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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kleomenes; Kleon; Kleonä

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Kleomenes - Kleonä.

3) K. III., Sohn des Königs Leonidas II. und der Kratesikleia, einer der ausgezeichnetsten spartanischen Frauen, übernahm 235 v. Chr. im Alter von 19 Jahren das Königtum. Mit Agiatis, der Witwe Agis' IV. (s. d.), vermählt, übernahm er es, die Pläne desselben auszuführen. Die königliche Würde hatte ihre Bedeutung ganz verloren; alle Macht im Staat war, besonders zum Nachteil der niedern Stände, in den Händen der Ephoren. Durch ruhmvolle Thaten in auswärtigen Kriegen gedachte K. erstere wiederherzustellen. So vereitelte er 228 einen Versuch des Achäischen Bundes, unter dem Strategen Aratos einige mit Sparta verbündete arkadische Städte für sich zu gewinnen, und schlug die Archäer bei dem Berg Lykäon aufs Haupt. 226 schritt er zur Ausführung seiner Reformpläne; er ließ die Bürger, auf deren Zustimmung er nicht hoffen durfte, im Lager in Arkadien zurück, zog dann gegen Sparta, ließ von den gerade versammelten Ephoren vier töten, verbannte 80 der angesehensten Bürger, erklärte dem Volk, daß es fortan keine Ephoren mehr geben solle, und gebot Aufhebung der Schulden und Herstellung eines gleichmäßigen Grundbesitzes. Eine Anzahl der angesehenen Periöken machte K. zu Bürgern, vermehrte dadurch seinen Anhang und erhielt ein Heer von 4000 einheimischen Hopliten; seinen Bruder Eukleidas nahm er zum Mitkönig an. Er stellte darauf die altspartanische Jugenderziehung und das Zusammenspeisen (Syssitien) der Bürger wieder her und wurde durch Einfachheit und Strenge gegen sich selbst ein Muster für sein Volk. Um der neuen Staatsordnung Achtung zu verschaffen, erneuerte er den Kampf mit dem Achäischen Bund. Er verheerte zuerst das Gebiet von Megalopolis, gewann Mantineia und Tegea und schlug die Achäer bei Hekatombäon unweit Dyme. Aber Aratos rief den makedonischen König Antigonos Doson 224 zu Hilfe, der sich Argos' und während des Sommers 223 fast sämtlicher mit Sparta verbündeter arkadischen Städte bemächtigte; um so bedenklicher wurde K.' Lage, als auch die vom ägyptischen König Ptolemäos Euergetes zugesagte Hilfe ausblieb. Als aber während des Winters 223/222 Antigonos einen Teil seiner Truppen sorglos nach Makedonien entlassen hatte und die übrigen in den Winterquartieren hielt, eroberte und zerstörte K. Mantineia. Auch vor Argos erschien er zweimal, verheerte das Gebiet und machte kühne Streifzüge nach Phlius, Onogyrtos und Orchomenos, unterlag aber in der Entscheidungsschlacht bei dem Paß von Sellasia nach einem langen und heißen Kampf und entkam mit nur wenigen Reitern nach Sparta (221). Hier riet er den Bürgern, den König Antigonos ohne Widerstand aufzunehmen, und eilte mit wenigen Freunden nach Gytheion, um sich nach Alexandria einzuschiffen und bei Ptolemäos Euergetes Hilfe zu suchen. Indes dieser starb, ehe er sein Versprechen erfüllen konnte, und sein Nachfolger Ptolemäos Philopator kümmerte sich, in Lüsten versunken, nicht um K., ja ließ ihn wegen Spöttereien über seine Lebensweise gefangen setzen. K. entkam und rief das Volk zur Freiheit. Als dies aber unthätig blieb und die Besetzung der Burg mißlang, gab er sich mit seinen Genossen den Tod (220). Ptolemäos befahl, K.' Leichnam in eine Haut zu nähen und aufzuhängen, seine Familie aber hinzurichten. Das Leben des K. beschrieb Plutarch.

Kleomenes, griech. Bildhauer, Sohn des Apollodoros, aus Athen, wird auf der jetzt als gefälscht erkannten Inschrift am Fuß der berühmten Statue der Mediceischen Venus (s. Tafel "Bildhauerkunst IV", Fig. 5) genannt. Ein andrer Künstler dieses Namens, ebenfalls Athener, aber Sohn eines gleichnamigen Bildhauers, fertigte die Statue eines früher mit Unrecht Germanicus genannten Römers, in Gestalt eines Hermes, jetzt im Louvre (Paris) befindlich.

Kleon, berüchtigter Demagog in Athen, Sohn des Kleänetos, von dem er eine von Sklaven betriebene Gerberei erbte. In dem Unwillen, den zu Anfang des Peloponnesischen Kriegs Perikles' Zögerung, sodann seine verunglückte Expedition nach dem Peloponnes 430 v. Chr. und die in der überfüllten Stadt ausgebrochene Pest gegen diesen hervorriefen, sah K. für sich eine Aufforderung, Volksführer zu werden und Perikles durch einen Rechenschaftsprozeß zu stürzen, mußte jedoch bald dem wieder steigenden Einfluß desselben weichen. Nach des Perikles Tod (429) aber siegte K. über alle Mitbewerber um die Volksgunst. Durchaus ungebildet und roh, aber begabt mit natürlicher Beredsamkeit, verstand er, mit seiner gewaltigen Stimme alles betäubend und auf der Rednerbühne sich pöbelhaft gebärdend, seinen Willen durchzusetzen, indem er mit unerhörter Frechheit die Wahrheit entstellte, Andersgesinnte mit beißendem Spott verfolgte, das Volk, dessen Gunst er durch Erhöhung des Richtersoldes gewann, durch Gerüchte von Verschwörungen ängstigte, mit seinen Verdiensten um die Demokratie prahlte, ja sich bei seinen Vorschlägen nicht selten auf göttliche Eingebungen berief. Einflußreiche Gegner beseitigte er durch das Unwesen der Angeber (Sykophanten). So brachte er es schon 427 zu großem Ansehen und Einfluß. Um diese Herrschaft über das Volk zu behaupten, verhinderte er eine Versöhnung mit Sparta und hetzte zur Fortsetzung des Kriegs, indem er die Athener über die Kräfte des Staats täuschte. Nach der Unterwerfung von Lesbos (427) verleitete er das Volk zu dem übereilten (nachher zurückgenommenen) Beschluß, alle erwachsenen Männer zu töten. Der schüchterne Nikias, das Haupt der gemäßigt Gesinnten, war dem dreisten K. nicht gewachsen. Als daher die Spartaner, durch die mißliche Lage ihrer auf der Insel Sphakteria eingeschlossenen 420 angesehenen Burger bewogen, den Athenern den Frieden antrugen (425), war es K., welcher dessen Abschluß hintertrieb und, auf den zum Strategen gewählten Nikias anspielend, erklärte, einem tüchtigen Feldherrn müßte es ein Leichtes sein, sich der wenigen Spartaner zu bemächtigen; er selbst, wäre er Strateg, wollte sich dazu anheischig machen. Man nahm ihn beim Wort, und er sah sich wider Willen genötigt, die Befehlshaberstelle anzunehmen; großsprecherisch erklärte er, binnen 20 Tagen die eingeschlossenen Spartaner lebendig oder tot in seiner Gewalt zu haben. Wirklich ging dieses Versprechen, freilich lediglich durch die Tüchtigkeit seines Mitfeldherrn Demosthenes, in Erfüllung. Trunken von dem unverdienten Feldherrnruhm, zog K. bald darauf (422) gegen den spartanischen Feldherrn Brasidas mit einer beträchtlichen Anzahl Fußvolk und Reiterei nach Thrakien, verlor aber in der Nähe von Amphipolis Sieg und Leben. Aristophanes hat 424 in den "Rittern" ein vortreffliches Bild des K. als paphlagonischen Sklaven gegeben; die Furcht vor K. war aber so groß, daß niemand eine Maske von ihm zu verfertigen und kein Schauspieler die Rolle des Sklaven zu spielen wagte; Aristophanes mußte sie selber mit bemaltem Gesicht spielen. Vgl. Brock, Zur Beurteilung Kleons (Celle 1859); Pauli, Beitrag zur Würdigung des K. (Frankf. a. M. 1873).

Kleonä, altgriech. Stadt in Argolis, auf der Straße von Korinth nach Argos, erst den Korinthern, dann