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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolumbus

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Kolumbus (letzte Schicksale; Lebensbeschreibungen etc.; Brüder und Nachkommen).

Durchfahrt und mußte hier umkehren. Nachdem der Versuch der Gründung einer Niederlassung in dem goldreichen Veragua an der Feindseligkeit der Indianer gescheitert war, wobei Bartolomé in die äußerste Gefahr kam, sah sich K. genötigt, seine sinkenden Schiffe an der Küste von Jamaica in der Christovalsbucht auf den Strand laufen zu lassen. Hier geriet K. in große Not, welche durch die Rebellion eines Teils der Mannschaft noch gesteigert wurde, bis er nach Jahresfrist durch den Mut und die Ausdauer eines seiner Leute, der in einem Indianerboot nach San Domingo fuhr und Hilfe herbeischaffte, gerettet wurde. Am 12. Sept. trat K. seine Heimreise an und erreichte nach einer stürmischen Überfahrt Anfang November den spanischen Boden in Cadiz.

Niemand kümmerte sich um die Heimkehr des armen Schiffbrüchigen. Der Jubel, der ihn sonst empfangen, war verstummt, und mit dem bald nach seiner Rückkehr (26. Nov. 1504) erfolgten Tode der Königin Isabella verlor er seine treueste Freundin. Seinen Wohnsitz in Sevilla nehmend, wartete er vergebens auf eine Wiedereinsetzung in seine Rechte und Würden wie auf die Auszahlung der versprochenen Einkünfte und des Anteils an den Erträgnissen der Kolonie. Seine Briefe an den König blieben unbeachtet, und als er 1505 sich selbst an den Hof von Segovia begab, machte man ihm den Vorschlag, seine Rechte auf das Königtum gegen Besitzungen und Titel in Kastilien zu vertauschen. K. wies dies Ansinnen zurück, erklärte sich aber bereit, zu gunsten seines Sohns Diego auf seine indischen Würden zu verzichten. Man ging darauf nicht ein. Auch die Ankunft des neuen Königspaars, Philipp und Johanna, 28. April 1506 brachte keine Änderung, und so starb K., gebrochen an Geist und Körper, 21. Mai 1506 in Valladolid, ohne die Erfüllung seiner Hoffnung gesehen zu haben. Zuerst im Franziskanerkloster seines Sterbeorts beigesetzt, wurde seine Leiche 1513 nach Sevilla ins Kloster Santa Maria de las Cuevas übergeführt, und vermutlich erst hier erhielt der Sarg die Inschrift: "A Castilla y á Leon Nuevo Mundo dió Colon" ("Für Kastilien und Leon entdeckte Colon die Neue Welt"), welche sich auch im Wappen des Vizekönigs befand. K. hatte gewünscht, in San Domingo auf Haïti beigesetzt zu werden. Dorthin wurden seine sterblichen Überreste auch zwischen 1540 und 1559 gebracht und in dem Dom bestattet, in welchem später sein Sohn Diego, sein Bruder Bartolomé und seine Enkel Don Luis und Cristoval ihre Ruhestätte fanden. Als 1795 Domingo an Frankreich abgetreten wurde, führte man die Überreste des großen Entdeckers nach Havana über und setzte sie 19. Jan. 1795 feierlich im dortigen Dom bei. Statuen wurden ihm errichtet in Genua (von M. Canzio), Mexiko (von Cordier) und zu Cardenas auf Cuba (von Piquer).

Vor der welthistorischen Größe des K. stehen wir mit geteilten Gefühlen. Wir bewundern die Kühnheit, die aus der felsenfesten Überzeugung von der Richtigkeit seiner Theorien und Kombinationen entsprang, wir fühlen uns vielseitig angeregt durch seine treffenden Naturbeobachtungen, in denen wir die ersten Keime einer physischen Erdkunde erblicken dürfen; aber auf der andern Seite fühlen wir uns abgestoßen durch seinen blinden Autoritätsglauben, die Zuversichtlichkeit, mit der er seine abenteuerlichen Lehrsätze verkündet, durch die schwärmerische Anmaßung, mit der er sich als den Abgesandten Gottes einführt, endlich durch seine Doppelzüngigkeit und goldgierige Grausamkeit, welche die Hauptschuld an der spätern unmenschlichen Behandlung der Eingebornen trägt. Er starb, ohne die Tragweite seiner Entdeckung kennen gelernt zu haben; er meinte, daß durch ihn nur eine neue Handelsstraße zu alten Ländern geöffnet sei. Das Tagebuch der ersten Reise, von K. selbst geschrieben, veröffentlichte Navarrete in seinen "Viajes de los Españoles" (Madr. 1825-1826, 2 Bde.; franz. mit Anmerkungen von Rémusat, Balbi, Cuvier u. a., Par. 1828, 3 Bde.). Eine "Raccolta completa" der Schriften des K. lieferte Torre (Lyon 1864). Vgl. außer den ältern Biographien von Bossi (Mail. 1818), Spotorno (deutsch, Leipz. 1825), W. Irving (deutsch von Meyer, 2. Aufl., Frankf. 1832) u. a.: Humboldt, Examen critique de l'histoire de la géographie, etc. (Par. 1834-35; deutsch von Ideler, neue Ausg., Berl. 1852, 3 Bde.); Canale, La vita ed i viaggi di Cristoforo Colombo (Flor. 1863); Helps, The life of Columbus (Lond. 1869); Ortegay Frias, Vida y viajes de Cristoval Colombo (Madr. 1874, 4 Bde.); Roselly de Lorgues, Christophe Colomb, histoire de sa vie et de ses voyages (4. Aufl., Par. 1878, 2 Bde.); Derselbe, Histoire posthume de Chr. Colomb (3. Aufl., das. 1886); Schott, K. und seine Weltanschauung (Berl. 1878); Harrisse, Christophe Colomb, son origine, sa vie, ses voyages, sa famille et ses descendants (Par. 1884, 2 Bde.); Duro, Colon y la historia postuma (Madr. 1885); Tarducci, Vita di C. Colombo (Mail. 1885 ff., 2 Bde.); Peschel, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (2. Aufl., Stuttg. 1877); S. Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (Berl. 1881). K.' Leben gab vielfach Stoff zu poetischen Darstellungen; dramatisch bearbeitet wurde es unter andern von Fr. Rückert (1845), K. Werder (1858), K. Kösting (1863), H. v. Schmid (1875).

Der ältere Bruder des Entdeckers, Bartolomé, ebenfalls Seemann, verließ noch vor jenem sein Vaterland und erlangte in Lissabon als Kosmograph und Seekartenzeichner einen gewissen Ruf. Im Begriff, nach England zu reisen, um Heinrich VII. für des Bruders Unternehmen zu gewinnen, fiel er Seeräubern in die Hände, erhielt erst nach einigen Jahren seine Freiheit wieder und kam fast als Bettler in England an. Seine Bemühungen am englischen Hof blieben aber fruchtlos; auf seiner Rückreise nach Spanien erfuhr er von den von seinem Bruder bereits gemachten Entdeckungen. In Spanien geadelt, folgte er dem Admiral, der seine zweite Reise eben angetreten, nach Westindien und traf mit ihm auf Hispaniola zusammen. Nach seines Bruders Abreise zu dessen Stellvertreter (Adelantado) ernannt, gründete er die Stadt San Domingo, machte sich jedoch durch energische Aufrechthaltung der Disziplin bei den zügellosen Spaniern verhaßt. Auch er ward in Ketten nach Spanien zurückgebracht, hier aber befreit und war auch ferner eine bedeutende Stütze des Admirals. Sein Lohn seitens des spanischen Hofs war die kleine Insel Mona zwischen Haïti und Puerto Rico und die Direktion der Bergwerke auf Cuba. Auch er war ein vollendeter Seemann, kräftig und durchdringend von Verstand, wie der Admiral, doch weniger Enthusiast. Er starb auf Hispaniola 12. Aug. 1514. - Der zweite Bruder, Giacomo (span. Diego), ward nach der Entdeckung Amerikas ebenfalls geadelt und Gouverneur und Präsident des Rats von Kastilien.

Der älteste und einzige rechtmäßige Sohn des Entdeckers, Don Diego, geboren um 1480, folgte seinem Vater in der Würde eines Admirals von Indien und erhielt den Besitz der Landschaft Veragua mit dem Titel eines Herzogs von Veragua und Mark-^[folgende Seite]