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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Köln

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Köln (Geschichte der Stadt).

wieder unter den westfränkischen König gekommen war, brachte 923 König Heinrich I. Lothringen und mit demselben die Stadt K. zum Deutschen Reich zurück.

K. war in der karolingischen Zeit der Hauptort des Kölngaues und der Sitz der Kölner Gaugrafen. Mit Hilfe der ihnen vom Kaiser erteilten nutzbaren Rechte und andrer Privilegien gaben die Erzbischöfe sich Mühe, die Oberherrlichkeit über die Stadt an sich zu reißen; doch diejenigen Einwohner, welche hauptsächlich durch den Handel zu großem Reichtum gelangt waren, machten dem Erzbischof seine Oberherrlichkeit mit Erfolg streitig. Die Elemente, in welchen das Leben der Stadt pulsierte, waren Kaufleute, Hofbesitzer, Gewerbtreibende, Ackerbauer, bischöfliche Ministerialen, Stifts-, Kloster- und Weltgeistliche. Aus den Kaufleuten und Hofbesitzern entwickelte sich bald ein mächtiges, herrschsüchtiges Patriziat, welches unter der Bezeichnung "Geschlechter" in der Kölner Geschichte eine hervorragende Rolle spielte. Zuerst kam es zwischen Anno und der Bürgerschaft bezüglich des Stadtregiments 1074 zu blutigem Zusammenstoß. Anno unterlag anfänglich und mußte zur Rettung seines Lebens heimlich aus der Stadt flüchten. Wenn er auch später wieder das Übergewicht gewann, so blieb er doch von seinem Ziel, der unbedingten Oberherrlichkeit über die Stadt, weit entfernt. Nicht minder harte. Kämpfe hatte die Bürgerschaft gegen die Erzbischöfe Philipp von Heinsberg, Konrad von Hochstaden, Engelbert von Falkenburg und Siegfried von Westerburg zu bestehen. Vielfach schwankte die Entscheidung; endlich entschied die Schlacht bei Worringen (5. Juli 1288) den langen Kampf zu gunsten der städtischen Unabhängigkeit, und Siegfried sah sich gezwungen, seine Residenz von K. zuerst nach Brühl, später nach Bonn zu verlegen. Vergebens suchten dann einzelne Erzbischöfe, wie schon Konrad und Engelbert gethan, die innern Streitigkeiten zwischen dem Patriziat und den Zünften auszubeuten, um durch Unterstützung der einen Partei die andre zu unterdrücken und so die Mittel zur Unterjochung der ganzen Stadt zu erhalten. Aber auch der Stadt glückte es nicht, den Erzbischof aus sämtlichen nutzbaren und Hoheitsrechten innerhalb des städtischen Bereichs zu verdrängen. Sie mußte ihn im Besitz der höchsten Gerichtsbarkeit sowie einer Reihe von Nutzungen, die ihm aus kaiserlicher Verleihung zustanden, lassen. Scheinbar war die Stadt in ihrem Kampf gegen die Erzbischöfe unterlegen, denn beim Eintritt eines jeden neuen Erzbischofs mußte sie den Huldigungseid leisten; bei dieser Huldigung schwur sie ihm aber nur "so lange treu zu sein, als er sie in Recht, in Ehren und in ihren alten guten Gewohnheiten, die ihr von ihren Vorfahren überbracht seien, halten werde". Zu solchen Rechten rechnete sie vor allen ihre Reichsfreiheit, die auf den Privilegien von 1207 und 1212 beruhte, durch welche Philipp von Schwaben der Stadt die Anlage von Festungswerken und Otto IV. auch die Erhebung eines Brau- und Mahlpfennigs erlaubte. 1231 war die Stadt K. bereits auf dem Reichstag zu Worms vertreten; 1274 erteilte ihr König Rudolf ausdrücklich das Recht, die Reichstage zu beschicken. Bei der Kreiseinteilung wurde die Stadt K. dem westfälischen, das Kurfürstentum K. dem rheinischen Kreis zugewiesen. Blutiger noch als die Kämpfe gegen die Erzbischöfe waren die zwischen den Parteien in der Stadt selbst: zwischen den Geschlechtern untereinander sowie zwischen den Zünften und Geschlechtern kamen die Waffen nicht zur Ruhe, bis 1396 in einem blutigen Aufstand die Zünfte einen vollständigen Sieg errangen und alle ihre Gegner aus der Stadt vertrieben. Der prächtige Rathausturm, der aus den von den unterlegenen Patriziern eingezogenen Strafgeldern 1406-13 erbaut wurde, sollte allen kommenden Geschlechtern den Sieg verkünden, welchen die volkstümlichen Elemente über die städtische Aristokratie davongetragen. Die infolge dieses Aufstandes vereinbarte demokratische Verfassung blieb aber nicht ohne Anfechtung. Neue Revolutionen sah die Stadt in den Jahren 1482, 1513, 1608, 1681. Trotz aller Kämpfe und Wirren stieg der Reichtum der Bürgerschaft, und der Handel erreichte eine nie gekannte Blüte.

Mit verschiedenen Städten brachte die Kölner Verwaltung günstige Schutz- und Handelsverträge zum Abschluß. 1367 trat K. bei der gegen Waldemar von Dänemark abgeschlossenen hansischen Konföderation ganz besonders in den Vordergrund. Seit dieser Zeit blieb es eins der maßgebenden Glieder des hansischen Städtebundes. Die vielen noch jetzt die Bewunderung der Kunstkenner und Kunstfreunde erregenden Erzeugnisse der Kölner Malerschule geben von der Höhe, welche die Kölner Kunst im 14. und 15. Jahrh. erreicht hat, glänzendes Zeugnis. Die Kölner Profan- und Kirchenbauten, so namentlich die 1200-1260 von der Bürgerschaft errichteten Mauern und Thorburgen, der Rathausturm, der Gürzenich, der Dom und eine Reihe der prächtigsten Kirchen romanischen wie gotischen Stils, gereichen K. noch jetzt zur höchsten Zier. Die Stadt setzte ihren Stolz darein, stets als eine treue Tochter der römischen Kirche angesehen zu werden, und bewährte dies auch den Reformationsversuchen des Erzbischofs Hermann von Wied (1515 bis 1546) gegenüber. Auf ihrem Siegel führte sie den heil. Petrus und um dasselbe die Legende: "Sancta Colonia sanctae Romanae Ecclesiae fidelis filia". Wie sie 1425 die Juden für immer aus ihren Mauern verjagt hatte, so wollte sie auch lange Zeit keinem Lutheraner, Calvinisten oder Wiedertäufer den Aufenthalt auf ihrem Boden gestatten. Durch die auf Grund der Bulle des Papstes Urban VI. vom 21. Mai 1388 errichtete und 8. Jan. 1389 eröffnete Universität wurde sie in dieser Unduldsamkeit dauernd bestärkt. Als sie sich später gezwungen sah, den Protestanten den Aufenthalt in der Stadt zu gestatten, konnte sie sich doch nicht entschließen, denselben gleiche Rechte mit den andern Bürgern einzuräumen. Der Erzbischof Maximilian Franz, duldsamer als der städtische Rat, stellte 1788 den Protestanten ein vor den Mauern der Stadt ankerndes Schiff zur Abhaltung ihres Gottesdienstes zur Verfügung. Erst als die französische Republik jeder Religion freie Übung ihres Kultus gestattete, erhielten die Protestanten das volle Bürgerrecht, und auch den Juden wurde damals die Niederlassung in der Stadt zugestanden.

Im 15. Jahrh. stand K. noch auf einer hohen Stufe von Glanz, Reichtum und Macht, obwohl die Einwohnerzahl, die zu Anfang des 14. Jahrh. auf 120,000 Menschen geschätzt werden darf, zu sinken begann. Zur Zeit Karls V. gehörte K. noch zu den größten Städten Europas und stand nur Gent und Paris an Umfang nach. Es kam im 16. Jahrh. ein zeitweiliger Stillstand, dann, nachdem der hansische Handel seine frühere Bedeutung verloren hatte, ein erst langsamer, dann rascherer Rückgang. Die niederländischen Wirren, der Truchseßsche, der Dreißigjährige Krieg, die französischen Raubzüge, der spanische, dann der österreichische Erbfolgekrieg, der Siebenjährige Krieg ließen nachhaltige, traurige Spuren in K. zurück. Um 1780 hatte K. nur 6000 selbständige Bürger, 8000 Häuser,