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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Klima

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Klima.

dampfes, desto unregelmäßiger die Windverhältnisse und desto schwächer und ungleichmäßiger verteilt die Menge des atmosphärischen Niederschlags. Das kalte K. umfaßt die Gebiete der beiden kalten Zonen; ihre Mitteltemperatur ist 4° C. und darunter. Gerade in diesem K. ist die Temperatur das meteorologische Element, welches den entscheidenden Einfluß auf die klimatologischen Zustände ausübt. Die Temperaturbeobachtungen in den Polargegenden sind zwar vorläufig noch lückenhaft, doch hat es sich bereits herausgestellt, daß auf der nördlichen Halbkugel die niedrigste mittlere Jahrstemperatur nicht auf den geographischen Nordpol fällt, der geographische Nordpol und der Kältepol also verschiedene Punkte sind. Obgleich in den letzten Dezennien während der Überwinterungen in arktischen Gegenden mehrfache Temperaturbeobachtungen ausgeführt sind, so fehlt doch noch viel, bis wir über die Witterungsverhältnisse der kalten Zone aufgeklärt sein werden. Als charakteristisches Kennzeichen des Polarklimas kann man ansehen, daß während der strengen Kälte des Winters (als niedrigste Temperatur hat man in Floeberg Beach, Grantland, 82° 27' nördl. Br., im Winter 1875/76 -58,8° C. beobachtet) der Himmel klarer ist als im Sommer, wo bei etwas milderer Luft Nebel mit Regen und Schnee zu wechseln pflegt. Die Perioden eines heitern Himmels dauern dann, wenn südliche oder westliche Winde über das vom Eis freie Meer wehen, meistens nur wenige Tage oder selbst auch nur Stunden. Außer den durch die Zonen bedingten Klimaten unterscheidet man nun noch das ozeanische oder See-, Insel- oder Küstenklima im Gegensatz zum kontinentalen oder Binnenlandklima, das Gebirgsklima im Gegensatz zum Tieflandsklima und das K. von Hochebenen. Das ozeanische oder Seeklima zeichnet sich aus durch relativ hohe Wintertemperatur und relativ niedrige Sommertemperatur, geringe jährliche und tägliche Veränderung der Temperatur, große Feuchtigkeit, starke Winde, zumal im Winter, viel Niederschlag und dichte Bewölkung; das kontinentale oder Binnenlandsklima durch warmen Sommer und kalten Winter, trockne Luft, schwache und unregelmäßige Winde, klaren Himmel und wenig Niederschlag. Das feste Land, welches die Wärmestrahlen leichter absorbiert und ausstrahlt als das Meer, wird sich schneller erwärmen und leichter wieder erkalten als dieses, welches wegen der größern spezifischen Wärme des Wassers nicht so schnell erwärmt wird, aber die einmal erlangte Wärme auch nicht so rasch wieder abgibt. Die Temperatur der Meeresoberfläche ist deshalb gleichförmiger und die Größe ihrer Schwankungen, sowohl der jährlichen als auch der täglichen, geringer als in der Mitte der großen Kontinente. Außerdem wird die Ausgleichung der Temperaturextreme in der Nähe der Küsten auch noch dadurch bewirkt, daß der Himmel hier meistens bedeckt ist und dadurch sowohl der wärmende Einfluß der Sonnenstrahlen im Sommer als auch die Erkaltung der Erdoberfläche durch Wärmestrahlung im Winter verhindert wird. Inseln, Küsten und Halbinseln teilen das weniger veränderliche Seeklima, während die Unterschiede zwischen Sommer- und Wintertemperatur desto größer werden, je weiter man sich von den Küsten entfernt. Einige besonders charakteristische Beispiele von See- und Kontinentalklima sind in der folgenden Tafel zusammengestellt, in welcher außer der mittlern Jahrestemperatur auch die Mitteltemperatur für den kältesten und wärmsten Monat und deren Differenz angegeben ist:

Seeklima.

Ort Geogr. Mittlere Temperatur Unterschied

Breite Jahr. wärmster Monat. kältester Monat .

nördlich °C. °C. °C °C

Reykjavik (Island) 64° 8' 4,1 13,4 -2,1 15,5

Bergen 60° 24' 8,2 15,8 1,7 14,1

Edinburg 55° 57' 8,4 14,8 3,0 11,8

Dublin 53° 23' 9,5 16,0 3,6 12,4

Fort Vancouver (Nordamerika) 45° 49' 11,0 18,9 3,3 15,6

Lissabon 38° 42' 16,4 22,3 10,8 11,5

Funchal (Madeira) 32° 38' 19,8 23,3 17,3 6,0

Kontinentalklima.

Ort Geogr. Mittlere Temperatur Unterschied

Breite Jahr. wärmster Monat. kältester Monat .

nördlich °C. °C. °C °C

Jakutsk 62° 2' -10,6 16,9 -43,0 59,9

Petersburg 59° 56' 2,5 17,6 -10,5 28,1

Moskau 55° 45' 5,2 19,1 -10,2 29,3

Irkutsk 52° 17' 0,3 18,3 -19,6 37,9

Bukarest 44° 26' 8,0 20,1 -6,5 26,6

Peking 39° 54' 12,9 27,6 -3,3 31,3

Bagdad 33° 20' 23,1 34,5 7,0 27,5

Europa ist unter allen Ländern gleicher geographischer Breite in Bezug auf seine Wärmeverhältnisse ganz besonders günstig gelegen, indem es bei verhältnismäßig warmem Sommer und gelindem Winter im Sommer dem Kontinentalklima und im Winter dem Seeklima zugehört und darin das Gegenteil von Nordamerika bildet, welches mit seinem verhältnismäßig kühlen Sommer zum Seeklima und mit seinem strengen Winter zum Kontinentalklima gehört. Daß die Einflüsse des Land- und Seeklimas auf das Gedeihen der Kulturpflanzen von der größten Bedeutung sind, ist klar. An vielen Orten Sibiriens wird z. B. bei einer mittlern Jahrestemperatur von -10,3° C. während des kurzen und heißen Sommers Getreide auf einem Boden gebaut, welcher in einer Tiefe von 1 m stets gefroren bleibt, während auf Island bei einer viel höhern mittlern Jahrestemperatur und einem viel mildern Winter der Bau von Getreide nicht mehr möglich ist, weil die dort herrschende niedrige Sommertemperatur dasselbe nicht mehr zur Reife gelangen läßt. Das K. von Gebirgen ist dadurch charakterisiert, daß die Temperatur mit wachsender Erhebung über die Meeresfläche abnimmt, und daß große Gebirgsmassen die Luft durch die auf ihnen angesammelten Eis- und Schneemassen abkühlen. Auch haben die Gebirge einen wesentlichen Einfluß auf die atmosphärischen Niederschläge, die in unsern Gegenden vorzugsweise auf der südwestlichen Seite erfolgen und bei isoliert liegenden Gebirgen, wie z. B. beim Harz, wesentlich verschiedene Feuchtigkeitsverhältnisse auf der südwestlichen und der nordöstlichen Seite zur Folge haben. Auf Hochebenen von bedeutendem Umfang wird es im allgemeinen wärmer sein als auf isolierten Bergspitzen von gleicher Höhe. In den mexikanischen Gebirgen hört z. B. in einer Höhe von 4270 m jede Vegetation auf und liegt die Schneegrenze bei 4550 m Höhe, während bei gleicher südlicher Breite auf den Hochebenen von Südamerika eine ackerbauende Bevölkerung in einer größern Höhe wohnt (Potosi liegt 4250 m hoch) und die Schneegrenze erst in einer Höhe von 5760 m zu finden ist. Lokal beeinflußt kann das K. werden durch die Natur der Erdoberfläche. Große Waldungen schwächen die Extreme der Temperatur, vermehren