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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kopfjagden - Kopfschmerz.

Viehfutter benutzt werden. Zum K. eignen sich Weiden, Pappeln, Eichen, Hainbuchen, Akazien, für die Gewinnung von Viehfutter auch Ulmen, Eschen, Ahorne.

Kopfjagden, die Unternehmungen barbarischer Völker, um sich in den Besitz menschlicher Köpfe, Schädel oder Skalpe zu setzen, einesteils zu dem Zweck, dadurch einen Anspruch, unter die Männer gerechnet zu werden, nachzuweisen, andernteils um die Kräfte der Getöteten auf sich selbst überzuleiten oder letztere in den Dienst Verstorbener zu stellen, in deren Namen dann die K. angestellt werden. Diese zum größern Teil auf religiösen Vorstellungen beruhende Unsitte war ehemals über einen großen Teil der Welt verbreitet und hält sich noch jetzt in Hinterindien, den Inseln des Malaiischen Archipels, Neuguineas, auf Formosa und in einem großen Teil Afrikas, während sie in Nordamerika bei den dortigen Indianerüberresten im Aussterben befindlich ist. Besonders sind sie auf Java, bei den Alfuren auf Ceram und bei den Dajak auf Borneo im Schwange trotz der Anstrengungen der holländischen Regierung, welche die Kopfschneller (holländ. Koppensnellers) mit schweren Strafen bedroht. Die K. werden bei verschiedenen Veranlassungen angestellt und häufig mit allerlei religiösen Zeremonien eingeleitet, namentlich, z. B. bei den hinterindischen Bergstämmen und in Afrika, vor der mit Tättowierung und allerlei Mutproben verbundenen Mannbarkeitserklärung (s. Pubertätszeremonien), und die Köpfe werden in der Regel von feindlichen Stämmen erbeutet, sollen aber von wehrhaften Männern herrühren, sonst höhnt man den Sieger, wie man (nach Buchholz) einem Bewohner von Camerun vorwarf, er sei noch ein Knabe, denn er habe noch keinen Mann, sondern höchstens einen Fisch getötet; er hatte nämlich durch Versehen einen Taubstummen getötet. Ebensolche K. wiederholen sich vor Hochzeiten und vor Erwerbung höherer Würden, wie der Häuptlingswürde, zu der in der Regel die Vorweisung einer gewissen Anzahl von Köpfen gehört, und bei Begräbnissen angesehener Personen, wo sie den Zweck haben, demselben Diener ins Jenseits nachzusenden. Während das Fleisch der Opfer meist verteilt und verzehrt wird, bilden die Köpfe wertvolle Trophäen des Kopfjägers, der sie eigens räuchert, bemalt, mit künstlichen Augen versieht oder sonst präpariert, um seine Wohnung damit zu schmücken. Mitunter werden auch nur die gebleichten Schädel verwahrt und mit denselben ein eigentümlicher Schädelkultus getrieben. Auch im alten Europa scheinen entsprechende Gebräuche geherrscht zu haben, wenigstens melden zahlreiche Sagen von berühmten Helden, die aus den Schädeln ihrer Feinde Trinkgeschirre fertigen ließen (s. auch Skalpieren). Vgl. R. Andree, Über Schädelkultus ("Mitteilungen des Leipziger Vereins für Erdkunde" 1875); Bock, Unter den Kannibalen von Borneo und Java (deutsch, Jena 1885).

Kopfkrankheit der Haustiere, s. Gehirnentzündung, S. 8.

Kopfleiste, eine schmale, friesartige, Ornamente, Köpfe und Figuren enthaltende Verzierung am Anfang einer Seite oder eines Kapitels in Büchern etc. In der Renaissancezeit in Italien und Deutschland aufgekommen, findet die K. gegenwärtig in der Buchausstattung wieder reiche Verwendung.

Kopfnicker (Musculus sternocleidomastoideus), der zum Herabziehen des Kopfes nach der Brust zu dienende Muskel, welcher beim Menschen mit je einem Kopfe vom Schlüsselbein und Brustbein entspringt und sich an den Zitzenfortsatz des Schläfenbeins (processus mastoideus) sowie an das Hinterhaupt ansetzt. Er besteht eigentlich aus vier Muskeln, die bei andern Säugetieren zum Teil fehlen können. S. Tafel "Muskeln des Menschen".

Kopfreliquiar, die in vergoldetem Silber oder Blech hergestellte, oft mit Edelsteinen und Perlen besetzte Büste eines Heiligen, in deren Innerm sein Schädel oder Teile desselben aufbewahrt werden. S. Tafel "Goldschmiedekunst", Fig. 1.

Kopfrose, s. v. w. Hautrose, s. Rose.

Kopfsalat, s. Lattich.

Kopfschabe, s. Kleienflechte.

Kopfschimmel, s. Mucor.

Kopfschmerz (Kopfweh), eins der am häufigsten vorkommenden Leiden, aber immer nur Symptom eines Grundleidens, welches entweder seinen Sitz im Kopf selbst (Schädel, Gehirnhäute, Gehirn) hat, in welchem Fall man den dadurch erzeugten K. einen idiopathischen nennt, oder durch anderweite allgemeine oder lokale Erkrankungen bedingt ist und dann sympathischer K. heißt. Man unterscheidet ferner akuten K. (Cephalalgia) vom chronischen (Cephalaea). Der Schmerz ist entweder anhaltend oder vorübergehend, periodisch, ersteres häufiger bei idiopathischen und vaskulären, letzteres bei sympathischen, nervösen Leiden des Gehirns. Oft ist der Schmerz auf eine Seite, auf eine umschriebene Stelle des Kopfes begrenzt. Eine der praktisch wichtigsten Unterscheidungen ist die des Kopfschmerzes, welcher durch anomale Gefäßaktion bedingt ist (vaskulärer K., Cephalalgia sanguinea), und des nervösen Kopfwehs (Cephalalgia nervosa). Bei ersterm hat man wieder den K. durch Blutleere (anämischen K.) und den K. durch Blutwallung (kongestiven K.) zu unterscheiden. Der anämische K. verbreitet sich über Schläfe, Stirn, Hinterhaupt und Nacken, wird durch horizontale Lage und Bettruhe erleichtert, durch Stehen verschlimmert. Das Gesicht sieht blaß aus, der Kopf ist kalt, und der Patient hat oft Neigung zu Schwindel und Ohnmacht. Die Behandlung muß sich hier auf das Grundleiden, die Anämie, richten; beim Anfall ist Bettwärme, horizontale Lage, Ruhe, frische Luft zu empfehlen, und bisweilen wirkt ein Magenreiz sehr günstig. Beim kongestiven K. ist das Gesicht rot, der Kopf heiß, und die Kopfarterien klopfen. Durch Bewegung, Husten, Niesen, Bücken des Oberkörpers, durch Zurückhalten des Atems wird der Schmerz in der Regel gesteigert. Man mildert den K. durch nasse, kalte Umschläge, Übergießungen, hohe Lagerung des Kopfes, Senfteige in den Nacken, warme Hand- und Fußbäder, kalte Klystiere, kühlende Getränke. Der nervöse K. zieht sich mehr die Schläfe hinauf, tritt nach körperlichen und geistigen Anstrengungen, Nachtwachen, deprimierenden Gemütsaffekten oder bei beginnender Desorganisation des Gehirns und seiner Umgebung auf. Sehr häufig ist auch Zahn- und Ohrenschmerz damit verbunden und die Empfindlichkeit außerordentlich erhöht. Der nervöse Schmerz kann nicht verbissen werden und macht den Kranken durchaus unfähig zum Arbeiten; sobald er aber nachläßt, so fühlt sich der Kranke ganz wohl, nicht abgeschlagen und ermattet. Es waltet auch sonst kein bedeutendes Krankheitsgefühl dabei ob. Zerstreuung, psychische Spannung bewirkt oft, daß der heftigste nervöse K. aufhört. Die Behandlung kann nur in absoluter Ruhe bestehen. Oft thut Aufenthalt im Dunkeln, oft ein anregender Gang ins Freie gute Dienste. Der K. ist endlich sehr häufig auch gastrischen Ursprungs. Anderseits erregt ein bestehen-^[folgende Seite]