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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Knicanin - Kniebis.

Knicanin (spr. knitscha-), Stephan Petrowitsch, serb. General, geb. 1809 zu Knic im Kragujewatzer Kreis in Serbien, ward Kaufmann und erwarb sich bald einen bedeutenden Einfluß. 1832 wurde er in die Umgebung des Fürsten Milosch gezogen, 1835 zum Brigadekapitän von Josenitza und 1839 zum Kreischef von Semendria befördert. Nach Milosch' Rücktritt verlor er jedoch seinen Einfluß bei der Regierung, und unter dem Fürsten Michael ward er 1840 des Landes verwiesen. Er ging nach Widdin, wurde aber schon 1842 vom Fürsten Alexander zurückgerufen und zum Senator ernannt. Im Krieg der österreichischen Serben gegen die Ungarn (1848) stellte er sich an die Spitze einer Freischar, die den erstern zu Hilfe zog, ward von den Serben zum Nationalobersten ernannt und vereinigte sich im Lager von Vratzschevgaj im Banat mit Bobalitsch, wurde aber nach mehreren unglücklichen Gefechten gegen Kiß zum Rückzug über die Theiß genötigt. Auf Befehl seiner Regierung kehrte er im Februar 1849 mit seinen Serben in die Heimat zurück, wurde daselbst Senator, Ende 1854 Kriegsminister und Konseils-Präsident des Fürsten Alexander und starb 26. Mai 1855 in Belgrad.

Knick, in Norddeutschland Bezeichnung für Hecke, besonders als Wiesenzaun, der alle drei oder vier Jahre gekappt ("geknickt") wird; auch norddeutsche Bezeichnung für einen Thon, welcher die Unterlage von Torfmooren bildet (s. Torf).

Knickbeere, s. v. w. gemeine Erdbeere.

Knickebein, eine Likörmischung aus Curassao und Maraskino, in welche ein rohes Eidotter geschlagen wird.

Knickerbocker (engl., spr. nick-), Spitzname der Einwohner von New York, ursprünglich der Holländer, welche die Kolonie gründeten (Washington Irving schrieb seine humoristische Geschichte von New York unter diesem Namen).

Knickmaschinen, s. Flachs, S. 330.

Knickpyramide, die südlichste der bei Dahschur in Ägypten gelegenen Pyramiden, deren Kanten geknickte Linien bilden, da sich etwa in halber Höhe derselben der Neigungswinkel verändert.

Knidarier, s. Cölenteraten.

Knidia, Beiname der Aphrodite nach der Stadt Knidos in Karien, für welche Praxiteles die berühmte Bildsäule der nackten Göttin verfertigt hatte, von der sich noch Nachbildungen in Rom und München befinden, während das Urbild im 5. Jahrh. n. Chr. zu Konstantinopel bei einem Brand untergegangen sein soll.

Knidos (lat. Gnidus), Hauptstadt des Dorischen Bundes in Kleinasien, beim Vorgebirge Triopion (Kap Krio) in Karien, Hauptsitz des Kultus der Aphrodite, deren von Praxiteles verfertigte Statue sich dort befand (s. Knidia). Auch feierte man daselbst gemeinschaftlich mit Rhodos, Kos und Halikarnassos die Kampfspiele des triopischen Apollon. Die Stadt hatte zwei Häfen und stand lange Zeit in hoher Blüte. Hier 394 v. Chr. die Seeschlacht zwischen den Athenern und Persern unter Konon und den Spartanern unter Pisander, worin erstere siegten.

Knie (Genu), im allgemeinen ein in einen Winkel gebogener Teil; im besondern an der Hintergliedmaße der höhern Wirbeltiere die Verbindungsstelle von Ober- und Unterschenkel. Bei den Säugetieren wird es von dem Ende des Oberschenkelknochens, dem obern Ende des Schienbeins, der Kniescheibe, vielen Bändern sowie Muskeln etc. gebildet. Das Kniegelenk des Menschen (s. Tafel "Bänder des Menschen") gestattet wegen der es umgebenden Kapsel und der innerhalb und außerhalb derselben liegenden Bänder dem Unterschenkel nur die Beugung und Streckung bis zu etwa 150°, doch ist damit zugleich eine seitliche Bewegung (Rollung) verbunden. Vorn wird das Gelenk von der Kniescheibe (patella) überdeckt, welche unmittelbar unter der Haut liegt und nichts als eine Verknöcherung (sogen. Sesambein) der mächtigen Strecksehne für den Unterschenkel vorstellt. Diese (s. Tafel "Muskeln des Menschen") nimmt nämlich die Fasern der vier Streckmuskeln in sich auf, geht zur Kniescheibe und setzt sich jenseit derselben an das obere Ende des Schienbeins an. Die Kniescheibe gleitet daher bei Streckung des Unterschenkels über das Kniegelenk weg nach oben hin. Durch die Sehnen, welche hinten an der innern und äußern Seite des Knies vom Oberschenkel zum Unterschenkel gehen, entsteht die Kniekehle (fossa poplitea), in deren Tiefe wichtige Blutgefäße und Nerven verlaufen. Verletzungen des Knies sind wie die der andern Gelenke zu beurteilen und zu behandeln. Nach Verrenkungen wird das K. selten wieder völlig gebrauchsfähig; Beschädigungen der Kniescheibe heilen bei zweckmäßiger Behandlung ohne bleibenden Nachteil. Entzündungen des Kniegelenks sind gewöhnlich sehr langwierig und gefährlich (s. Gelenkentzündung). In der Gelenkflüssigkeit bilden sich bisweilen Gelenkmäuse (s. d.), und bei Personen, die viel knieen, entsteht eine Wassersucht des Schleimbeutels am Kniescheibenband, welche durch völlige Ruhe des Gelenks, Druckverbände oder durch Operation zu beseitigen ist.

Kniebeugung, seit dem Altertum ein Zeichen der Ehrerbietung vor einem Höhern, namentlich vor Gott. In der katholischen Kirche ist sie besonders dem Altarsakrament gegenüber vorgeschrieben; in der evangelischen Kirche ist sie wohl beim Genuß des Abendmahls, hier und da auch bei der Entgegennahme der Absolution in der Beichte und an Bußtagen üblich, nirgends aber gesetzlich. Eine Verfügung des bayrischen Ministers v. Abel, welcher 1838 auch die protestantischen Soldaten zur K. nötigen wollte, führte zu einem mehrjährigen heftigen Streit, an dem sich unter andern Döllinger, Harleß und Thiersch in Schriften beteiligten.

Kniebis, ein Gebirgsstock des Schwarzwaldes auf der badisch-württemberg. Grenze, mit weitgebreitetem Rücken, der im Roßbühl 965 m Höhe erreicht und eine herrliche Fernsicht über Vogesen und Alpen sowie den größten Teil des Schwarzwaldes und Schwabens bis an die Berge Tirols gewährt. Vier Flüsse, Murg, Acher, Rench (zum Rhein) und Wolf (zur Kinzig), nehmen am K. ihren Ursprung, und mehrere Hochseen liegen in seinem Bereich. Die Hochebenen sind meist kahl und sumpfig oder mit Heidekraut bewachsen, die Abhänge mit Nadelholz, das weiter unten mit Laubholz untermischt ist, bekleidet; die Thalregion enthält kultiviertes Land mit besonders stark betriebenem Obstbau. Über den K., der von jeher ein Hauptbollwerk des südlichen Deutschland gegen feindliche Invasionen von Westen her bildete, führt die strategisch wichtige Kniebisstraße, die an der 1734 gegen die Franzosen errichteten Alexanderschanze 972 m Höhe erreicht. Hier liegt der teils zu Baden, teils zu Württemberg gehörige Luftkurort K. mit (1885) 184 Einw. Der K. ist reich an Mineralquellen, vorherrschend kohlensäurehaltigen Eisensäuerlingen, die viel besucht werden. Zu diesen Kniebisbädern gehören: Freiersbach, Petersthal, Griesbach im Renchthal, Antogast und Rippoldsau (s. diese Artikel).