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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kirchspiel; Kirchturmrennen; Kirchweihe; Kirgisen

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Kirchspiel - Kirgisen.

(2. Aufl. Berl. 1886); "Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe" (Heidelb. 1886). Auch gab er "Gedichte" (2. Aufl., Köth. 1877) und "Synchronismus der deutschen Nationallitteratur" (Berl. 1885) heraus.

Kirchspiel (Kirchensprengel, Parochie), der alle Ortschaften, welche in eine gewisse Kirche eingepfarrt und dem Pfarrer an derselben unterstellt sind, umfassende Bezirk; in England (parish) auch zugleich Verwaltungsbezirk, namentlich für die Armenpflege, Steuererhebung u. dgl. Das Wort K. (mittelhochd. kirspel) geht auf das althochdeutsche spël, "Rede, Verkündigung", zurück und bezeichnet somit den "Bezirk, soweit die Verkündigung der Kirche reicht".

Kirchturmrennen, s. Steeple-chase.

Kirchweihe, die religiöse Handlung, durch welche eine neuerbaute oder ihrer Bestimmung eine Zeitlang entzogene Kirche dem gottesdienstlichen Gebrauch feierlich gewidmet wird. Sie hat ihren Ursprung in der jüdischen Tempelweihe (Encaenia), die auch das "Fest der Lichter" hieß, weil man während desselben die Wohnungen erleuchtete. In der christlichen Kirche ist sie erst seit Konstantin d. Gr. bezeugt. Nach Vollendung einer Kirche wird dieselbe vom Bischof unter den im Pontificale Romanum vorgeschriebenen symbolischen Handlungen konsekriert. Am Tag zuvor hat der Bischof die Reliquien eines Heiligen in den Hochaltar innerhalb des neuen Gebäudes einzusenken und davor die Vigilien zu halten, und dieser Heilige gilt dann als Patron der Kirche, welcher er gewöhnlich seinen Namen leiht. In neuerer Zeit benannte man die Kirchen auch nach kirchlichen Ereignissen oder christlichen Glaubenssätzen (z. B. Kirche zur Verkündigung, Himmelfahrt, Dreifaltigkeit, zum Heiligen Geist etc.). In der evangelischen Kirche werden neuerbaute oder restaurierte Gotteshäuser bloß in einem feierlichen Gottesdienst dem kirchlichen Gebrauch übergeben. Sowohl bei Katholiken als bei Protestanten finden alljährlich zum Andenken an die Kircheneinweihung Feste statt, welche den Namen K., auch Kirchmesse und im gemeinen Leben zusammengezogen Kirmse, Kirmes führen. Sie kommen schon im 9. Jahrh. vor und sind im Lauf der Zeiten zu bloßen Volksfesten geworden, deren Hauptzweck Belustigung ist. In einigen Ländern, wie in Österreich, werden alle Kirchweihtage an einem und demselben Tage gehalten und finden dann im Herbst nach vollendeter Ernte statt, indem sie mit einer kirchlichen Feier eingeleitet werden.

Kirgisen (Kirghisen), türk. Volk in den Steppen Mittelasiens, dessen Gebiet nördlich etwa bis zum nördlichen Abhang des transilischen Alatau oder Alexandergebirges, westlich bis zum obern Lauf des Amu Darja, südlich bis zum Kuenlün, also in die Umgegend von Jarkand und selbst von Chotan, östlich im Thianschan bis zum Meridian von Kuldscha reicht. Ihr Name bedeutet türkisch so viel wie Räuber; sie selbst nennen sich Kassak (Chazak). Die eigentlichen K. sind nur die im Thianschan wohnenden, die im 5. Jahrh. am Jenissei und in den Sajanischen Bergen ihren Wohnsitz gehabt haben sollen und von hier im 10. Jahrh. durch die Hokas vertrieben sind; dieselben werden von den Russen Dikokammenije Kirghisy ("wilde Steinkirgisen"), von den Chinesen und Kalmücken Buruten, von den Kassaken Karakirgisen ("schwarze K.") genannt. Alle andern kirgisischen Völker außerhalb des Thianschangebirges führen die Bezeichnung der Kirgiskaisaken. Die äußere Erscheinung des K. (s. Tafel "Asiatische Völker", Fig. 8) verrät die mongolische Abstammung, obgleich es seine Schwierigkeiten hat, einen konstanten Charakter für Typus und Habitus herauszufinden. Die K. scheinen ein Gemisch der verschiedenartigsten Elemente zu sein, deren hauptsächlichstes wohl das türkische ist; ihre Sprache ist ein rein türkischer Dialekt. Die ziemlich stark hervorspringenden Backenknochen, die in den Winkeln etwas schief herabgezogenen Augen, welche wegen der wulstigen Ränder schmal geschlitzt und blinzelnd erscheinen, die meist etwas abgeplattete, breitflügelige Nase, der durchgehends große Mund mit besonders entwickelter wulstiger Unterlippe dürfen als die Rasseneigentümlichkeiten angesehen werden. Von Natur sind sie mittelgroß bis klein, aber gedrungen und kräftig gebaut; ihre Hautfarbe ist im ganzen dunkler als die der Europäer und hat einen mehr oder minder bräunlichen, zum Teil ins Gelbbräunliche ziehenden Ton. Sie sind Mohammedaner, von kriegerischem, wild unbändigem Charakter, noch vor 15 Jahren als Wegelagerer gefürchtet. Die echten K. zerfallen in zwei Völkerschaften, die Rechten (On) und die Linken (Sol), die wiederum in viele Hauptstämme und Geschlechter auseinander gehen; ihre Zahl wird auf 850,000 angegeben, wovon 169,000 unter russischer Herrschaft stehen. Die letztern zahlen keine Geldabgaben, sondern sind nur zu Naturalleistungen, Stellung von Transporttieren, Treibern und Wegweisern verpflichtet; die Verwaltung ist den Stammesoberhäuptern überlassen. Das Gastrecht ist dem K. heilig. Der Reiche unterscheidet sich nicht vom Armen, auch nicht der Herr vom Diener. Die K. verraten viel Anlage zur Musik, und die kriegerischen Improvisatoren stehen bei ihren Nachbarn, den Kassaken, in großem Ansehen. Ihr Anzug besteht aus weiten Hosen und Röcken von Wolle und aus hohen ledernen Stiefeln. Ihre Religion ist der Islam; seine Gebote halten sie aber nicht streng, und die Priester (Mullas) haben geringern Einfluß als unter den Kassaken. Als echte Nomaden leben sie hauptsächlich von der Viehzucht. Ihre Nahrung besteht aus Schaffleisch; Pferde werden nur bei großen Festen geschlachtet, und das Rindfleisch verachten sie. Wie alle mongolischen Nomaden, sind sie zum Trunke geneigt; ihr Lieblingsgetränk ist der Kumys (s. d.). Der Ackerbau ist mehr Nebenbeschäftigung, wird aber, wo er betrieben wird, mit Umsicht unter Anlage von Bewässerungen ausgeübt. Ihre Industrie ist nur Hausgewerbe, die Frauen weben und spinnen Wolle und wirken dauerhaften Filz. Fast alle notwendigen Bedürfnisse erhalten die K. durch den Handel. Die Kirgiskaisaken zerfallen in drei Hauptabteilungen oder Horden: 1) Ulu-dschus ("das große Hundert"), 2) Orta-dschus ("mittlere Hundert") und 3) Kitschi-dschus ("kleine Hundert"); zur letztern gehört noch die im Gouvernement Astrachan auf europäischem Boden nomadisierende sogen. innere oder Bukeische Horde. Ihre Gesamtzahl wird von einigen auf etwas über eine Million, von andern auf über zwei Millionen angegeben. Der Ackerbau beginnt sich unter ihnen allmählich einzubürgern und gilt nicht mehr wie früher als fast entehrend; ihr Hauptreichtum aber sind noch immer die Herden, auf denen ausschließlich ihre Existenz und ihr Erwerb beruhen. Durch vorzügliche Eigenschaften sind ihre Pferde ausgezeichnet, die das Material für die Armee, das Transportwesen und die ungeheuern Frachtzüge im sibirischen Verkehr liefern. Einzelne K. sollen mehr als 5000 Stück Pferde besitzen. Das zweitwichtigste Herdentier der K. ist das Schaf, von welchem einzelne Reiche 20,000 Stück besitzen sollen. Im ganzen wird die Gesamtzahl ihrer Pferde