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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolmation; Kolmberg; Köln

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Kolmation - Köln (Erzstift).

Schlachten gegen Karl den Kühnen tapfern Anteil. Die Reformation brachte viele Kämpfe; die Protestanten erhielten 1575 freie Religionsübung, die ihnen Kaiser Ferdinand II. 1629 wieder zu nehmen suchte. 1632 fiel K. in die Hände der Schweden, 1635 in die der Franzosen, welche es 1649 nach dem Westfälischen Frieden räumten, 1673 aber aufs neue besetzten, die Festungswerke schleifen ließen und K. 1680 durch die Reunionskammern mit Frankreich vereinigten, bei dem es fortan bis 1871 verblieb. Seit 1698 ist K. der Gerichtshauptort für das Elsaß. Vgl. Hunkler, Geschichte der Stadt K. (Kolm. 1838); Sand, Geschichte der Stadt K. (das. 1854); Rathgeber, K. und Ludwig XIV. (Stuttg. 1873); Derselbe, K. und die Schreckenszeit (das. 1873); Rocholl, Die Einführung der Reformation in K. (Kolm. 1875).

2) (K. in Posen, bis 1877 Chodziesen) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, an 3 Seen und an der Linie Posen-Neustettin der Preußischen Staatsbahn, 40 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, bedeutende Steingutfabrikation, Ziegeleien und (1885) 3015 meist evang. Einwohner (606 Juden). K. ist 1435 gegründet.

Kolmation (v. ital. colmata, "Damm"), allmähliche Erhöhung des Bodens durch systematische Aufleitung von Wasser und Niederschlag der festen Materialien, welche dieses mit sich führt. Oft wird gleichzeitig bezweckt, die fruchtbaren Schlickteile, welche das benutzte Wasser mit sich führt, als Oberkrume zu gewinnen und namentlich einen kahlen Geröllboden in dieser Weise zu verbessern. Bedingung für die Ausführung einer K. ist, daß das in Verwendung kommende Wasser reichliche Mengen festen Materials mit sich führt, damit die Hebung des tief liegenden und aus diesem Grund in der Regel versumpften Terrains in nicht zu langer Zeit bewerkstelligt werde. Vornehmlich sind die Hochwasser und zwar vor allen diejenigen der Gebirgsflüsse zu K. geeignet, da diese oft außerordentliche Sinkstoffmengen mit sich führen. Das zu kolmatierende Terrain wird mit Deichen umgeben, welche das aufgeleitete Wasser zusammenhalten; das Zu- und Ablassen erfolgt durch Kolmationsschleusen. Kolmationen in sehr beträchtlicher Ausdehnung wurden vorwiegend in Italien, in beschränkterm Maß auch im südlichen Frankreich vorgenommen. Die Ausführung erfolgt zumeist durch den Staat, um ein ungesundes und ertragloses Terrain zweckmäßig zu sanieren, und die Erfolge sind in vielen Fällen, namentlich in den Sumpfgebieten Val di Chiana, den Maremmen von Toscana, ferner an dem Fluß Var, an der Durance und Isère, überaus günstige gewesen. Vgl. Perels, Handbuch des landwirtschaftlichen Wasserbaus (2. Aufl., Berl. 1884).

Kolmberg (Kollm), isolierte Berggruppe (Grauwacke) in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, westlich von Oschatz, 312 m hoch, mit schöner Aussicht.

Köln, ehemals deutsches Erzstift im kurrhein. Kreis, welches im Reichstag auf der rheinischen Bank die erste Stimme hatte, bestand aus mehreren durch fremde Gebiete voneinander gesonderten Teilen, nämlich aus dem Hauptteil längs des Rheins zwischen den Herzogtümern Jülich und Berg, einem Gebiet zwischen Jülich und dem Erzstift Trier, der Grafschaft Recklinghausen und dem Herzogtum Westfalen. Die eigentlichen erzstiftischen Lande (ohne Recklinghausen und Westfalen) umfaßten etwa 2750 qkm (50 QM.) mit 100,000 Einw., sämtliche Besitzungen des Kurfürsten von K. aber ungefähr 6600 qkm (120 QM.) mit 230,000 Einw. Erstere zerfielen in das obere Erzstift, wozu die Ämter Zeltingen und Rachtig, Andernach, Altenahr, Linz und Altenwied, Nurburg ^[richtig: Nürburg], Haarth, Rheinbach, Godesberg, Bonn, Zülpich, Lechenich, Brühl und Deutz gehörten, und das untere Erzstift mit den Ämtern Hülchrath, Lindberg, Kempen, Linn und Rheinberg; dazu besaß der Erzbischof noch Rechte in Bacharach, Honnef, Unkel, Neersen u. a. O. sowie die Städte Andernach, Neuß, Bonn, Ahrweiler, Linz, Kempen, Kaiserswerth, Rheinberg, Rhense. a. Die Grafschaft Recklinghausen wurde durch einen Statthalter regiert. Das Herzogtum Westfalen bestand aus vier Quartieren, nämlich dem Rüdenschen, Werlschen, Bilsteinschen und Brilonschen Quartier. Der Erzbischof von K. war der dritte geistliche Kurfürst des Deutschen Reichs und Erzkanzler des heiligen römischen Reichs in Italien sowie des Papstes. Auch war er von Innocenz IV. zum gebornen Legaten ernannt worden. Bei der Wahl des römischen Kaisers hatte der Kurfürst von K. die zweite Stimme, und ihm stand das Vorrecht zu, dem Kaiser in Deutschland zur linken Hand, innerhalb des Erzstifts aber und außerhalb Deutschlands zur rechten zu gehen. Zwischen ihm und dem Kurfürsten von Mainz bestand wegen der Kaiserkrönung ein langer Streit, der erst 1657 dahin entschieden wurde, daß stets derjenige die Krönung vollziehen sollte, in dessen Sprengel sie stattfinde; sofern sie aber an einem Ort außerhalb der beiden Bistümer vollzogen würde, sollten beide Kurfürsten miteinander abwechseln. Die Landstände des Erzstifts bestanden aus dem Domkapitel, den Grafen, der Ritterschaft und den Städten, und die Landtage wurden gewöhnlich in der Residenz Bonn gehalten. Das Domkapitel, welches sich den Status primarius nannte, und in welches fast nur Mitglieder aus reichsunmittelbaren Häusern aufgenommen wurden, hatte seinen Sitz in der Stadt K., woselbst sich auch die erzbischöfliche Kathedrale sowie das geistliche Hofgericht oder Offizialat und das weltliche Hofgericht befanden. Das Erbhofmeisteramt des Erzstifts hatten die Grafen von Manderscheid, das Erbmarschallamt die Grafen von Salm, das Erbschenkenamt die Herzöge von Arenberg und das Erzkämmereramt die Grafen von Plettenberg. Die jährlichen Einkünfte betrugen etwa 600,000 Thlr. Das Wappen zeigte ein schwarzes Kreuz im silbernen Feld (Erzstift K.), ein weißes springendes Pferd im roten Feld (Herzogtum Westfalen), drei goldene Herzen im roten Feld (Herzogtum Engern) und einen silbernen Adler im blauen Feld (Grafschaft Arnsberg).

Die Legende nennt als den Stifter des Bistums K. den heil. Maternus, welcher mit dem vom Tod erweckten Jüngling zu Nain identifiziert wird. Erst im 4. Jahrh. kommt indes beglaubigt als Bischof ein Maternus vor. St. Kunibert, Bischof von K. von 622 bis 663, bereicherte das Stift durch sein Verhältnis zum fränkischen Dynastengeschlecht sowie durch das Vermächtnis seiner Besitzungen Zeltingen und Rachtig a. d. Mosel, Rhense und Boppard. Unter Hildebold, Erzkaplan und Freund Karls d. Gr., wurde K. 785 zum Erzbistum erhoben und ihm die Bistümer Lüttich, Minden, Utrecht, Münster und Osnabrück untergeordnet. Bruno, der Bruder Ottos I. (s. Bruno I.), wurde 953 zum Erzbischof erwählt und zugleich zum Herzog von Lothringen ernannt, welche Würde auch alle seine Nachfolger besitzen sollten. Diese behaupteten dieselbe aber nur in einem schmalen Landstrich am Rhein, welcher später das weltliche Gebiet des Erzbistums bildete. In Brunos Geist wirkten seine Nachfolger Folkmar, Garo, Marinus,