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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kernfäule - Kerpely.

nannt. Von hier aus bereiste er das botanisch bis dahin fast ganz unbekannte Hochgebirge an der Grenze von Ungarn und Siebenbürgen, den Bakonyer Wald und sehr oft die Theißniederung. Die Ergebnisse dieser Exkursionen sind teils in seinem "Pflanzenleben der Donauländer" (Innsbr. 1863), teils in dem Werk "Vegetationsverhältnisse des mittlern und östlichen Ungarn und Siebenbürgen" (das. 1875, Lief. 1 u. 2) niedergelegt. 1860 erhielt K. die Professur der Naturgeschichte an der Universität Innsbruck. Hier gestaltete er die Alpenpflanzenanlage zu einer Sehenswürdigkeit, legte kleine Versuchsgärten in der alpinen Region an und bestimmte weit über 1000 Baumgrenzen durch barometrische Messungen. Auch bemühte er sich um die Verbesserung der Alpenwirtschaft und gründete auf dem Blaser eine kleine Versuchsstation für diesen Zweck. Seine Schrift über die Kultur der Alpenpflanzen (Innsbr. 1864) trug viel zur Verbreitung dieser Liebhaberei bei. 1877 in den Ritterstand erhoben, folgte er 1878 einem Ruf als Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens und Museums an der Wiener Universität. Hier gestaltete er den botanischen Garten dem Plan entsprechend um, welchen er in seiner Schrift "Die botanischen Gärten, ihre Aufgabe in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" (Innsbr. 1874) entwickelt hatte. Er schrieb noch unter anderm: "Flora der Bauerngärten in Deutschland" ("Verhandlungen der Zoologisch-botanischen Gesellschaft" 1855); "Die niederösterreichischen Weiden" (Wien 1860); "Studien über die obern Grenzen der Holzpflanzen in den Österreichischen Alpen" (7 Abhandlungen in der "Österreichischen Revue" 1863-67); "Herbarium österreichischer Weiden" (Innsbr. 1863-70, 9 Dekaden); "Die Alpenwirtschaft in Tirol" (Wien 1868); "Der botanische Garten in Innsbruck" (2. Aufl., Innsbr. 1869); "Die Abhängigkeit der Pflanzengestalt von Klima und Boden" (das. 1869); "Die natürlichen Floren im Gelände der Deutschen Alpen" (in Schaubachs "Deutschen Alpen", Jena 1870); "Die Schutzmittel des Pollens gegen die Nachteile vorzeitiger Befruchtung" (Innsbr. 1873); "Über die Bedeutung der Asyngamie für die Entstehung der Arten" (das. 1874); "Geschichte der Aurikel" (München 1875); "Schutzmittel der Blüten gegen unberufene Gäste" (Wien 1876, 2. Aufl. 1879). Sein neuestes Werk ist das "Pflanzenleben" (in dem Sammelwerk "Allgemeine Naturkunde", Leipz. 1887, 2 Bde. mit vielen Abbild.).

Kernfäule, s. Rotfäule.

Kernguß, hohles Gußwerk, welches über einen Kern (s. d.) gegossen wird. Vgl. Gießerei.

Kernholz, s. Holz, S. 669.

Kernkörperchen, s. Zelle.

Kernkristall, s. Perimorphose.

Kernlinge, s. Wildlinge.

Kernobst, s. v. w. Äpfel, Birnen, Quitten.

Kernobstgehölze, s. Pomaceen.

Kernöl, s. Rüböl.

Kernpilze (Pyrenomyceten), s. Pilze.

Kernrösten, ein bei kupferarmen Schwefelkiesen derartig geleitetes Röstverfahren, daß sich der Kupfergehalt im Innern, im Kern der gerösteten Stücke, an Schwefel gebunden, angereichert hat, während die Hülle aus sehr kupferarmen Oxyden und Sulfaten besteht (s. Rösten).

Kernschacht, das das Innere der Schachtöfen begrenzende feuerfeste Gemäuer, im Gegensatz zu dem äußern, minder feuerfesten Mauerwerk (Rauhgemäuer, Mantel); vgl. Eisen, S. 410.

Kernschäle, s. Rotfäule.

Kernschuß, jeder Schuß, bei dem die Visierlinie parallel zur Seelenachse des Geschützes läuft und das Geschoß das Ziel ohne Aufschlag erreicht.

Kernschwarz, s. Frankfurter Schwarz.

Kernsdorfer Höhe, der höchste Punkt auf der ostpreußischen Seenplatte (313 m hoch), liegt in einer kahlen Hügelgruppe, etwa 15 km südlich von Osterode und dem Drewenzsee.

Kernstechen, veraltete Methode des Aderlassens am harten Gaumen der Pferde. In Wirklichkeit kommt die Geschwulst (Froschgeschwulst) an dem zweiten oder dritten Querwulst des Gaumens, gegen welche diese Blutentleerung vorgenommen wurde, nicht vor. Der Appetitmangel, der irrtümlich auf die vermeintliche Abnormität bezogen wurde, beruht auf andern Ursachen, vorzugsweise auf einer mangelhaften Verdauung. Wird beim K. die Gaumenarterie verletzt, so ist die Applikation eines Verbandes zur Blutstillung erforderlich.

Kernwerk, ein meist in der Kehle detachierter Festungswerke liegendes kasemattiertes und bombensicher eingedecktes Werk, das nach Verlust der äußern Umfassung selbständig Widerstand leisten soll. Im neupreußischen System legte man ein K. in Hufeisenform, meist in zwei Etagen, in die Mitte der Fronte. Vgl. Festung, S. 183.

Kero (Gero), um 750 Mönch von St. Gallen, dem eine althochdeutsche Interlinearversion der Benediktinerregel (hrsg. in Hattemers "Denkmalen des Mittelalters", Bd. 1, St. Gallen 1844) sowie eine altdeutsche Übersetzung des apostolischen Glaubensbekenntnisses und das sogen. "Glossarium Keronis" (abgedruckt bei Hattemer) ohne Grund zugeschrieben werden.

Kerolith, s. Saponit.

Keroselen, s. Erdöl, S. 767.

Kerosen, s. Erdöl, S. 767.

Kerpely (spr. kerpelj), Anton K., Ritter von Krassai, Metallurg, geb. 5. Febr. 1837 zu Arad in Ungarn, arbeitete seit 1856 bei der Berg- und Hüttenverwaltung in Dognatska, wurde 1857 Sekretär bei der k. k. Staatseisenbahngesellschaft und nach Wien versetzt, 1858 aber auf die Bergakademie in Schemnitz geschickt und 1862 als Ingenieur auf dem Eisenwerk Anina im Banat angestellt. 1864 kam er als Chemiker auf die der Gesellschaft ebenfalls gehörende Paraffinfabrik zu Orawitza, ging aber schon im folgenden Jahr als Ingenieur zu der Direktion des Kronstädter Bergbau- und Hüttenvereins-Komplexes nach Ruszkberg und baute eine Eisenwerksanlage in der Nähe von Ruszkberg, die er bis Herbst 1867 leitete. 1867 ging er als Verwaltungsadjunkt in den Rhonitzer Eisenwerksdistrikt und 1868 als Professor der Metallurgie nach Schemnitz, 1872 wurde er zum Bergrat ernannt und 1875 in den Ritterstand erhoben. 1869 machte K. eine Studienreise durch Belgien, Deutschland und Frankreich, und 1870 besuchte er die Eisenwerke Ungarns und Siebenbürgens, worüber er "Das Eisenhüttenwesen in Ungarn, sein Zustand und seine Zukunft" (1872) veröffentlichte. Auf seine Veranlassung wurde an der Schemnitzer Akademie eine Lehrabteilung ausschließlich für Eisenhüttenwesen eingerichtet. Er schrieb: "Handbuch über Anlage und Einrichtung der Eisenhütten" (Leipz. 1873-84); "Ungarns Eisensteine und Eisenhüttenerzeugnisse" (Wien 1877); "Über Eisenbahnschienen" (Leipz. 1878); "Unterscheidungsmerkmale des Stahls" (Wien 1879). Seit 1865 gibt er die "Berichte über den Fortschritt der Eisenhüttentechnik" (Leipz.) heraus, auch redigiert er eine ungarische hüttenmännische Zeitung.