt, wurde von Kaiser Karl IV. 13. Okt. 1359 zu Prag erlassen und verhieß den Personen und Gütern der Geistlichen den kaiserlichen Schutz. Sie war darauf berechnet, den Papst mit den Änderungen bei der deutschen Königswahl zu versöhnen, welche die eigentliche "Goldene Bulle" enthielt.

Karolinische Sage, s. Karlssage.

Karolsfeld, Schnorr von, s. Schnorr.

Károlyi von Kaplon, im Szathmárer Komitat stammsässiges, seit dem 13. Jahrh. urkundlich hervortretendes, namentlich seit dem 16. Jahrh. güterreiches und politisch wichtiges Adelsgeschlecht Ungarns. Michael der Große schrieb sich mit dem Prädikat Nagy-Károly, einer Schloßherrschaft bei Szathmár. Der eigentliche Begründer seiner hervorragenden Magnatenstellung wurde Alexander, Graf K., geb. 1668, Zeitgenosse Franz Rákóczys II., den er zuerst als gut kaiserlicher General bekämpfte (1703), später aber aus gekränktem Ehrgeiz anerkannte. Er bildete dann mit Bercsényi, Ilusvay u. a. den wichtigen Kriegsrat Rákóczys, ließ sich aber, als die Sache des letztern schief stand, von dem kaiserlichen Friedensunterhändler Pálffy für den Ausgleich gewinnen und schloß im Namen der Konföderierten mit diesem den Unterwerfungstraktat von Szathmár (1711), den Rákóczy nicht anerkennen wollte. 1712 wurde Alexander K. in den Grafenstand erhoben, 1723 Geheimrat, 1724 Mitglied des königlichen Statthaltereirats und 1741 Feldmarschall. Er starb 8. Sept. 1743, reich an Gütern und Würden, und hinterließ tagebücherartige Memoiren, mit einer Autobiographie verbunden, welche von 1669 bis 1740 reichen (in magyarischer Sprache hrsg. von Szalay 1865). - Sein Enkel, Graf Franz Anton K., geb. 8. Nov. 1732 zu Nagy-Károly, zeichnete sich als Oberst im Siebenjährigen Krieg aus, ward 1787 Generalfeldzeugmeister und starb 24. Aug. 1791. - Graf Aloys K., geb. 8. Aug. 1825, ward 1852 königlicher Kämmerer, 1858 Gesandter in Kopenhagen, 1860 Gesandter und 1871 Botschafter in Berlin, 1878 in London. Vgl. Géresi, Codex diplomaticus comitum K. de Nagy-Károly (Budapest 1884).

Karosse (franz., ital. carrozza, mittellat. carrocium), elegante Kutsche, Staatswagen.

Karotin, s. Mohrrübe.

Karotis (griech.), Name der beiden großen Halsschlagadern, die aus der Aorta entspringen und das Blut nach dem Kopf hinleiten. Vgl. Blutgefäße.

Karotte (lat.), s. Mohrrübe. - In der Schnupftabakfabrikation heißen Karotten die fest zusammengeschnürten Rollen von ausgerippten Tabaksblättern, welche der Gärung unterworfen werden (s. Tabak).

Karpäa (griech., "Fruchttanz"), bei den alten Thessaliern eine Art mimischen Kriegstanzes, wobei in scherzhafter Weise ein Kampf zwischen Landmann und Räuber pantomimisch dargestellt wurde.

Karpathen (Karpathisches Gebirgssystem), im weitesten Umfang der zusammenhängende Gebirgswall, welcher, Ungarn und Siebenbürgen im NW., O. und SW. von Österreich, Mähren, Schlesien, Galizien und Rumänien in einer Länge von 1200 km abgrenzend, einen großen Bogen bildet, der an der Donau bei Preßburg beginnt, sich wieder bis zur Donau bei Orsova erstreckt und ihr auch seine offene Seite zukehrt. S. Karte "Ungarn".