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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Konrad von Megenberg; Konrad von Stoffel; Konrad von Würzburg; Konradin

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Konrad von Megenberg - Konradin.

ohne Erbarmen wütete er am Rhein, in Thüringen und Hessen sowie besonders gegen die Stedinger (1232). Als er aber dem Grafen Heinrich von Sayn als einem Ketzer den Prozeß machen wollte, ward er vor eine Reichsversammlung zu Mainz geladen, mit einem Verweis entlassen und auf der Rückreise unweit Marburg von einigen Edelleuten 30. Juli 1233 erschlagen. Gregor IX. sprach ihn als Märtyrer heilig. Man hat von K.: "Epistola ad papam de miraculis Sanctae Elisabethae" (Köln 1653). Vgl. Henke, Konrad v. M. (Marb. 1861); Beck, Konrad v. M. (Bresl. 1861); Kaltner, Konrad v. M. und die Inquisition in Deutschland (Prag 1882, eine klerikale Verteidigungsschrift).

Konrad von Megenberg, deutscher Autor aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh., verfaßte außer andern (auch politischen) Schriften das "Buch der Natur", eine allgemeine, schon ziemlich systematische Naturgeschichte, die als Beleg der Kenntnisse der damaligen Zeit interessant und zugleich durch Anführung von vielerlei Sagen u. dgl. kulturgeschichtlich wichtig ist. Das Werk, um 1349-51 geschrieben, erschien zuerst ohne Ort und Jahr in Quart, dann Augsburg 1475 u. öfter (neu hrsg. von Pfeiffer, Stuttg. 1861).

Konrad von Stoffel, mittelhochd. Dichter des 13. Jahrh., vielleicht identisch mit dem Straßburger Domherrn Konrad von Hohenstoffeln (nachweisbar um 1280), hat eine erzählende Dichtung: "Gauriel von Muntavel oder der Ritter mit dem Bock", ein Seitenstück und Nachahmung zu Hartmanns "Iwein", hinterlassen (hrsg. von Khull, Graz 1885).

Konrad von Würzburg, mittelhochd. Dichter des 13. Jahrh., war bürgerlicher Abkunft. Aus der Heimat vertrieben, durchzog K. Deutschland als armer, wandernder Sänger, lebte von seiner Kunst und ließ sich zuletzt in Basel nieder. Dort starb er 31. Aug. 1287 und ward mit seiner Frau und seinen Töchtern an der Apsis der Marien-Magdalenenkirche begraben. K. ist wegen der sprachlichen Zierlichkeit und Reinheit wie der außerordentlichen metrischen Korrektheit seiner Dichtungen als der bedeutendste Vertreter der mittelhochdeutschen Spätlingsdichtung zu betrachten. Er war in der lyrischen, epischen und didaktischen Dichtung thätig und behandelte ebensowohl die heimisch-volkstümliche wie die ausländisch-ritterliche Sage; weltliche, geistliche und ausschließlich religiöse Stoffe fesselten ihn abwechselnd. Auch nach dem ältern größern Ritterepos griff er zurück, ohne die im Zeitgeschmack liegenden kleinern novellenartigen Erzählungen zu vernachlässigen. Sein größtes Werk (überhaupt die umfangreichste mittelhochdeutsche Dichtung): "Der trojanische Krieg", mit der Fortsetzung etwa 60,000 Verse enthaltend, von K. selbst mit dem "unendlichen Meer" verglichen, ist unvollendet geblieben (hrsg. von A. v. Keller, Stuttg., Litterar. Verein 1858; Anmerkungen von Bartsch, das. 1877). Gleichfalls unvollendet ist die nach dem Französischen verfaßte Erzählung "Partonopier und Meliur" (hrsg. von Bartsch, Wien 1870), eine mittelalterliche Version der Sage von Amor und Psyche. "Die goldene Schmiede", eine Verherrlichung der Jungfrau Maria, ist dasjenige Werk Konrads, in welchem er, wie nirgends anderswo, "den Glanz seiner Diktion, die Fülle seiner Rede, den Schimmer seiner Bilder" entfaltet hat (hrsg. von W. Grimm, Berl. 1840). Von Konrads sonstigen Werken sind hervorzuheben: Legenden vom "Papst Silvester" (hrsg. von W. Grimm, Götting. 1841) und von dem Römer "Alexius" (hrsg. von Maßmann, Quedlinb. 1843; besser von Haupt in seiner Zeitschrift, Bd. 3, 1845); "Der Welt Lohn", worin Wirnt von Gravenberg, der Dichter des "Wigalois", über die Nichtigkeit der Welt durch die Erscheinung eines schönen Weibes, dessen Kehrseite voll Unflat ist, belehrt wird (hrsg. von Roth, Frankf. 1843; auch in v. d. Hagens "Gesamtabenteuern", Bd. 3, Stuttg. 1850, und in Lambels "Erzählungen und Schwanken", 2. Aufl., Leipz. 1883); "Engelhart und Engeltrut", vielleicht die schönste Erzählung Konrads (hrsg. von Haupt, das. 1844); "Kaiser Otte" oder "Otto mit dem Barte" (hrsg. von Hahn, Quedlinb. 1838; von Lambel in "Erzählungen und Schwänke", 2. Aufl., Leipz. 1883); "Klage der Kunst", eine Allegorie (hrsg. von Joseph, Straßb. 1885) und "Der Schwanritter", in welchem die Sage von Lohengrin aus dem Gebiet des Grals in das der Karlssage verlegt ist (hrsg. von W. Grimm in "Altdeutsche Wälder", Bd. 3, Frankf. 1815; von Roth, das. 1861; auch in Müllenhoffs "Altdeutschen Sprachproben", 2. Ausg., Berl. 1871). Konrads Lieder weltlicher und geistlicher Art, überreich an Reimspielereien, sind abgedruckt in v. d. Hagens Sammlung der "Minnesinger" (kritisch hrsg. von Bartsch in der Ausgabe der "Partonopier", Wien 1870). Eine neudeutsche Übersetzung kleinerer Dichtungen von K. (Lieder, Otte, der Welt Lohn u. a.) besorgte Pannier (Sondersh. 1879). Vgl. Grimms Einleitung zur "Goldenen Schmiede"; F. Pfeiffer in der "Germania", Bd. 12 (1867).

Konradin (Konrad der jüngere), der letzte Sprößling des schwäbischen Kaiserhauses der Hohenstaufen, Sohn Konrads IV. und der Bayernfürstin Elisabeth, welche sich 1259 zum zweitenmal mit dem Grafen Meinhard von Tirol vermählte, geb. 25. März 1252 zu Wolfstein bei Landshut, war beim Tod seines Vaters erst zwei Jahre alt. Während seiner Minderjährigkeit, wo er am Hof seines Oheims, des Herzogs Ludwig von Bayern, in Donauwörth, dann beim Bischof Eberhard von Konstanz erzogen wurde, hatte Manfred (s. d.) sich die Krone von Sizilien aufgesetzt. Als Manfred 26. Febr. 1266 bei Benevent gefallen war, forderten die Ghibellinen Italiens K. zur Wiedereroberung seines Erbreichs auf. K., von dem Streben erfüllt, in Italien den Glanz und die Macht seines Geschlechts wiederherzustellen, opferte seine Stammgüter in Deutschland, um ein kleines Heer auszurüsten, und zog trotz der Abmahnungen seiner Mutter, von der er in Hohenschwangau Abschied nahm, begleitet von seinem Oheim, dem Herzog Ludwig von Bayern, seinem Stiefvater, dem Grafen Meinhard von Tirol, und seinem Jugendgenossen Friedrich von Baden, im Herbst 1267 über die Alpen. Schon in Verona nötigte Geldmangel viele seiner Begleiter, Waffen und Pferde zu verkaufen; viele andre, unter ihnen auch Konradins Oheim und Stiefvater, kehrten zurück. Der Papst Clemens IV. sprach sofort den Bann über K. aus. Gleichwohl drang K., seinem Glücksstern fest vertrauend und durch die ghibellinisch gesinnten Städte unterstützt, nach Rom vor und ward dort feierlich wie ein Kaiser empfangen; die Flotte der mit ihm verbündeten Pisaner schlug die französische. Am 11. Aug. 1268 brach K. von Rom auf und eilte mit 10,000 Mann nach Apulien, um Luceria zu befreien. In der palentinischen Ebene zwischen Tagliacozzo und Alba stellte ihm Karl von Anjou bei Scurcola, unfern des Flusses Salto, sein Heer entgegen (23. Aug. 1268). Nach kurzem Kampf neigte sich der Sieg auf Konradins Seite. Schon war nach dem ersten stürmischen Angriff der Feind geworfen, schon hatten die Deutschen den Salto überschritten und sich in Siegesfreude zerstreut, als Karl plötzlich