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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Knetmaschinen; Kniaziewicz; Kniaznin

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Knetmaschinen - Kniaznin.

teils durch die Haargefäße, in welche sie vermöge der Diffusion gelangen. Metzger nahm an, daß es möglich sei, durch von außen einwirkenden Druck sowie durch Erregung von Muskelkontraktionen und dadurch bewirkte lebhafte Steigerung des Blutlaufs und Stoffwechsels diese Resorption in wirksamster Weise zu befördern, und die zahlreichen augenfälligen Heilerfolge, welche durch die K. erreicht worden sind, sprechen für die Richtigkeit dieser Annahme. Metzger unterscheidet verschiedene Arten des Knetens und hat für jede bestimmte Indikationen ausgestellt. a) Effleurage, sanftes zentripetales Streichen mit der flachen Hand, wird angewandt bei akuten Entzündungen der Schleimbeutel, der Gelenke und Weichteile. b) Massage à friction wird kräftiger ausgeübt und setzt sich aus kreisförmigen und zentripetalen Streichungen zusammen, ist indiziert bei chronischen und subakuten Entzündungen der Schleimbeutel und Gelenke, Sehnenscheidenergüssen, chronischen Infiltrationen einzelner Muskeln. c) Pétrissage, eigentliches Kneten, wird bei Muskelschwellungen, die bei chronischem Rheumatismus, Ischias etc. vorkommen, auch gegen Muskelatrophie, Muskellähmungen (durch Bleivergiftung etc.) angewandt. Der Muskel wird dabei möglichst aus seiner Umgebung herausgehoben und zwischen den Händen geknetet sowie mittels der flachen Hand unter gleichzeitigem Drucke gerieben. d) Tapottement besteht in Klopfen und Pochen auf den kranken Teil. Die geschlossene Hand wirkt auf tiefere, die flache auf oberflächliche Gebilde. Es wird angewandt namentlich bei Nervenleiden, teils um stärker zu reizen, teils zur Herabsetzung von Hyperästhesien. Bei Neuralgien, besonders des Gesichts, kann man sich zum Klopfen auch des Perkussionshammers bedienen. Die Knetung wird zweimal, mitunter drei- bis viermal täglich, jedesmal etwa 6-8 Minuten, angewandt. Die akuten Entzündungen, namentlich der Gelenke und Sehnen, sind, falls nicht schon Eiterung besteht, die dankbarsten Objekte für die K.; nur das Hüftgelenk ist seiner tiefen Lage wegen der Knetung zu wenig zugänglich. Gute Erfolge werden auch erzielt bei den sogen. Gelenkneuralgien, bei reiner Ischias, bei chronischen, besonders traumatischen, Muskelaffektionen, mitunter bei Podagra und selbst noch bei manchen Formen von Tumor albus. Bei akutem Gelenkrheumatismus wirkt die K. weniger günstig, doch soll sie denselben im spätern Verlauf abkürzen können. Nicht anwendbar ist die K. bei Gelenkaffektionen, denen Knochenkrankheiten zu Grunde liegen, ebenso nicht bei Nerven- und Muskelleiden, denen eine Gehirn- oder Rückenmarksveränderung zu Grunde liegt. Alle Patienten dürfen sich während der Kur frei umherbewegen, selbst bei akuten Gelenkentzündungen, um auch noch dadurch die Resorption zu befördern. Außer den angegebenen Methoden wendet Metzger passive Bewegungen und den Gipsverband in ausgedehntem Maßstab an. Die K. hat die Aufmerksamkeit der gesamten medizinischen Welt erregt, so daß in neuerer Zeit die Anstalt Metzgers von Ärzten aller Länder zum Studium des Verfahrens besucht wird. Vgl. Busch, Handbuch der Gymnastik, Orthopädie und Massage (Leipz. 1852); Gussenbauer, Erfahrungen über Massage (Prag 1882); Reibmayr, Die Massage und ihre Verwertung (3. Aufl., Wien 1887); Derselbe, Die Massagebehandlung populär dargestellt (das. 1883); Derselbe, Technik der Massage (2. Aufl., das. 1886); Hünerfauth, Handbuch der Massage (Leipz. 1887); Derselbe, Geschichte der Massage (Berl. 1886).

Knetmaschinen, Vorrichtungen zum Bearbeiten teigartiger Massen, finden Verwendung in der Thonwaren- und Kautschukindustrie sowie in der Bäckerei und erhalten je nach der Natur des zu knetenden Materials verschiedene Konstruktion. Vgl. die betreffenden Artikel.

Kniaziewicz (spr. knjasjewitsch), Karl, berühmter poln. General, geb. 4. Mai 1762 in Kurland aus einer altadligen Familie Litauens, trat 1778 in das Artilleriekorps der Republik und gab während des kurzen Kriegs von 1792 glänzende Beweise von Tapferkeit. In der Schlacht bei Dubienka (17. Juli 1792) erwarb er sich das Ritterkreuz "Virtuti militari" und wurde nach den Schlachten von Chelm und Golkow (8. Juni 1794) von Kosciuszko zum Obersten befördert. Während der Belagerung von Warschau durch die Russen und Preußen zum Generalmajor ernannt, befehligte er in der unglücklichen Schlacht von Maciejowice (10. Okt.) den linken Flügel, der am längsten Widerstand leistete, und fiel in Gefangenschaft, aus welcher ihn erst die Thronbesteigung des Kaisers Paul befreite. Hierauf kämpfte er unter Bonaparte gegen den Kirchenstaat, dann gegen Neapel. 1800 sammelte er im Auftrag des Direktoriums am Rhein eine neue polnische Legion von 6000 Mann und trug mit derselben viel zum Sieg von Hohenlinden bei. Nach dem Frieden zu Lüneville nahm er seinen Abschied, wurde in seinem Vaterland Pachter eines Landguts, dessen reiche Erbin ihm ihre Hand reichte, und blieb unthätig bis 1812, wo er in den Generalstab des Königs von Westfalen, sodann aber wieder an die Spitze einer Division trat, die zum Armeekorps des Fürsten Poniatowski gehörte. Zu dem Sieg an der Moßkwa trug er viel bei; auch bei Tscherikowe und Yoronovo focht er mit Auszeichnung, und sein Rückzug auf letztern Ort galt als ein Meisterstück militärischer Taktik. Nach dem unglücklichen Gefecht bei Viazma schmetterte seine Artillerie den Feind zu Boden und stellte dadurch die Verbindung mit der großen Armee des Kaisers wieder her, die von den Russen überflügelt worden war. Am unglücklichen Tag an der Beresina durch eine Schußwunde genötigt, die Seinigen zu verlassen, begab er sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ins Bad nach Swosgowice in Galizien. 1814 ließ er sich in Dresden nieder, wo er den Wissenschaften und Künsten lebte. Bei den polnischen Unruhen von 1822 war er wider sein Wissen von den Verschwornen zu ihrem Oberhaupt erwählt worden. Er ward deshalb verhaftet und auf die Festung Königstein gebracht, durfte aber Ende 1826 nach Dresden zurückkehren. Nach dem Ausbruch des Aufstandes 29. Nov. 1830 eilte K. nach Paris, um Frankreichs Beistand für Polen zu gewinnen, blieb daselbst und starb 9. Mai 1842.

Kniaznin (spr. knjásnin), Franz Dionyzy, poln. Dichter, geb. 4. Okt. 1750 zu Witebsk, trat in den Jesuitenorden, wurde Lehrer am Jesuitenkollegium zu Warschau und nach Auflösung des Ordens Sekretär des Fürsten Adam Czartoryiski. Er machte sich in Warschau 1770 zuerst durch seine Übersetzung des Horaz bekannt. Dann folgten mehrere Dramen, von denen einzelne, wie "Die dreifache Heirat", "Die Zigeuner" und "Die spartanische Mutter", mit Beifall aufgeführt wurden, ferner Idylle, Oden, Fabeln und lateinische Gedichte. Er ist als lyrischer Dichter bedeutend, doch wird er in seinen Oden oft schwülstig. Seit 1796 dem Wahnsinn verfallen, starb K. 26. Aug. 1807 in Konskawola bei Pulawy. Eine Sammlung seiner Werke erschien Warschau 1828-29, 7 Bde. (neue Aufl., Leipz. 1835).