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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karpathen

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Karpathen (Klima und Vegetation, Bevölkerung, Verkehrswege, Kurorte etc.).

gyóer Gebirge mit dem Pietroszul (2107 m), das Csiker Gebirge mit dem vulkanischen Büdös (916 m) und das Bereczker Gebirge mit dem Lakocz (1764 m). Mit diesem äußern Ostrand laufen fast parallel das Görgényer Gebirge (Mezöhavas 1746 m), das Hargitagebirge mit der 1741 m hohen Hargila und das Baroler Gebirge mit dem Kukukhegy (1540 m). Den Südrand nehmen die Transsylvanischen Alpen, der höchste, schmälste und wildeste Teil der siebenbürgischen Randgebirge, ein. Mit dem Bodzaer Gebirge im SO. beginnend (Csukás 1944 m), erfüllen sie unterhalb Kronstadt als Burzenländer Gebirge das Burzenland mit Felsplateaus, Felsgipfeln und 600-900 m hoch herausragenden Felswänden (der schroffe Königsstein 2243 m, Bucsecs 2519 m). In dem westlicher gelegenen Fogaraser Gebirge erheben sich der Verfu-Urli (2471 m), der Vunetara (2515 m) und der Negoi (s. d.) als der höchste Berg Siebenbürgens (2543 m). Nun folgen das Cibin-, das Schebescheller, das Paringul- und das Vulkangebirge, an welches sich im äußersten Südwesten das Hatszeger Gebirge mit dem Retjezat (2496 m) anschließt. Der Westrand zeigt weniger den Charakter eines geschlossenen Randgebirges, wird häufig durch Flußthäler geschieden und erreicht nur eine geringere Höhe. Er beginnt im N. am Szamos mit dem Bück- oder Krasznagebirge (Varatyek 791 m), an welches sich südlicher das höhlenreiche Biharer Gebirge zwischen den Schnellen und Schwarzen Körös mit dem granitischen Bihar oder Kukurbeta (1846 m), das Aranyosgebirge mit dem Muntje le mare (1828 m), das längs derselben bis an die Maros hinabreichende goldreiche Siebenbürgische Erzgebirge mit dem Vulkan (934 m) und Dimboj (1368 m) bei Zalathna und der Basaltmasse der Detunata (s. d.), das Ruszkagebirge mit der Pajana Ruszka (1360 m) und der Burdu Piatra nächst dem Eisernen Thor (2192 m) sowie ganz im SW. das sich in der Klissura bis an die Donau erstreckende Banater Gebirge anreihen. Inmitten all dieser Randgebirge ragt das innere siebenbürgische Hügelland 300-500 m hoch empor.

[Klima etc. Kulturverhältnisse.] Bei dieser großen Ausdehnung der K. sind die klimatischen Verhältnisse selbstverständlich sehr verschieden. Während im SW. eine mittlere Temperatur von +9,6° C. herrscht und die Unterschiede zwischen Sommer- u. Winterkälte sich von +35,1 bis -21,4° erstrecken, fällt erstere im NW. und N. bei 374-623 m auf 7,5-5,8° und schwankt die Temperatur zwischen +31,9 und -20,5°, in Arva-Váralja sogar zwischen +34,25 und -34,38°. In Siebenbürgen beträgt die mittlere Temperatur am Quellengebiet des Maros- und Altflusses 6,7°, im allgemeinen bei 340 m Höhe 8,8° und im Flußgebiet der Maros 10,3° C. Die mittlere jährliche Feuchtigkeit kann bei einem Maximum von 100 im N. mit 81,5, im SW. und in Siebenbürgen mit 76,5 angenommen werden. Die mittlere Höhe des jährlichen Niederschlags, welche im SW. bei 86 Regentagen 617,5 mm erreicht, steigt im Hochgebirge (Kronstadt und Arva) bei 180 Regentagen aus 840-900 mm. In den Zentralkarpathen bestehen vier meteorologische Stationen und zwar in Käsmark, Poronin, Schmecks und Zakopane. Die erwähnten klimatischen Veränderungen sind auch für den Charakter der Vegetation bestimmend. Während am Südfuß der K. der Weinstock gedeiht, erheben sich die höchsten Rücken und Gipfel in die Region der echten Alpenflora, wo selbst das Edelweiß auftritt. Im SO. herrscht die Stein-, Stiel- und Zerreiche, letztere jedoch nur im SO.; die Grenze der erstern liegt in Bihar bei 820 m. Am häufigsten tritt die Buche und zum Teil noch in ausgedehnten dichten Waldungen auf; aber während sie im N. nur die Ebenen und Vorhöhen bis 900 m bedeckt, bildet sie im SO. einen von 800-1100 m reichenden Waldgürtel und steigt noch bis 1400 m empor. Den gewöhnlichen Pflanzen des Buchenwaldes gesellen sich ausgezeichnete Pflanzen der östlichen Flora bei. Über der Buche folgt der dichte Nadelwald, meist aus Rottannen bestehend, welche zwischen 1200 und 1450 m die herrschenden Waldbäume sind. Die Weißtanne reicht an den nördlichen K. nur so weit als die Buche, höher in Bihar. Die Krummholzvegetation, in den Nordkarpathen zwischen 1450 und 1770 m die Gebirgsjoche bedeckend, findet sich auch im SO. aus der Krummholzkiefer, dem Zwergwacholder und der Grünerle, welche in der Tatra fehlt, zusammengesetzt; der Schmuck der Rhododendren mangelt gänzlich. Bis 2085 m reichen in der Tátra noch Krautweiden, höher finden sich nur Kräuter, Moose und Flechten auf dem öden Fels; doch reichen die weiße Eisranunkel, der kälte liebende Enzian (Gentiana frigida) u. a. bis zu den höchsten Felsspitzen. In der Tátra, im Karpathenwaldgebirge und in den höhern Gebirgsketten Siebenbürgens, wo der Wald noch den Charakter des Urwaldes trägt, sind Bären, Wölfe und der Luchs häufig anzutreffen. Die Gemse ist in der Tátra in letzter Zeit schon seltener geworden.

Die Bevölkerung der K. ist im SO. rumänisch, im übrigen Teil vorherrschend slawisch, und zwar wohnen im W. Slowaken, Hornyaken, Wasserpolacken und die Goralen (von den Bieskiden bis zur Tátra), im O. Ruthenen. Die Ungarn haben sich in Siebenbürgen (Szekler) und am innern Gebirgsrand angesiedelt, die deutschen Einwanderer hingegen meist auf größern Sprachinseln im W. zwischen den Slawen, in der Zips, in den Bergstädten, in Siebenbürgen und im Banat niedergelassen. Erwerbszweige sind fast überall Ackerbau und Viehzucht, in den höhern Regionen Alpenwirtschaft und Schafzucht, im S. teilweise Weinbau und in vielen Gegenden der Bergbau. Die K. sind das erzreichste Gebirge Europas und bergen in Oberungarn, in der Bukowina, im siebenbürgischen Randgebirge und im Banat fast unerschöpfliche Lagerstätten nutzbarer Mineralien, insbesondere Gold, Silber, Kupfer: Salz und Kohlen, überdies auch Quecksilber, Blei, Galmei, Kobalt, Nickel, Zink, Marmor, Schiefer, Petroleum, Edel-, Halbedelsteine und Bergkristalle (Opal, Amethyst, Chalcedon, Marmaroser Diamanten etc.). Die vorzüglichsten Fundorte mineralischer Schätze sind unter "Galizien", "Siebenbürgen" u. "Ungarn" angeführt.

Die K. werden nach allen Richtungen hin, insbesondere in den Flußthälern und Pässen, durch zahlreiche Hauptstraßenzüge und Bahnen gekreuzt. Von letztern sind die wichtigsten die Kaschau-Oderberger, Waagthal-, Ungarische Staats-, Eperies-Tarnower, Ungarisch-Galizische und die Ungarische Nordostbahn. Unter den Kurorten gibt es viele sehr bedeutende. Die bekanntesten Thermen und Mineralquellen sind: in Galizien Krynica (Eisensäuerling bei Neu-Sandec), Szczawnica (muriatische Natronquelle am Nordabhang der Tátra), Ivonice (Jodquelle im Sanoker Kreis); in Ungarn die Schwefelquellen Alvácza (Siebenbürgen), Erlau, Herkulesbäder (bei Mehadia), Pistyán (Komitat Neutra), Trentschin-Teplitz und Stubnya (bei Kremnitz), die Natron- und Magnesiaquellen in Altsohl, die Eisenquellen in Bartfeld, Borszék (Siebenbürgen am Paß Tölgyes), Bu-^[folgende Seite]