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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kleist-Retzow; Kleistogamie; Kleistsche Flasche; Kleitomachos; Kleitor; Kleitos; Klek; Klemens; Klementinen; Klemm

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Kleistogamie - Klemm.

Peisistratiden 510 v. Chr. verschaffte, stellte sich darauf an die Spitze der demokratischen Partei, hob bei der Wiederherstellung der Solonischen Verfassung die frühere Einteilung der Geschlechter auf, führte die Besetzung der Ämter durch das Los und den Ostrakismos oder das Scherbengericht ein und nahm zahlreiche Metöken in die Bürgerschaft auf. Samt seinem Anhang durch Isagoras, den Führer der Aristokraten, mit Hilfe der Spartaner vertrieben, kehrte er schon 508 nach Athen zurück. Wegen eines schimpflichen Vertrags mit dem persischen Satrapen von Sardes, Artaphernes, wurde er indes 505 durch den Ostrakismos verbannt.

Kleistogamie (griech.), die fruchtbare Bestäubung der Narbe vor der Öffnung der Blüte, also unter Ausschluß der Fremdbefruchtung, findet sich bei einigen Wasserpflanzen, wie Ranunculus aquatilis, auch bei Landpflanzen, die neben den kleistogamischen gewöhnliche Blüten entwickeln, z. B. bei Viola-, Lamium-, Oxalis-Arten, die im Frühjahr normale, im Sommer und Herbst viel kleinere, unscheinbare kleistogamische Blüten entwickeln.

Kleist-Retzow, Hans Hugo von, konservativer Politiker, geb. 25. Nov. 1814 zu Kiekow bei Belgard in Hinterpommern, ward in Schulpforta erzogen, studierte in Göttingen und Berlin die Rechte, trat sodann als Auskultator in den Staatsjustizdienst, ward 1844 Landrat des Kreises Belgard, trat 1848 an die Spitze der streng konservativen Junkerpartei und war einer der Begründer der "Kreuzzeitung". 1849-52 gehörte er der reaktionären Partei im Abgeordnetenhaus an, war 1850 auch Mitglied des Staatenhauses in Erfurt und ward 1851 nach dem Sieg der Reaktion zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz ernannt, wo er mit der rücksichtslosesten Polizeiwillkür gegen den Liberalismus einschritt und sich zugleich zu dem Hof des Prinzen von Preußen in Koblenz in schroffste Opposition setzte. Nach Einsetzung der Regentschaft 1858 sofort entlassen, zog er sich auf sein Rittergut Kiekow zurück und beteiligte sich, obwohl als Vertreter der Familie v. Kleist ins Herrenhaus berufen, wenig an den öffentlichen Ereignissen zur Zeit der neuen Ära. Erst in der Konfliktszeit trat er wieder hervor und stellte sich nach dem Umschwung in Bismarcks innerer Politik nach 1866 an die Spitze der streng- oder altkonservativen Partei. Besonders die kirchliche Politik der Regierung seit 1871 bekämpfte er im Herrenhaus mit Scharfsinn und rhetorischer Gewandtheit, und in der Generalsynode 1879 war er einer der Führer der Strengkonfessionellen. Nach der Reorganisation der konservativen Partei 1876 stellte er sich an die Spitze des äußersten rechten Flügels der Deutschkonservativen im Reichstag, dem er seit 1877 angehört, und unterschied sich von den Ultramontanen nur durch seinen nie verleugneten preußischen Patriotismus. 1883 ward er zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt.

Kleistsche Flasche, s. v. w. Leidener Flasche.

Kleitomachos, aus Karthago gebürtig und dort Hasdrubal genannt, um 130 v. Chr. zu Athen des Karneades Schüler und 129-110 dessen Nachfolger als Leiter der platonischen Akademie, war Verfasser zahlreicher Schriften (angeblich 400), von denen jedoch nur wenige nach ihren Aufschriften oder aus einzelnen Bruchstücken bekannt sind.

Kleitor (Klitor), altgriech. Stadt im nördlichen Arkadien, freiheitsliebend und tapfer, später Mitglied des Achäischen Bundes, zu Strabons Zeit aber schon zerstört. Ihre Trümmer, Paläopolis genannt, finden sich östlich vom heutigen Dorf Klituras, das den alten Namen bewahrt.

Kleitos (Clitus), 1) K. der Schwarze, des Dropidas Sohn, Feldherr Alexanders d. Gr., dem er in der Schlacht am Granikos das Leben rettete. Er befehligte dann einen Teil der Leibwache und ward Satrap von Baktrien. Als er aber einst bei einem Gastmahl in Marakanda die Annahme orientalischer Sitten durch den König heftig tadelte, tötete ihn Alexander in der Trunkenheit (328 v. Chr.). K.' Schwester Hellanike war Alexanders Amme gewesen.

2) K. der Weiße, einer von den Phalangenführern Alexanders d. Gr., die unter Krateros die Veteranen nach Alexanders Tod nach Makedonien zurückführten. Im Lamischen Krieg (322 v. Chr.) befehligte er die makedonische Flotte und siegte über die Athener bei Amorgos und den Echinadischen Inseln. Bei der Teilung zu Triparadeisos (321) erhielt er die Satrapie Lydien, mußte aber 319 vor Antigonos fliehen und trat in Polysperchons Dienste. Als Flottenführer desselben siegte er über die vereinigte Flotte des Antigonos und Kassandros bei Byzantion, erlitt aber durch Unvorsichtigkeit am folgenden Tag eine Niederlage und verlor auf der Flucht das Leben (318).

Klek, 1) ehemals türk. Bucht an der Ostküste des Adriatischen Meers, gegenüber der dalmatischen Halbinsel Sabbiencello. Der zu dieser 7 km tiefen, aber äußerst schmalen und nur gegen NW. offenen Bucht gehörige Landstrich durchbricht von der Herzegowina aus, südlich von der Narentamündung und nördlich vom Ragusaner Gebiet das Königreich Dalmatien in einer Breite von nur wenigen Kilometern. Bis 1699 gehörte K. zu Dalmatien, im Karlovitzer Kongreß wurde es jedoch an die Türkei abgetreten und bildete für den Freistaat Ragusa eine Schutzwehr gegen den Übermut Venedigs. Nördlich von der Bucht liegt der kleine dalmatische Ort gleichen Namens. - 2) Kolossaler Felsblock von 1182 m Höhe in Kroatien. Am Fuß dieses zur Gebirgsgruppe der Großen Kapela gehörigen Felsens liegt der kroatische Markt Ogulin (s. d.).

Klemens, s. Clemens.

Klementinen, s. Clementinae und Corpus juris canonici.

Klemm, Gustav Friedrich, Kulturhistoriker, geb. 12. Nov. 1802 zu Chemnitz, studierte in Leipzig und siedelte 1825 nach Dresden über, wo er seine Werke: "Attilla nach der Geschichte, Sage und Legende" (Leipz. 1825) und die "Geschichte von Bayern" (Dresd. 1828, 3 Bde.) beendete, auch als Dichter in dem "Herfest" (Zerbst 1829) auftrat. 1830 wendete er sich nach Nürnberg, wo er den "Kriegs- und Friedenskurier" redigierte, ward dann im November 1831 als zweiter Sekretär an die königliche Bibliothek nach Dresden berufen, übernahm 1833 die Aufsicht über die königliche Porzellan- und Gefäßsammlung im Japanischen Palais, von der er eine Beschreibung (Dresd. 1834, 2. Aufl. 1842) veröffentlichte, ward 1834 königlicher Bibliothekar, durchreiste 1838 mit dem damaligen Prinzen Johann Italien und ward 1852 Hofrat und Oberbibliothekar. 1864 wegen eines Augenübels aus seinem Amt ausgeschieden, starb er 26. Aug. 1867 in Dresden. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: "Chronik der Stadt Dresden" (Dresd. 1833-37); "Handbuch der germanischen Altertumskunde" (das. 1835); "Zur Geschichte der Sammlungen für Wissenschaft und Kunst in Deutschland" (Zerbst 1837, 2. Ausg. 1838); "Italica; Reise durch Italien" (Dresd. 1839); "Allgemeine Kultur-^[folgende Seite]