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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Khokan; Khosroes; Khulm; Khyber; Kiachta; Kiang; Kiangsi; Kiangsu; Kiangtschau; Kiatib; Kibdelophan; Kibitka

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Khokan - Kibitka.

zur Nachgiebigkeit riet, entledigten sich die Erzherzöge Ferdinand und Maximilian seiner, indem sie ihn 20. Juni 1618 in der Burg gefangen nehmen und nach dem Schloß Ambras in Tirol abführen ließen, wo er mehrere Jahre blieb, bis die päpstliche Kurie ihn 1622 als Kardinal der römischen Kirche vor ihre Gerichtsbarkeit forderte. In Rom wurde er aber entlassen, kehrte 1627 in die Heimat zurück und starb 18. Sept. 1630 in Wien. Seine zahlreichen Briefe sind in biographischer Darstellung von Hammer-Purgstall (Wien 1847-51, 4 Bde.) veröffentlicht. Vgl. Kerschbaumer, Kardinal Klesel (Wien 1865).

Khokan, Landschaft, s. Chokand.

Khosroes, s. Chosroes Nuschirwan.

Khulm, Landschaft, s. Chulm.

Khyber, Paß, s. Chaiber.

Kiachta, Handelsplatz im asiatisch-russ. Gebiet Transbaikalien, liegt dicht an der chinesischen Grenze, 703 m ü. M., in einem von hohen Bergen umgebenen Sandsteppenthal, das der Bach K. durchfließt, nur 500 m vom chinesischen Stapelplatz Maimatschin (s. d.) entfernt und bildet die Vor- oder Unterstadt zu der 4 km nördlicher gelegenen Festung Troitzkosawsk (s. d.), mit der K. durch eine vorzügliche Straße verbunden ist. Beide Orte bilden mit der noch weiter gegen N. an der Selenga liegenden Staniza Ust-K. eine Stadthauptmannschaft von (1882) 8961 Einw., wovon etwa 950 auf K. selbst entfallen. Letzteres ist von hölzernen Mauern und Bastionen eingeschlossen, hat eine breite, aus zwei Reihen stattlicher Steinhäuser gebildete Hauptstraße, eine schöne Kathedrale, einen mächtigen Kaufhof, mehrere Unterrichtsanstalten und einen öffentlichen Garten mit Pavillons. Im Vertrag von Nertschinsk (1689) als einziger russischer Grenzhandelsplatz bestimmt, wurde K. der Mittelpunkt des chinesisch-russischen Handels, besonders als Katharina II. das Monopol der Krone für den Pelzhandel zugleich mit dem ausschließlichen Recht, nach Peking Karawanen zu senden, aufhob. Berühmt war namentlich die seit 1727 bestehende Dezembermesse von K., auf welcher russische Erzeugnisse gegen chinesische Waren durch Tauschhandel umgesetzt wurden, und durch deren Vermittelung allein der sogen. Karawanenthee nach Europa gelangte. Die Kaufleute in K. genossen seit 1762 fast ein Monopol des chinesischen Handels, büßten aber viel ein, als der Vertrag von Peking vom 14. Nov. 1860 den Handel längs der ganzen russisch-chinesischen Küste freigab und auch chinesische Häfen den russischen Schiffen eröffnete. Von da an datiert der Verfall Kiachtas. Der russische Handel nahm mit Benutzung andrer Straßen durch die Mongolei, zum Teil auch des Meers seinen Weg nach den Seehäfen Tientsin, Hongkong und Futschou; der Absatz von russischen Fabrikaten in den nördlichen Provinzen hörte auf, und die Einkäufe von Thee u. a. werden jetzt nicht mehr mit Waren, sondern mit barer Münze gedeckt. Daher betrug 1883 die gesamte russische Ausfuhr über K. nur 3,939,744 Rub., die Einfuhr dagegen 18,681,938 Rub. Die letztere besteht hauptsächlich in Thee, nächstdem in Baumwollwaren, Seide, Seidenwaren u. a., die erstere in Tuch, Baumwollwaren, Pelzwerk, Leder. K. wird von der russischen Steppenpost nach Peking berührt; der Verkehr vom Amur nach dem europäischen Rußland geht aber nördlich von K. Handelszüge brauchen von K. über Urga nach Kalgan (s. d.), dem Sammelpunkt der Waren, 37 Tage bei 1363 km Entfernung; die Entfernung von K. nach der sibirisch-europäischen Grenze beträgt 4132 km.

Kiang, s. Esel.

Kiangsi, Provinz im südöstlichen China, südlich vom Jantsekiang, umfaßt das Becken des Tschangkiang eines Nebenflusses des Jantsekiang, und hat ein Areal von 177,656 qkm (3226 QM.) mit (1882) 5,151,327 Einw. Die Provinz nimmt teil an Klima und Produkten des mittlern China. Hauptströme sind der Tschangkiang und der Kankiang, die sich beide durch zahlreiche Mündungen in den Pojangsee ergießen, dessen hochgelegener Wasserspiegel das umliegende Land sumpfig macht. Der Südostrand ist vom Nanschangebirge und seinen Ausläufern angefüllt; der Boden ist aber selbst hier fruchtbar und erzeugt große Quantitäten Reis, Weizen, Seide, Baumwolle, Indigo, Thee und Zucker. Die Provinz liefert auch die Gewerbsprodukte der benachbarten Provinzen, besonders in Nankingstoff und Porzellan. Nantschang, die Provinzialhauptstadt, liegt am Kankiang, nahe am südlichen Ufer des Pojangsees; diese Stadt wie Kiukiang (nördlich) und Kientschang (südlich davon), sind Sitze katholischer Missionen; in ersterer Stadt findet sich auch eine evangelische Mission. Hauptverschiffungshafen ist das am Jantsekiang gelegene, dem Fremdenhandel geöffnete Kiukiang, von wo aus einige der besten Theesorten und das in Kingtechin unweit des Pojangsees fabrizierte Porzellan bezogen werden. S. Karte "China".

Kiangsu, Provinz im östlichen China, am Gelben Meer gelegen, hat ein Areal von 103,959 qkm (1888 QM.) mit (1882) 20,905,171 Einw. Die Provinz, früher das Mündungsgebiet der großen Ströme Huangho und Jantsekiang, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. nur noch des letztern Flusses (vgl. Huangho), ist stark von Kanälen durchfurcht und sehr reich an Landseen. Diese und die benachbarten Provinzen gehörten zu den schönsten und fruchtbarsten des Landes; der Verfall des Kaiserkanals, der mit der Veränderung des Flußlaufs des Huangho zusammenhängt, hat aber die Provinz ihrer Hauptverkehrsader beraubt und große Überschwemmungen hervorgerufen. In K. liegen zwei den Fremden geöffnete Häfen: Tschinkiang und das wichtige Schanghai (s. d.); hier wie in Sutschou und Nanking wirken evangelische und katholische Missionäre. Die Stapelerzeugnisse sind: Getreide, Baumwolle, Thee, Reis, Seide. S. Karte "China".

Kiangtschau (Kiungtschau), Hauptstadt der chines. Insel Hainan, am Nordende derselben, 12 km von der Straße von Hainan, am linken Ufer des Takiang, wird umgeben von einer 12 m hohen Mauer und hat (1878) 200,000 Einw. Gewöhnlich versteht man unter K. die Stadt Hoihau, den Hafen von K., wo ein deutscher Konsul seinen Sitz hat. Der Hafen ist den Fremden geöffnet, aber seicht und Stürmen ausgesetzt, dennoch liefen 1885: 570 Dampfer mit 225,216 Ton. ein. Die Einfuhr wertete 1,234,206, die Ausfuhr 627,461 Haikuan Taels. Der Handel vertreibt Seide, Baumwollenstoffe, Arzneien, Opium, Tabak, Zucker, Zündhölzer und Petroleum.

Kiatib (arab., "Schreiber"), in der Türkei Benennung jedes Zivilbeamten mittlern und höhern Ranges, für den die Kenntnis der Schriftsprache unbedingt nötig ist.

Kibdelophan, s. v. w. Titaneisenerz.

Kibitka (russ.), eigentlich das zerlegbare Zelt der nomadisierenden Kirgisen; dann ein in Rußland gebräuchliches Fuhrwerk, das durch ein Dach von Matten einigen Schutz gegen die Witterung darbietet, während die Telega ein offener Bretterwagen ohne Bedeckung ist. Beide Fuhrwerke werden gewöhnlich mit drei Pferden bespannt, von denen eins im Joch läuft