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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Katechupalme - Katharina.

Katechupalme, s. Areca.

Kategorem (griech.), s. v. w. Kategorie.

Kategorie (griech.), der allgemeinere Begriff, worunter etwas gefaßt wird, Begriffsfach; in der Philosophie Name der höchsten Gattungsbegriffe (lat. Praedicamenta, Grund- oder Elementarbegriffe). Sie werden zuerst in der Philosophie der Peripatetiker aufgestellt als: substantia, quantitas, qualitas, relatio, actio, passio, ubi, quando, situs, habitus. Kant suchte, statt der von Aristoteles empirisch aufgegriffenen Zehnzahl der K., dieser Lehre eine tiefere Begründung zu geben, indem er sich bemühte, zu beweisen, daß dieselben als Haupt- und Stammbegriffe des Verstandes dessen zwölf logischen Funktionen vollkommen entsprächen, und daß es mithin nicht mehr oder weniger solcher Begriffe als zwölf geben könne. Er gruppierte sie in vier Klassen: Quantität, Qualität, Relation und Modalität, deren jede drei Begriffe: Allheit, Vielheit, Einzelheit; Position, Negation, Limitation; Inhärenz, Kausalität, Wechselwirkung; Wirklichkeit, Möglichkeit, Notwendigkeit, umfaßt. Unter seinen Nachfolgern führte Herbart dieselben auf die ursprüngliche Vierzahl zurück, während Fichte, Schelling und Hegel dieselben zwar beibehielten, aber an die Stelle der Kantschen neue Ableitungsmethoden derselben treten ließen. Vgl. Trendelenburg, Geschichte der Kategorienlehre (Berl. 1846).

Kategorisch (griech.), unbedingt, bestimmt (im Gegensatz von hypothetisch); daher kategorischer Imperativ, bei Kant ("Grundlegung der Metaphysik der Sitten") das Sittengesetz, insofern es unabhängig von jedem andern Gebot und jeder andern Rücksicht gebietet und verbietet und ihm ohne Widerspruch Gehorsam geleistet werden muß.

Kategorisieren (griech.), in oder nach Kategorien (s. d.) teilen.

Kater, das Männchen der Katze (s. d.).

Katerscher Kreis, s. Theodolit.

Kat' exochen (griech.), vorzugsweise (dem franz. par excellence entsprechend).

Kath (Kaad, Kat), s. Celastrus.

Katharer (Katharisten), gnostische Sekten des Mittelalters, welche von Kleinasien über Griechenland, Illyrien, Bosnien nach Oberitalien und besonders dem südlichen Frankreich und dem westlichen Deutschland sich verzweigten. Der Name K. bedeutet "Reine", weil sie die Rückkehr zur reinen Lehre Jesu forderten; gewöhnlich aber wurden sie bald wegen ihrer Herkunft aus der Bulgarei Bulgaren, woraus das französische Schimpfwort bougre entstand, bald zum Zeichen ihrer Verächtlichkeit, als Menschen aus der niedrigsten Volksklasse, nach der Pataria (s. d.) Patarenen oder Patariner, bald Publikaner, auch Paulicianer (s. d.), bald wegen ihrer Gutherzigkeit in Frankreich Gutmänner (Bons-hommes) genannt, wogegen der deutsche Ausdruck "Ketzer" auf Gazzari, die lombardische Form von Kathari, zurückweist. Alle K. hatten mehr oder weniger gnostisch-manichäische Ansichten über den Ursprung und die Natur des physischen und sittlichen Übels und übten im Zusammenhang damit strenge Askese, während das Bedürfnis der Ordnung und des Zusammenhalts mit der Zeit eine gegliederte Hierarchie in der Sekte einführte. Die Erlösung vom Übel erwarteten sie von möglichster Entsagung, daher sie die Ehe, irdischen Besitz, das Töten von Tieren und den Genuß von animalischen Speisen verwarfen. Die, welche sich dieser Bestimmung streng unterwarfen, hießen die Vollkommenen (perfecti), die übrigen die Gläubigen (credentes). Wie alle Sekten, behaupteten sie das Ideal der unsichtbaren Kirche zu verwirklichen. Ihre religiösen Gebräuche waren höchst einfach, die Predigt der Hauptteil des Gottesdienstes. Nachdem verschiedene kirchliche Missionäre ihre Bekehrung zur römischen Kirche versucht, erlag die Sekte endlich, bis auf wenige zerstreute Reste, seit den großen Albigenserkriegen (s. Albigenser) den Verfolgungen der Inquisition. Mit Unrecht hat man auch die Waldenser zu den Katharern gezählt. Vgl. Schmidt, Histoire et doctrine de la secte des Cathares (Straßb. 1849, 2 Bde.); Lombard, Pauliciens, Bulgares et Bons-hommes. (Genf 1879); Steude in der "Zeitschrift für Kirchengeschichte" 1881.

Katharina (griech., "die Reine, Keusche"), weibl. Vorname. Zunächst Name mehrerer Heiligen: 1) K., nach der Legende Jungfrau in Alexandria, ward, da sie bei einem Opferfest des Kaisers Maxentius den Götzendienst für thöricht erklärte, in den Kerker geworfen. Fünfzig der gelehrtesten heidnischen Philosophen sollten sie widerlegen, allein sie gingen als Christen aus dem Kerker. Als sie auf ein mit Nägeln gespicktes Rad geflochten werden sollte, zerbrach dasselbe, und K. wurde daher enthauptet (307). Die katholische Kirche feiert ihr Gedächtnis den 25. November, die Philosophen und gelehrten Schulen verehrten sie als Patronin.

2) K. von Siena (Catharina Senensis), geb. 1347 zu Siena, Tochter eines Färbers, gelobte schon im achten Jahr ewige Keuschheit, lebte fast nur von Kräutern, Wurzeln und Früchten und trat in den Dominikanerorden, wo sie drei Jahre lang, außer in der Beichte, kein Wort sprach und sich vornehmlich der Armen- und Krankenpflege widmete. Durch ihre Beredsamkeit bekehrte sie die verstocktesten Sünder und bewog den Papst Gregor XI. zur Rückkehr von Avignon nach Rom. Sie rühmte sich des unmittelbarem Umgangs mit Christus, der sich mit ihr verlobt, sein Herz mit dem ihrigen vertauscht, sein Blut ihr zu trinken gegeben und die fünf Wundenmale ihrem Leib eingedrückt habe. Von Papst Urban VI. 1378 zur Herstellung des Kirchenfriedens nach Rom gerufen, starb sie daselbst 29. April 1380 und wurde 1461 heilig gesprochen. Ihre gesammelten Werke erschienen italienisch (Siena 1707 und 1713, 5 Bde.). Die Dominikaner sowie Siena verehren sie als Schutzheilige. Ihr Tag ist der 30. April. Vgl. Hase, Caterina von Siena (Leipz. 1864); Malan, Geschichte der heil. K. von Siena (deutsch, Regensb. 1874).

3) K., mit dem Beinamen die Schwedische, Tochter der heil. Brigitta, bewahrte, wiewohl vermählt, ihre Keuschheit, folgte ihrer Mutter nach Rom und zog sich nach deren Tod in das schwedische Kloster Wadstena zurück, als dessen Äbtissin sie 1381 starb. Sie ward 1474 kanonisiert; ihr Tag ist der 22. März.

4) K. von Bologna (Bononia), geb. 1413, trat in den dritten Orden des St. Franziskus und wurde später Vorsteherin des Klarissenklosters in Bologna, wo sie 1463 starb. Sie ward 1724 kanonisiert; ihr Tag (Todestag) ist der 9. März.

5) K. von Genua, Tochter des Vizekönigs Fieschi von Neapel, trat nach dem Tod ihres Gemahls in den dritten Orden des heil. Franziskus, widmete sich der Pflege von Pestkranken und starb 1510. Sie ward 1737 kanonisiert. Ihre Tage sind der 22. März und 22. Juli. Ihr Leben beschrieb Maralotti (1551).

6) K. Ricci, geb. 1522 zu Florenz aus altadligem Geschlecht, war bereits im 25. Jahr Priorin des Klosters Prato in Toscana, starb 1589 und wurde