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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kraina; Krainburg; Krajewskij; Krajina; Krajowa; Krajuru; Krakatau; Krakau

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Kraina - Krakau.

an die Habsburger (1335) und gewann 1374 durch die Anerbung der Hinterlassenschaft des Grafen Albert IV. von der jüngern Görzer Linie eine wesentliche Vergrößerung (Windische Mark, Möttling oder Metlik und Poik). Seitdem ist K. bis auf die kurze Zwischenzeit von 1809 bis 1813 (während welcher es zu Frankreich gehörte) fortwährend bei Österreich als ein Teil der "innerösterreichischen Länder" geblieben. Seit 1816 war das Gouvernement Laibach ein Teil des Königreichs Illyrien, und seit 1849 ist es ein selbständiges Kronland, in dem die Slowenen immer mehr das Übergewicht erhalten. Vgl. Hoff, Historisch-statistisch-topographische Gemälde von K. (Laib. 1808); "Spezial-Ortsrepertorium von K.", herausgegeben von der k. k. statistischen Zentralkommission (Wien 1884); Dimitz, Geschichte Krains von der ältesten Zeit bis 1813 (Laib. 1874-76, 4 Bde.); Derselbe, Kurzgefaßte Geschichte Krains (das. 1886); Derselbe, Die Habsburger und ihr Wirken in K. 1282-1882 (das. 1883).

Kraina (Krajina, entsprechend dem russisch-poln. Ukraina), bei den Südslawen (Serben und Kroaten) s. v. w. Grenzland; insbesondere Name zweier Landstriche in Bosnien und Serbien: 1) K. in Bosnien, der nordwestlichste Teil des Landes, vom Fluß Vrbas bis zur Grenze Österreich-Ungarns. K., auch unter dem Namen Türkisch-Kroatien bekannt, ist ein sehr unwegsames Gebirgsland mit zum Teil weitläufigen Plateaus und umfaßt ca. 8260 qkm (150 QM.) mit (1885) 158,224 meist mohammedan. Einwohnern. Gegenwärtig bildet K. den Kreis Bihač. - 2) K. in Serbien, der nordöstlichste Kreis des Königreichs, 3259 qkm (59 QM.) groß mit (1884) 82,529 Einw. (über die Hälfte Rumänen) und dem Hauptort und Bischofsitz Negotin, wurde erst im 12. Jahrh. von den Serben eingenommen und behielt auch, nachdem die Türken Serbien unterjocht hatten, eine gewisse Unabhängigkeit. In der K. wird ein vorzüglicher Wein gebaut, der neuerdings stark nach Frankreich exportiert wird.

Krainburg, Stadt im österreich. Herzogtum Krain, auf einem Felsen über der Save, welche hier die Kanker aufnimmt, und an der Staatsbahnlinie Laibach-Tarvis gelegen, mit altem Schloß, gotischer Kirche, Realgymnasium, (1880) 2313 Einw., Fabrikation von Wolldecken und Loden und einer Kunstmühle, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. K. war ehemals Hauptstadt von Krain.

Krajewskij, Andrei Alexandrowitsch, russ. Journalist, geb. 1810, war 1834-37 in der Redaktion des Journals des Ministeriums der Volksaufklärung thätig, redigierte von 1839 bis 1849 die "Vaterländischen Memoiren", 1857 den "Russischen Invaliden" und begründete 1863 den "Golos", gegenwärtig die namhafteste Zeitung Rußlands.

Krajina, s. Kraina.

Krajowa, Hauptstadt des Kreises Dolschi in Rumänien (Walachei), unweit des Schyl, ehemaliger Hauptort der Kleinen Walachei, an der Eisenbahn von Bukarest nach Orsowa, hat 27 griechisch-katholische, eine römisch-katholische, eine prot. Kirche, 3 Synagogen, ein Theater, einen öffentlichen Park (Bibesco) und 40,000 Einw. (darunter 3000 Römisch-Katholische und 1800 Juden), welche lebhaften Handel treiben. K. hat ein Lyceum, eine Handelsschule, eine Kadettenschule, eine höhere Töchterschule und ist Sitz eines Appellations- und eines Handelsgerichts, des Generalkommandos des 1. Armeekorps sowie eines deutschen Konsuls. In der Nähe befinden sich ansehnliche Salzwerke. - Hier 1397 Sieg des walachischen Woiwoden über Sultan Bajesid und 31. Okt. 1853 Gefecht zwischen der russischen Avantgarde, welche die Stadt besetzt hatte, und den Türken.

Krajuru (Carajuru), s. v. w. Chicarot.

Krakatau (Krakatoa), Insel in der Sundastraße mitten zwischen Java und Sumatra, nur 5½ km lang und 2 km breit und nur 15,3 qkm groß, maß aber vor dem Ausbruch 1883 in der Länge 9, in der Breite 5 km und hatte ein Areal von 33,5 qkm. Die Insel hatte ihre höchste Erhebung in dem vulkanischen Kegel Perbuatan, der sich am Nordwestende 822 m ü. M. erhob. Rings um dieselbe lagerten sich Korallenbänke, und ihr ganz nahe lagen die kleinen Inseln Verlaten im NW. und Long im NO. Eine dichte Waldvegetation bedeckte K. von der Basis bis zur Spitze; im nördlichen Teil entsprangen dem Boden mehrere heiße Quellen. Eine ständige Bevölkerung gab es nicht; nur zeitweilig hielten sich hier Javaner von der gegenüberliegenden Küste auf, um sich mit Holz zu versehen. Die Insel bildete nach Junghuhn eine Fortsetzung der vulkanischen Kette auf Java, allein eine vulkanische Thätigkeit hatte man nicht seit 1680 wahrgenommen, wo ausgeworfene glühende Aschenmassen die Vegetation an den Ufern der Sundastraße zerstört hatten. Aber 20. Mai 1883 begann der Vulkan von neuem Asche auszuwerfen und dichte Rauchsäulen emporzusenden, und in der Nacht vom 26. bis 27. Aug. trat eine der schrecklichsten Katastrophen dieses Jahrhunderts ein. Der größere Teil der Insel mit dem Pik Perbuatan sank ins Meer, nur der südliche Teil blieb und wurde noch in etwas vergrößert durch das Aufsteigen des Meeresbodens an der Westseite. Auch zwei kleine Inseln, welche die Namen Calmeyer und Neers empfingen, entstiegen der See, sanken aber bald wieder hinab, so daß im Mai 1884 über ihnen eine Tiefe von 4 m gemessen wurde. Dieses Sinken und Heben verursachten eine mächtige Beunruhigung des Meers, welches ungeheure Wellen über die Ufer von Sumatra und von Java wälzte, wo Andscher und Merak fast gänzlich zerstört wurden. Verlaten und Long sind beide an Umfang gewachsen, ihre schöne Vegetation aber wurde unter einer dichten Aschendecke begraben. Die durch die Katastrophe verursachten Veränderungen stellen sich in Quadratkilometern wie folgt dar:

^[Liste]

Früheres Areal Eingestürzt Übriggeblieben Neubildung Jetziges Areal

Krakatau 33,5 22,8 10,7 4,6 15,3

Verlaten Eiland 3,7 - 3,7 8,1 11,8

Long Island 2,9 - 2,9 0,3 3,2

Verlaten Eiland ist jetzt 205, Long Island 135 m und der Pik Rakata auf K. 832 m hoch. Der Meeresgrund, welcher früher im N. große Unregelmäßigkeiten zeigte, ist dort so ziemlich nivelliert worden, im übrigen hat er sich in bemerkenswerter Weise nicht verändert. Der Ausbruch des Vulkans machte sich weithin fühlbar durch eine mächtige Welle, welche den ganzen Indischen wie den Pazifischen Ozean bis zur Küste Südamerikas durchzog, und durch ungeheure Massen von Dämpfen und vulkanischem Staub, welche nahezu die Runde um die Erde gemacht haben sollen. Sogar in Sydney, New York, Paris, Berlin, Petersburg will man diese ungeheure atmosphärische Störung beobachtet haben. Vgl. Verbek, Krakatau (Haag 1886, 2 Bde. mit Atlas).

Krakau (poln. Krakow), vormals Residenz, Krönungs- und Begräbnisstätte der polnischen Könige, jetzt Stadt und Festung im österreich. Kronland Galizien, liegt in weiter, von Hügeln umgrenzter Ebene, 205 m ü. M., am linken Ufer der Weichsel, welche hier die Rudawa aufnimmt, und ist ein wichtiger