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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kornfäule - Kornwurm.

und einen Kindergarten, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion und einer Stabsstation des Eisenbahn- und Telegraphenregiments. In der Nähe befindet sich die Schiffswerfte der Donaudampfschiffahrts-Gesellschaft, zu welcher eine Flügelbahn führt.

Kornfäule, s. v. w. Steinbrand, eine Brandkrankheit des Getreides; s. Brandpilze II.

Kornfliege, s. Grünauge.

Kornfuselöl (Getreidefuselöl), s. Fuselöle.

Korngesetze (Kornhandelsgesetze), in England die Zollgesetze für Getreide, im weitern Sinn die den Getreidehandel betreffenden Gesetze. Vgl. Getreidehandel, S. 266 f.

Körnige Struktur, s. Gesteine, S. 249.

Kornkäfer, s. Kornwurm.

Kornmutter (Kornmuhme), s. Ackerkulte.

Kornrade (Kornnelke), s. Agrostemma.

Kornreinigungsmaschine, s. v. w. Getreidereinigungsmaschine.

Kornrose, s. v. w. Feldmohn, s. Papaver.

Kornschabe, s. Motten.

Kornstaupe, s. Kriebelkrankheit.

Kornthal, Pfarrdorf im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Leonberg, an der Linie Zuffenhausen-Kalw der Württembergischen Staatsbahn, hat eine Lateinschule, 2 große Töchtererziehungsinstitute, Weinbau und (1885) 1322 Einw., welche eine kirchlich separierte Gemeinde bilden, deren Verfassung 1819 vom Amtsbürgermeister G. W. Hoffmann nach dem Muster derjenigen der ersten apostolischen Gemeinden eingerichtet ist. Vgl. Kapff, Die württembergischen Brüdergemeinden K. und Wilhelmsdorf (Stuttg. 1839).

Korntrespe, s. Bromus.

Kornut (lat. Cornutus, "Gehörnter") wurde in der Buchdruckerei ein junger Gehilfe so lange genannt, bis er durch eine zum Teil sehr rohe, mit beträchtlichen Unkosten verknüpfte Zeremonie, das Postulat, zum vollen Gehilfen umgeschaffen worden war. Das Postulat oder Depositionsspiel, schon zu Anfang des 17. Jahrh. nachweisbar, ist in den ersten Jahrzehnten des gegenwärtigen außer Gebrauch gekommen.

Kornwage (Getreidewage), Wage zur Bestimmung des Gewichts einer Maßeinheit, also des spezifischen Gewichts, des Getreides. Das spezifische Gewicht gestattet wichtige Schlüsse auf die Beschaffenheit, den Nahrungswert des Getreides, und es ist von um so größerer Wichtigkeit, als durch die Zunahme des Feuchtigkeitsgehalts des Getreides das Volumen desselben in weit höherm Maß vergrößert wird als das Gewicht. Die Bestimmung des spezifischen Gewichts ist deshalb für den Getreidehandel von erheblichem Wert, aber sie ist mit Schwierigkeiten verbunden, weil das Gewicht eines Hektoliters sehr bedeutend (bis 10 Proz.) nach der Art und Weise der Füllung des Maßes schwankt. Diese Fehler vermeidet vollständig der automatische Apparat zur Ermittelung des Volumgewichts von Getreide, den die kaiserliche Normal-Eichungskommission in Berlin konstruiert hat. Der Apparat vollzieht die Operation des Einfüllens und Abstreichens so korrekt, daß die Fehler wiederholter Bestimmungen auf 0,2-0,033 Proz. eingeschränkt werden. Er besteht aus einer cylindrischen Kornschale, Wage, Gewichtssatz, Streichholz und konischem Fülltrichter: alles in einem kompendiösen Etui geliefert. Die Stativsäule der Wage und des Trichters wird zum Gebrauch auf den Etuideckel aufgeschraubt, das Rahmenstück des Fülltrichters um dieselbe drehbar befestigt und schließlich die Wage aufgehängt. Neben der Stativsäule ist durch eine Metallplatte für die Kornschale eine bestimmte, feste Stellung markiert, in welcher durch Drehung des Fülltrichterrahmens um die Stativsäule die Bodenöffnung des Trichters zentrisch über die Schale gebracht werden kann. Außerdem ist in eine Kulisse ein zweites Stativ einzuschieben, um dessen Achse sich der Streichapparat dreht. Durch Freilassung einer Feder des Trichterbodens wird die Füllung des Trichters in die Schale (mit einiger Vehemenz) entleert, der Trichter sodann durch Rückdrehung um die Stativsäule entfernt, die Streichholzvorrichtung bis genau über die Mitte der Schale geführt und darauf durch Drehung des geradkantigen Streichholzes mit lotrechter Führung (wagerechter Stellung der untern Ebene) um die in dieser Stellung fest arretierte Achse desselben die vollständige Abstreichung bewirkt. Die Drehung wird so lange fortgesetzt, bis keine Körner mehr herabfallen. Die so vorschriftsmäßig gefüllte Schale wird dann unmittelbar am Gehänge des Wagebalkens aufgehängt und gewogen. Der Apparat wird in verschiedenen Größen (mit 2-1- und ½-Literschalen) hergestellt und ist von der genannten Behörde zu beziehen. Der Ein-Liter-Apparat ist für praktische Zwecke der empfehlenswerteste. Man führt eine Anzahl Wägungen mit der zu prüfenden Getreideart aus (in der Regel genügen drei, wenn sie höchstens um 0,1-0,8 Proz. [bei Hafer etwas mehr] - untereinander abweichen), und das Mittel aus diesen Wägungen ist für die Probe maßgebend.

Kornwestheim, Flecken im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Ludwigsburg, an der Linie Bretten-Friedrichshafen der Württembergischen Staatsbahn, hat Sandsteinbrüche und (1885) 1710 meist evang. Einwohner. Dabei die Karlshöhe, eine Kindererziehungsanstalt nach dem Muster des Rauhen Hauses in Horn bei Hamburg, und der Salon, ein Asyl für ältere oder kranke Männer, in herrlicher Lage.

Kornwolf, s. Ackerkulte.

Kornwucher (Getreidewucher), die wucherische Ausbeutung der Getreidekonsumenten durch Aufkauf und Aufspeicherung, um bei Mangel an Brotfrucht den Preis möglichst in die Höhe zu schrauben. Ein derartiges wucherisches Gebaren, welches bei ungenügender Verkehrsentwickelung wohl Erfolg haben konnte, übt bei großer Ausdehnung des Getreidemarktes nur einen geringen Einfluß aus. Vgl. Getreidehandel, S. 267.

Kornwurm (Kornkäfer, Sitophilus granarius L.), Rüsselkäfer, mit Getreide aus dem Orient eingeschleppt, pflanzt sich bei uns nur in Speichern fort und erscheint in solchen, in Mühlen und Bäckerhäusern bisweilen in großer Menge. Er ist 3,6 mm lang, rot- bis schwarzbraun, an Fühlern und Beinen rostrot und hat einen dünnen, sanft gebogenen Rüssel etwa von der Länge des Brustschildes, welches mit großen, länglichen Punkten besetzt ist und eine glänzende Mittellinie zeigt. Die geknieten Fühler mit sechsgliederiger, lang-eiförmiger, geknopfter Geißel sitzen an der Wurzel des Rüssels unmittelbar vor den Augen. Die Flügeldecken sind am Ende zusammen abgerundet und tief punktiert gestreift. Die Larve ist fußlos, gekrümmt, weiß, mit braunem Kopf, ernährt sich von dem Mehl eines Korns, in welches das Ei gelegt wurde, und verpuppt sich in demselben. Im Juli erscheint der Käfer und Ende September die zweite Generation, die in Ritzen, unter Brettern, in der Erde, in Tennen etc. überwintert. Der K. richtet bisweilen großen Schaden an, erscheint besonders an der Mittagsseite der Speicher und bevorzugt nicht ganz trocken eingebrachtes Getreide. Er lebt gesellig