Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Körnerfresser; Körnerküste; Körnerlack; Körnerwirtschaft; Kornett; Kornettton; Korneuburg

96

Körnerfresser - Korneuburg.

zu studieren. Doch ließ ihn ein unbestimmter genialer Drang nicht zu ernstern Studien kommen, und schon im nächsten Jahr vertauschte er in Berlin das Studium der Rechte mit dem der Geschichte und Philosophie. Bald schwer erkrankt, besuchte er im Sommer 1811 Karlsbad und ging hierauf nach Wien, wo er durch Kotzebues Vermittelung eine Anstellung als Theaterdichter erhielt. Schon in Leipzig war er mit einer Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel: "Knospen" (1810) hervorgetreten, die Beifall fand; es folgten nun seine dramatischen Dichtungen: "Die Braut", "Der grüne Domino", "Der Nachtwächter", "Toni", "Die Sühne", "Zriny", "Hedwig" und "Rosamunde", die auf dem Wiener Theater mit rauschendem Beifall aufgeführt wurden. Als Preußen zum Kampf gegen Napoleon I. aufrief, trat K. 19. März 1813 in Breslau unter die Lützowsche Freischar und ward bald zum Leutnant befördert. Infolge der Lützener Schlacht (2. Mai) sah sich indessen das Lützowsche Fußvolk unter Petersdorfs Führung in Thatenlosigkeit versetzt und schwärmte unmutsvoll an der Elbe auf und ab. Kaum hatte daher K. erfahren, daß Lützow mit seiner Reiterei einen Streifzug nach Thüringen beabsichtige, als er sich von demselben zu seinem Adjutanten ernennen ließ. Während des Waffenstillstandes 7. Juni 1813 beim Überfall bei Kitzen schwer verwundet, rettete sich K. nur durch seine Geistesgegenwart unter Freundeshilfe nach Leipzig und von da nach Karlsbad, wo er Genesung fand. Nachdem er hierauf noch einige Zeit in Berlin verweilt, kehrte er zu seinen Waffenbrüdern zurück, welche am rechten Elbufer oberhalb Hamburg des Wiederausbruchs der Feindseligkeiten harrten. Als 17. Aug. der Waffenstillstand ablief, erhielt das Lützowsche Freikorps den Vorpostendienst und war seitdem fast täglich im Kampf. Am 26. Aug. sollte ein feindlicher Transport von Munition und Lebensmitteln aufgehoben werden; K., als Adjutant, war an der Seite des Majors. Eine Stunde zuvor hatte er während der Rast im Gehölz seinen Schwanengesang, das "Schwertlied", gedichtet. Er fiel in dem sich an der Straße von Gadebusch nach Schwerin entspinnenden Gefecht bei der Verfolgung der Feinde in das nahe Gehölz, von einer Kugel getroffen, und ward bei dem Dorf Wöbbelin unter einer alten Eiche bestattet. Der Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin schenkte den die Eiche umgebenden Platz Körners Vater, und jetzt ist die Grabstätte umfriedigt und durch ein gußeisernes Denkmal bezeichnet, unter welchem auch Körners einzige Schwester, die im März 1815 dem Gram über des Bruders Verlust erlag, sowie sein Vater und seine Mutter ruhen. K. erhob sich von der Stufe eines leichten Bühnendichters in Kotzebues Stil (die kleinere Lustspiele) und eines noch ziemlich unselbständigen Nachahmers Schillers (in "Zriny" und "Rosamunde") zu der des schwung- und glutvollsten Dichters einer großen Zeit, deren idealer, freudiger, todverachtender Geist in den Liedern von "Leier und Schwert" (Berl. 1814, viele Auflagen; neu hrsg. von Gottschall, mit Einleitung, Leipz. 1868) seinen reinsten, schönsten und bleibendsten Ausdruck fand. Körners theatralische Arbeiten erschienen zuerst in den "Dramatischen Beiträgen" (Wien 1814, 2 Bde.) und in seinem "Poetischen Nachlaß" (Leipz. 1814, 2 Bde.), den sein Vater veröffentlichte. Die sämtlichen Werke Körners, mit dessen Charakteristik von Tiedge, wurden von Streckfuß (in 1 Bd., Berl. 1834; in 4 Bdn. 1838) herausgegeben und erlebten viele Auflagen. Daneben wurden in neuester Zeit noch andre Ausgaben veröffentlicht. Aus Körners Nachlaß gab Latendorf "Liedes- und Liebesgrüße an Antonie Adamberger", Körners Braut, nachmalige Gattin des Numismatikers Arneth (Leipz. 1885) und "Sieben Burschenlieder aus Freiberg, Leipzig und Wien" (Münch. 1886) heraus. Körners Leben beschrieben Lehmann (Halle 1819), Erhard (Arnst. 1821), Hadermann (in Dullers "Männer des Volkes", Bd. 5, Frankf. 1848) und L. Bauer (Stuttg. 1883). Vgl. auch Brasch, Das Grab zu Wöbbelin (Schwer. 1861). Ein Körner-Museum mit Reliquien und Briefen des Dichters und seiner Angehörigen sowie einer reichen Sammlung von historisch, litterarisch und künstlerisch interessanten Gegenständen (Zeichnungen und Gemälden, Büsten, Medaillen, Drucksachen, Manuskripten, Autographen etc.) aus der Zeit der Befreiungskriege ist 1873 durch E. Peschel in dem Geburtshaus Körners zu Dresden eröffnet worden und ging im September 1885 durch Kauf in den Besitz und die Verwaltung der Stadt Dresden über. 1871 wurde daselbst auch die von Hähnel modellierte Erzstatue des Dichters aufgestellt; ein andres Denkmal desselben (von Deneys) steht auf dem Körnerwall zu Bremen.

Körnerfresser, Abteilung der Kegelschnäbler: Lerchen, Ammern, Finken.

Körnerküste (Pfefferküste, Malaguettaküste), Teil von Oberguinea, s. Guinea.

Körnerlack, s. Lack.

Körnerwirtschaft, s. Betriebssystem, S. 830.

Kornett (ital. Cornetto, franz. Cornet, "Hörnchen"), 1) s. v. w. Zinken oder Zink (s. d.). - 2) In der Orgel a) eine den Ton des Zinken nachahmende, jetzt veraltete Zungenstimme zu 8 Fuß oder als Cornettino 4 und 2 Fuß und Grand Cornet 16 Fuß. Ihr Ton ist blökend, und sie wird jetzt nur noch zu 2 und 4 Fuß fürs Pedal gebaut; b) eine gemischte Stimme, meist 3-5chörig, in der Regel zu einer 8-Fußstimme gehörig, selten zu 4 Fuß. Von Mixtur unterscheidet sich K. durch die Terz (fünfter Oberton), welche das Charakteristikum des Kornetts ist. K. bringt immer die Obertöne in geschlossener Reihe und zwar, wenn es fünffach ist, vom Grundton anfangend, vierfach von der Oktave, dreifach von der Duodezime anfangend, immer mit der Septdezime endend. - 3) Cornet à pistons, Cornet à cylindres, Blechblasinstrumente von noch höherer Tonlage als die Trompete, als deren Oktavinstrument es betrachtet werden muß; doch reicht das K. in der Höhe nicht viel über die Trompete hinaus. Das K. kommt vor in C B A As G F E Es D, besonders aber in B Es und F. Virtuosen auf dem K. sind J. ^[Julius] Kosleck und seine Genossen (Kaiser-Kornettquartett).

Kornett (franz. Cornet, v. span. Corneta "Standarte, Reiterfahne"), der jüngste Offizier einer Reiterkompanie (Eskadron), der die Kornette trug, sowie diese Kompanie (eine K. Reuter) selbst. Die Cornette blanche, die reich mit goldenen Lilien bestickte Fahne aus weißer Seide der ersten Kompanie des Regiments Colonel-General der leichten Kavallerie in Frankreich, war nächst der Cornette blanche royale (im 16. Jahrh.) die erste im Heer, die von allen andern Fahnen salutiert werden mußte. K. heißt in Rußland der Fähnrich der Kavallerie.

Kornettton, s. Chorton.

Korneuburg, Stadt in Niederösterreich, links an der Donau und an der Österreichischen Nordwestbahn gelegen, hat zum Teil noch alte Mauern und Thore, einen alten Stadtturm, eine schöne gotische Kirche, mit der Garnison (1880) 5268 Einw., Kotzenfabrikation, Weinbau (am Bisamberg), ein Krankenhaus