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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Khiwa; Khlesl

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Khiwa - Khlesl.

bar den ältern, Franz Christoph, ein interessantes Denkmal rechtschaffener und kluger Denkungsart.

2) Franz Christoph, zweitgeborner Sohn des vorigen, geb. 21. Febr. 1588 zu Klagenfurt, galt bis zum 7. Jahr als schwaches, krüppelhaftes Kind, entwickelte sich aber dann zum stattlichen Jüngling von hervorragenden Geistesgaben. Seit 1596 gelangte er an den erzherzoglichen Hof in Graz und verlebte hier als Edelknabe acht Jahre, um dann, gut vorgebildet, 1604 sein Reiseleben und Universitätsstudium in Italien, Frankreich, den Niederlanden und England anzutreten. 1609 kehrte er an den kaiserlichen Hof zurück, wo er nicht bloß als trefflicher Reiter und gewandter Tänzer, sondern auch als weltkundiger Mann von ausgesprochener Begabung zum Diplomaten Ansehen genoß und bald das volle Vertrauen, ja die wärmste Zuneigung des damals allmächtigen Staatsministers Khlesl erwarb. 1613 mit Barbara E. v. Teuffel vermählt, begann er seine politische Laufbahn 1616 als Botschafter am spanischen Hof, um diesen für eine werkthätige Unterstützung Ferdinands II. zu gewinnen, was ihm auch gelang. 1631 kam K. mit der spanischen Braut des Thronfolgers nach Österreich, um nicht wieder nach Madrid zurückzukehren. Am 1. Febr. wurde er zum Obersthofmeister der Kaiserin ernannt und bekam mit allerhand neuen diplomatischen Sendungen zu thun. Auch das Generalat der windisch-kroatischen Grenze bekleidete er vier Jahre hindurch. Doch erübrigte er noch so viel Muße, um eins der wichtigsten Werke über die Geschichte seiner Zeit unter dem Titel: "Annales Ferdinandei" (gedruckt, aber nur bis 1622 reichend, Regensb. u. Wien 1640-46, 9 Bde. Fol.; vollständig Leipz. 1716-26, 12 Bde.), die Geschichte Kaiser Ferdinands II. von seiner Geburt bis zu dessen Tod (1578-1637), in deutscher Sprache abzufassen. K. starb 13. Juni 1650 in Baden bei Wien. Vgl. Stülz, Jugend- und Wanderjahre des Grafen Fr. Chr. v. K. nach dessen eignen Aufzeichnungen (im "Archiv für Kunde österreich. Geschichtsquellen", 1850).

3) Hanns, jüngerer Bruder des vorigen, geb. 30. Mai 1597 zu Klagenfurt, besuchte seit 1613 Frankreich, Italien, England und die Niederlande und blieb dem protestantischen Glauben treu. Gleiches war bei dem jüngern Bruder, Bernhard, der Fall. Hanns erbte nach dem Tod seines Vaters Bartlmä die Kärntner Güter der Frankenburger Linie, einige Zeit unter der Vormundschaft seiner Stiefmutter und des ältern Bruders, Franz Christoph. 1624 ehelichte er die Tochter Bartlmäs, Freiherrn v. Dietrichstein. 1629 entschloß er sich, gerade so wie sein Stiefbruder Paul, um des Glaubens willen auszuwandern. Er trat im Sommer 1631 mit diesem in schwedische Dienste. Überdies hatten sie dem König Gustav Adolf mit bedeutenden Darlehen ausgeholfen. 1632 standen beide im Feld vor Donauwörth, Augsburg, Ingolstadt. Hanns starb schon 4. Aug. d. J. an den Folgen eines Schusses und wurde zu Nürnberg begraben. Drei Söhne überlebten ihn, die samt der Mutter durch den endlosen Konfiskationsprozeß in sehr bedrängte Lebenslage gerieten. Weder die Nachkommen von Hanns noch von Paul K. erhielten die konfiszierten Güter zurück, obwohl es im Westfälischen Frieden ausdrücklich versprochen wurde.

4) Ludwig Andreas, Graf von, Enkel Franz Christophs, geb. 11. Nov. 1683, trat früh in österreichische Kriegsdienste, ward Oberst im Dragonerregiment des Prinzen Engen von Savoyen, nahm als solcher teil an dem Sieg bei Peterwardein 1716 sowie an der Belagerung und Schlacht von Belgrad und schrieb als Kommandant von Essek während des Friedens die bekannten "Instruktionen für Kavallerie und Infanterie", die als ein Bild der damaligen Kriegsverfassung noch jetzt von Interesse sind. In Italien übernahm er 1734 nach dem Tode des Generals Mercy den Oberbefehl über die Armee. Im J. 1736 nach Wien zurückgekehrt, erhielt er die Ernennung zum Feldmarschall, Geheimrat und kommandierenden General in Slawonien. Im türkisch-russischen Krieg, in den Österreich als Verbündeter Rußlands verwickelt ward, führte K. 1737 unter Seckendorf die Kavallerie, nahm Nissa, schloß Widdin ein und lieferte beim Rückmarsch hinter den Timok mit 4000 Mann gegen 28,000 Mann das Gefecht bei Radojavacz. Als im österreichischen Erbfolgekrieg 1741 Wien bedroht wurde, setzte K. als Kommandant der Stadt, von der Bürgerschaft bereitwillig unterstützt, dieselbe in Verteidigungsstand, eroberte, als sich die Bayern nach Böhmen wandten, im Winter 1741-1742 Linz und Passau, reinigte ganz Österreich vom Feind und drang in zwei Kolonnen in Bayern ein. Maria Theresia ehrte ihn durch Übersendung ihres Bildnisses und eines gemütvollen Handschreibens in sein Feldlager. Mit gleichem Glücke kämpfte er gegen Maillebois, besetzte Bayern, welches er 1742 hatte räumen müssen, im nächsten Jahr aufs neue und schloß 27. Juni den Vertrag von Niederschönfeld, wodurch Österreich die Besetzung Bayerns gesichert ward. Noch in demselben Jahr drang er durch Schwaben an den Rhein zur Armee Karls von Lothringen vor. Der Übergang über diesen Fluß mißglückte jedoch nach dreimaligem Versuch, und nachdem K. die Winterquartiere im Breisgau und in Bayern sich gesichert, kehrte er Ende 1743 nach Wien zurück, wo er, von der Kaiserin hoch geehrt, 26. Jan. 1774 starb. Die interessanten tagebuchartigen Aufzeichnungen Khevenhüllers umfassen die Jahre 1752-55, 1758-59 und 1764-67, soweit sie eben in den fünf Musterbänden des Pester Nationalmuseums enthalten sind, wurden auszugsweise bearbeitet von A. Wolf unter dem Titel: "Aus dem Hofleben Maria Theresias" (Wien 1858) und atmen den konservativen, dem neuerungslustigen Geiste und etikettefeindlichen Wesen des kaiserlichen Thronfolgers abholden Charakter des ehrenwerten Hofmannes. Vgl. Graf Thürheim, L. A., Graf von K.-Frankenburg (Wien 1878).

Khiwa, s. Chiwa.

Khlesl (auch Klesel oder Klesl), Melchior, österreich. Staatsmann, geb. 1552 zu Wien als Sohn eines Bäckers, trat, von den Jesuiten bekehrt, im 16. Jahr zur katholischen Kirche über, kam sodann als päpstlicher Alumnus ins Konvikt der Jesuiten, vollendete seine Studien in Ingolstadt, ward 1579 Priester und Dompropst in Wien, Kanzler der Universität und 1580 Offizial des Bischofs von Passau im Land unter der Enns, 1582 Hofprediger in Wien, 1588 Verwalter des Bistums Neustadt und 1598 zugleich Bischof von Wien. Mit größtem Eifer und erfolgreicher Energie bekämpfte er die Protestanten und stellte die verfallene und erschlaffte katholische Kirche in Österreich wieder her. 1599 trat er in die Dienste des Erzherzogs Matthias, als dessen Kanzler er die wichtigsten Geschäfte fast mit souveräner Selbständigkeit leitete. Als Haupt der katholischen Ständepartei verfocht er zugleich die Sache der Kirche gegen die Protestanten und brachte 1606 das Bündnis der Erzherzöge gegen Kaiser Rudolf zu stande. 1615 ward er Kardinal. Als es sich aber 1618 darum handelte, ob man den Böhmen nachgeben oder es auf einen großen Krieg ankommen lassen wolle, und K.