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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Konrektor - Konservatorium.

aus einem Hinterhalt hervorbrach und über die Zerstreuten Tod und Verderben brachte. K. und Friedrich von Baden entkamen nur durch die Schnelligkeit ihrer Rosse und flohen über Rom nach Astura, um von hier aus nach Sizilien zu entkommen. Schon hatten sie das Schiff bestiegen, als sie, von Johann Frangipane verraten, eingeholt und an Karl ausgeliefert wurden. Sie wurden nach Neapel geführt und hier als "Frevler gegen die Kirche, Empörer und Hochverräter an dem rechtmäßigen König" angeklagt und, obwohl von den Richtern freigesprochen, von Karl selbst zum Tod verurteilt. Am 29. Okt. 1268 führte man die Jünglinge und zwölf Gefährten auf den Marktplatz in Neapel, wo der Henker ihrer harrte. Nachdem Robert von Bari das Todesurteil verlesen, trat K. an den Rand des Schafotts, versicherte mit lauter, sicherer Stimme vor dem Volk seine Unschuld und warf seinen Handschuh herab, daß man ihn Peter von Aragonien überbringe zum Zeichen, der Hohenstaufe habe ihm alle Rechte auf Apulien und Sizilien übertragen. Graf Heinrich Truchseß von Waldburg erfüllte den Wunsch des Scheidenden. Jetzt bot sich K. nach einem kurzen Gebet unerschrocken dem Henker dar; schon knieend, richtete er sich noch einmal empor und rief: "O Mutter, welches Leiden bereite ich dir!" Dann sank sein Haupt unter dem Henkerbeil. Friedrich von Baden folgte ihm, und insgesamt fielen gegen tausend Anhänger der Hohenstaufen durch Henkershand. K. und Friedrich ruhen unter dem Marmorboden der Kirche Maria del Carmine zu Neapel; 1847 ließ der damalige Kronprinz Maximilian von Bayern dort eine Marmorstatue Konradins, von Schöpf aus München nach Thorwaldsens Modell ausgeführt, aufstellen. Gleich seinem Vater und Großvater pflegte K. auch die Dichtkunst. In der sogen. Manessischen Sammlung sind unter dem Namen "König Konrad der Junge" noch zwei kleine seelenvolle Lieder von ihm erhalten. Konradins tragisches Schicksal ist von mehreren Dichtern (Klinger, Raupach, v. Maltzahn, Köster, H. Herrig u. a.) dramatisch bearbeitet worden. Vgl. Schirrmacher, Die letzten Hohenstaufen (Götting. 1871); del Giudice, Il giudizio e la condanna di Corradino (Neap. 1876).

Konrektor (Subrektor, lat., "Mitleiter"), Amtstitel für Lehrer, welche im Rang unmittelbar nach dem Rektor folgen; Konrektorat, Amt, Würde eines Konrektors.

Konsanguinität (lat.), Blutsverwandtschaft (s. Verwandtschaft).

Konsekration (lat.), Einsegnung, besonders des Brots und Weins beim Abendmahl, wobei die Einsetzungsformel gesprochen oder gesungen und das Zeichen des Kreuzes gemacht wird; auch Einweihung von Kirchen, Bischöfen, kirchlichen Geräten etc.

Konsekution (lat.), Folge; vgl. Consecutio.

Konsekutiv (lat.), der natürlichen Folge gemäß; daher konsekutive Wirkung, spätere Wirkung, Nachwirkung, und konsekutive Erscheinungen (symptomata consecutiva), verschiedene Störungen in den Verrichtungen, die nach dem Ausgang mancher Krankheiten fortdauern oder eintreten.

Konséns (lat.), Zustimmung, Einwilligung, z. B. des Vormundes zu Rechtsgeschäften der Bevormundeten, der Eltern zu der Ehe ihrer Kinder, der militärischen Obern zu den Ehen der Soldaten, der Obrigkeit zur gerichtlichen Verpfändung eines Grundstücks, daher man in manchen Gegenden die Schuld- und Pfandurkunden Konsensurkunden zu nennen pflegt, u. dgl. Vgl. Consensus.

Konsensualkontrakte (lat.), s. Kontrakt.

Konsentieren (lat.), übereinstimmen, in etwas einwilligen, es genehmigen.

Konsequénz (lat.), die Folge von etwas unter Berücksichtigung der innern Notwendigkeit, also Folgerichtigkeit, im Gegensatz zur Inkonsequenz, der Folgewidrigkeit; daher im ethisch-psychologischen Sinn die Stetigkeit des Wollens und Handelns, das strenge Festhalten an den einmal für richtig erkannten Grundsätzen. Konsequent, folgerecht, schlußrichtig, mit sich selbst übereinstimmend, seinen Grundsätzen oder Meinungen getreu.

Konsequenzmacherei, in der Polemik das Verfahren, aus den Behauptungen des Gegners auffallende, gesuchte oder weit hergeholte Folgerungen zu ziehen, um ihn dadurch lächerlich zu machen oder zu widerlegen.

Konservativ (lat.), erhaltend, der Erhaltung geneigt, zur Erhaltung dienend, am Hergebrachten festhaltend und auf dessen Erhaltung bedacht, besonders im staatlichen Leben. Die Konservativen bilden in politischen Körperschaften im Gegensatz zu den Liberalen besondere Parteien, welche jedoch nie schlechtweg nur die Aufrechthaltung des Bestehenden erstreben, sondern vielfach, wie z. B. die Tories in England, die Freikonservativen im deutschen Reichstag, nur einer Überstürzung der Änderungen und Reformen abgeneigt sind und einen langsamen, regelmäßigen Fortschritt vorziehen. Dem Umstand, daß die Konservativen in Deutschland in der Regel die Regierungspartei gebildet haben, ist es zuzuschreiben, wenn man vielfach k. als gleichbedeutend mit regierungsfreundlich nimmt, obgleich die Begriffe konservative Partei und Regierungspartei sich keineswegs schlechthin decken. Konservativismus, Gesinnung und Streben der Konservativen.

Konservative Partei, die politische Partei in den Parlamenten aller konstitutionellen Staaten, welche die Erhaltung der bestehenden Zustände und Gesetze zum Ziel hat, zuweilen auch ihre Veränderung in feudalem oder klerikalem Sinn erstrebt. Je nach den Verhältnissen der Länder sind die Grundsätze der konservativen Parteien sehr verschieden. Während die Konservativen (Tories) in England die Erhaltung der bestehenden Verfassung wollen, Reformen aber nicht ablehnen, sind die Konservativen in katholischen Staaten, wie z. B. in Belgien, bemüht, die Kirche zur Herrschaft zu bringen. Auch in Deutschland vertreten die strengern Konservativen zuweilen kirchliche und feudale Interessen. Im Reichstag teilen sie sich in die deutschkonservative Partei (s. d.) und in die gemäßigtere Reichspartei (s. d.). Im preußischen Abgeordnetenhaus nennen sich die Gemäßigten Freikonservative (s. d.), die Strengern k. P.; diese zählt jetzt 144 Mitglieder.

Konservator (lat., "Bewahrer"), vielfach Titel von Aufsehern von Sammlungen, Kabinetten, Museen etc., die sie in Ordnung und Stand zu halten haben.

Konservatorium (neulat., ital. Conservatorio, franz. Conservatoire), Name der größern Musikschulen, aus welchen die Schüler zu Komponisten, Lehrern, Virtuosen etc. ausgebildet werden. Der Name K. stammt aus dem Italienischen, ist aber von Haus aus keineswegs darum gewählt, weil diese Anstalten die echte, wahre Kunst "konservieren" sollen, sondern conservatorio heißt im Italienischen Bewahranstalt, Pflegehaus, Waisenhaus; die ersten Konservatorien waren in der That nichts andres als Waisenhäuser, in denen die dafür beanlagten Kinder musikalisch ausgebildet wurden, so in dem 1537 gegründeten Conservatorio Santa Maria di Loreto zu Neapel, ferner den drei auch noch im 16. Jahrh. in Neapel entstandenen